Das Ende der ersten Nachkriegszeitung

Neubau des Medienhauses Aachen im Frühjahr 2021: Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung sollen zu einem gemeinsamen Blatt zusammengelegt werden. Foto: IMAGO/Hans-Jürgen Serwe

Sie war die erste freie und demokratische Zeitung in Deutschland, bis heute ist man in Aachen stolz auf das Blatt mit der Lizenz-Nr. 1. Doch nun stehen die „Aachener Nachrichten“ vor dem Aus. Geplant ist eine Fusion mit der „Aachener Zeitung“. „Richtig ist, dass die AZ und die AN seit Langem inhaltlich sowie in der Gestaltung nahezu identisch sind“, heißt es in einer Mitteilung der „Aachener Nachrichten“. „Deshalb tragen wir uns schon seit Langem mit dem Gedanken, die beiden Zeitungen zu fusionieren.“

Diese Überlegungen habe es bereits vor der Übernahme durch den neuen Mehrheits-Eigentümer Mediahuis gegeben, hieß es vonseiten der „Aachener Nachrichten“. Die Mediahuis-Gruppe, die auch in Belgien, den Niederlanden, Irland und Luxemburg tätig ist, hatte zum Jahresbeginn die Gesellschaftsanteile der Aachener Verlagsgesellschaft mbH (AVG) vollständig übernommen.

Für die Mitarbeiter*innen komme die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt dennoch überraschend, sagte Petra Jaspers, langjährige Mitarbeiterin bei „AN“ und „AZ“ und ver.di-Mitglied, im Gespräch mit M. Die Stimmung in der Belegschaft sei „durchwachsen“. Zurzeit sei man auch stark durch räumliche Veränderungen gefordert – erst Anfang des Monats ist das ganze Haus in ein neues Gebäude gezogen.

Dass die beiden Blätter inhaltlich kaum mehr zu unterscheiden sind, war nicht immer so. Bis zur Jahrtausendwende hatten beide Titel starke eigene Profile, die „Aachener Nachrichten“ wandten sich an eher sozialliberale Leser*innen, die „Aachener Zeitung“ galt als christlich-konservativ. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und dramatischen Einnahmeverlusten änderte sich die Situation, die beiden Zeitungen wurden sich immer ähnlicher. Im gemeinsamen Haus sei im Zweifel immer zuerst an den „Aachener Nachrichten“ gespart worden, heißt es unter den Mitarbeiter*innen.

Wechsel in eine tariflose Gesellschaft

Der Entschluss zur Fusion der Titel „beruht auf der Erkenntnis, dass die Druckauflage stetig sinkt, während die Nachfrage nach unseren digitalen Nachrichtenprodukten steigt“, sagte Julia Tran, Managerin für das operative Geschäft des Medienhauses Aachen, auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Die endgültige Entscheidung zur Fusion steht allerdings noch aus. Für September sei dazu ein Gesellschafterbeschluss geplant, sagte Tran.

Wie aus dem Haus zu hören ist, haben die neuen Besitzer bereits angekündigt, sich der Tarifbindung entziehen zu wollen. Das bestätigte auch Managerin Tran gegenüber dem epd: Die tarifgebundene Gesellschaft des Medienhauses Aachen solle aufgelöst werden und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in eine tariflose Gesellschaft wechseln. Die tariflichen Rechte gingen den betroffenen Beschäftigten dabei aber nicht verloren, sagte sie.

Doch die Mitarbeiter*innen befürchten für die Zukunft eine Bezahlung nach dem „Nasenprinzip“. Nicht mehr der Tarifvertrag regele Gehaltserhöhungen, sondern der „jährliche Bittgang zum Chef“. Welchen Namen das neue Blatt bekommen soll, steht noch nicht fest.

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