Gershkovich: Post aus russischer Haft

Evan Gershkovich sitzt im russischen Gefängnis. Dem US-Reporter wird Spionage vorgeworfen. Foto: picture alliance/AP/Alexander Zemlianichenko

Ende März wurde der US-Journalist Evan Gershkovich vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB in Jekatarinenburg verhaftet. Jetzt hat das „Wall Street Journal“ einen handgeschriebenen Brief ihres Russland-Korrespondenten veröffentlicht, den der Reporter an seine Familie geschrieben haben soll. Es soll die erste direkte Kontaktaufnahme mit seiner Familie seit der Verhaftung sein. Gegen Gershkovich wurde mittlerweile Anklage erhoben. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft. Der Vorwurf: Spionage für Washington.

Der handgeschriebene Brief ist auf den 5. April datiert und in russisch. So unterhalte sich der 1991 geborene Gershkovich mit seinen Eltern. Sie waren Ende der 1970er Jahre aus der Sowjetunion ausgewandert. „Ich möchte sagen, dass ich die Hoffnung nicht verliere“, schrieb der Korrespondent der Zeitung demnach an seine Familie in Philadelphia. „Ich lese. Ich treibe Sport. Und ich versuche, zu schreiben. Vielleicht werde ich endlich etwas Gutes schreiben.“ Dem „WSJ“ schrieb er weiter: „Mama, du hast mich leider gut auf das Essen im Gefängnis vorbereitet.“ Das Essen erinnere ihn an seine Kindheit.

Das „Wall Street Journal“ hatte die Spionage-Vorwürfe gegen ihren Reporter zurückgewiesen und seine sofortige Freilassung gefordert. US-Präsident Joe Biden nannte die Vorwürfe „lächerlich“. Er warf dem Kreml vor, willkürlich US-Bürger*innen zur verhaften, um sie gegen inhaftierte Russen auszutauschen. Erinnert sei an den Austausch des in den USA verurteilten russischen Waffenhändlers Victor Bout gegen die US-Basketballerin Brittney Griner, bei der Cannabis-Öl im Gepäck gefunden worden war. Washington hat die Gefangennahme formell als wiederrechtlich eingestuft. Damit erhält der Fall eine höhere Priorität in der Verwaltungshierarchie. 

Die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete am 14. April, dass gegen im FSB-Gefängnis Lefortowo inhaftierten Gershkovich Anklage erhoben wurde. Der Reporter habe die Vorwürfe des „kategorisch“ zurückgewiesen und erklärt, er sei als Journalist in Russland. Sein Fall sei als „streng geheim“ eingestuft worden .

Der US-Bürger berichtet seit 2017 über Russland. Vor dem „Wall Street Journal“ arbeitete er für die englischsprachige Zeitung „The Moscow Times“ und die Nachrichtenagentur AFP. Deutsche Medienschaffende hatten in einem offenen Brief an den russischen Botschafter in Deutschland die unverzügliche und bedingungslose Freilassung von Gershkovich gefordert. 

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