Präsidenten-Veto gegen Polens Mediengesetz

Foto: pixabay

Die EU-Kommission und Journalistenorganisationen haben sich erfreut über das Veto des polnischen Präsidenten Andrzej Duda gegen das umstrittene Mediengesetz gezeigt. Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für Werte und Transparenz, Vera Jourova, bezeichnete die Entscheidung auf Twitter als „wichtiges Signal für den Dialog“. Sie begrüße Dudas Einspruch gegen das „Lex TVN“ – ein alternativer Name für das Gesetz, in dem Gegner*innen den Versuch sehen, den regierungskritischen Nachrichtensender TVN 24 zu schwächen. Hinter TVN steht der US-Konzern Discovery.

Das im August im polnischen Parlament beschlossene Gesetz schreibt vor, dass ausländische Investoren, die ihren Sitz außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) haben, nicht die Mehrheit an einem polnischen Medienunternehmen besitzen dürfen. Unternehmen, die gegen diese Vorschrift verstoßen, wird eine Sendelizenz verweigert. Offiziell will die regierende PiS-Partei so verhindern, dass Organisationen aus Staaten wie China oder Russland die Kontrolle über polnische Medienunternehmen übernehmen können. Auch wegen des Streits um das Gesetz ist das nationalkonservative Regierungsbündnis in Polen zerbrochen.

Im September lehnte die zweite Parlamentskammer, der Senat, das Gesetz ab. Dort verfügt die PiS nicht über die Mehrheit. Der Sejm, die erste Kammer des Parlaments, überstimmte diesen Entschluss jedoch Mitte Dezember mit absoluter Mehrheit. Die finale Entscheidung lag daher bei Duda. Dieser hatte bereits im Sommer erklärt, er könne sich „wegen der sehr kontroversen Lösung“ ein Veto gegen die Novelle vorstellen.

Für Reporters sans frontières, die internationale Organisation von Reporter ohne Grenzen mit Sitz in Paris, ist das Veto eine „gute Nachricht für die schwer geprüfte Pressefreiheit in Polen“. Das Gesetz sei Teil des Plans der Regierungspartei, die privaten Medien zu „repolonisieren“ und ihre redaktionelle Linie zu ändern. Die Journalistenorganisation forderte die Medienaufsichtsbehörden auf, die im Februar auslaufende Sendelizenz des Unterhaltungssenders TVN 7 zu verlängern, ohne die Abstimmung im Parlament abzuwarten. Dieses werde das Veto Dudas wahrscheinlich nicht aufheben. Die Europäische Journalisten-Föderation (EJF) in der auch die dju in ver.di Mitglied ist, begrüßte die Entscheidung Dudas ebenfalls.

Polen ist in den vergangenen fünf Jahren auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen von Platz 18 auf Platz 62 von 180 Ländern abgerutscht. Die Menschenrechtsorganisation beklagt den massiven Einfluss der 2015 ins Amt gekommenen national-konservativen Regierung auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die diesen auf eine nationalistische Linie bringe. Auch private regierungskritische Medien stünden unter anderem durch den Entzug von Werbeanzeigen unter Druck.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Weniger Frauen in Führungspositionen

Der Frauenmachtanteil in den deutschen Leitmedien ist laut Pro Quote Medien erneut gesunken. Das zeigt eine neue Leitmedienzählung. Der gewichtete Frauenmachtquotient liegt aktuell bei  37,3 Prozent – ein weiterer Rückgang um 0,2 Prozentpunkte gegenüber Januar 2026.
mehr »

Altersvorsorge für Filmschaffende

Für jede fiktionale Filmproduktion, die als Kinofilm, Film und Serie im Fernsehen oder in Streamingdiensten erscheint, soll für alle Beschäftigte vor und hinter der Kamera ab Beginn des Jahres 2027 einheitlich die tarifvertragliche betriebliche Altersversorgung für Filmschaffende gelten. Der dazu für die Branche vereinbarte Tarifvertrag besteht bereits seit gut einem Jahr.
mehr »

Journalist weiter in syrischer Haft

Zivilgesellschaftliche Gruppen rufen dazu auf, sich weiter für die Freilassung des kurdischen Journalisten Ahmet Polad einzusetzen. Er war im Januar gemeinsam mit seiner deutschen Kollegin Eva Maria Michelmann  in der nordsyrischen Stadt Raqqa verschwunden. Seit dem 19. Juni 2026 ist Michelmann wieder in Köln. Polad ist weiter in Haft.
mehr »

Nachschlagewerk gegen Einschüchterungsklagen

Die No SLAPP Anlaufstelle hat ihr aktuelles Handbuch veröffentlicht: Hier lesen Sie jede Woche ein neues Kapitel daraus. Das Handbuch bündelt das Wissen aus zwei Jahren Beratungspraxis sowie die Expertise des rechtlichen Beirats und weiterer Kooperationspartner*innen. Es ist ein zentrales Referenzwerk für alle, die sich gegen strategische Klagen informieren, zur Wehr setzen und darüber berichten möchten.
mehr »