Freier Sender Radio Z in Gefahr?

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Foto: Radio.Z, Nürnberg

Radio Z fürchtet um Zuschüsse von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Bei den Geldern geht es um die Verbreitungskosten. Es droht die Gefahr, dass der freie Sender in Nürnberg finanziell austrocknet. Damit das nach fast 40 Jahren nicht passiert, haben die Mitarbeitenden eine Spendenkampagne initiiert. Auch andere freie Radios in Bayern haben ähnliche Probleme.

„Wie viele von Euch vermutlich bereits aus verschiedenen Quellen wissen, ist es aktuell nicht gut bestellt um eines der wenigen Freien Radios in Bayern“, heißt es in einer Erklärung auf der Startseite des Freien Radios Z aus Nürnberg. Denn die BLM habe angedeutet, im Rahmen einer Sparpolitik bei Community Media wie Radio Z kürzen zu wollen. „Diese für uns existentielle Bezuschussung droht nun zu versiegen.“ Der Wegfall dieser finanziellen Mittel „würde klipp und klar ein Ende von Radio Z in der jetzigen Form bedeuten“, heißt es in der Erklärung.

Allein die Verbreitungskosten betragen jährlich rund 60.000 Euro. Bis Juni wird der Sender von der BLM und der Staatskanzlei nach eigener Aussage noch mit 50.000 Euro unterstützt. Das Datum sei in einem Gespräch gefallen, heißt es bei Radio Z. Während der Eigenanteil also bislang bei 10.000 Euro lag, könnten er künftig auf 40.000 Euro erhöht werden, so die Mitarbeitenden weiter.

Für Dieter Radke wäre ein Ende von Radio Z ein medienpolitisches Desaster. Radke ist Mitglied einer der Redaktionen, die bei Radio Z senden. „Wir sind ein Gegenpol, an dem Demokratie und kritische Sichtweisen gelebt werden. Besonders Sendungen von gesellschaftlichen Minderheiten sind in Gefahr. Sendungen wie ´Strafzeit´, ´Durchgeknallt´ oder ´Radio Gays´ sind in anderen Radios nicht zu hören.“

BLM setzt auf Fortführung 

Allerdings beruhigt die BLM. Auf M-Anfrage heißt es: „Über die Verbreitungsförderung wird ein Großteil der UKW-Verbreitungskosten übernommen. Diese Förderung läuft am 30. Juli 2024 aus. Die BLM ist aktuell in Gesprächen mit der Bayerischen Staatskanzlei, aus deren Haushalt der größte Anteil der Mittel stammt. Das von der BLM vorgeschlagene Konzept sieht eine Weiterführung der UKW- und DAB-Verbreitungskostenförderung für die gemeinnützigen Angebote in gleicher Höhe vor.“

Am 16. Mai beschloss der BLM-Medienrat ein Transformations-Anreiz-Konzept für die Digitalisierung lokaler Radios. Darüber wurde auch Radio Z informiert, sagt Geschäftsführerin Syl Glawion. Hinzugefügt wurde der Hinweis: „Bitte berücksichtigen Sie, dass das Konzept die Förderung der digitalen terrestrischen Verbreitung beinhaltet und insofern naturgemäß keine Aussagen zur Förderung einer analogen Verbreitung enthält.“

Am 25. Mai habe es ein Treffen mit der Landtagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen und der BLM gegeben, so Glawion. Ein klärendes Gespräch bei der Staatskanzlei zur Förderung der Community Radios sei von dort mit dem Verweis auf die Staatsferne abgelehnt worden. „Eine Einbeziehung der Staatskanzlei in Einzelfragen der Förderung ist deshalb nicht möglich. Über die Zweckmäßigkeit des Förderkonzepts befindet der Medienrat mit seiner Beschlussfassung.“

Bündnis von Alternativbewegung und Liberalen

Radio Z ist seit 1987 auf Sendung und Mitglied des Bundes Freier Radios. Dort finden sich noch die Glückwünsche zur Verleihung des Alternativen Medienpreises im Juli 2023. Die Auszeichung bekam der Sender für das Feature „Unser Haus – die Hausbesetzungsbewegung 1980/81“. Das Feature zeichnet die Instandbesetzer*innenbewegung in Nürnberg nach. 

Die Themensetzung weist schon auf die Geschichte des Senders hin. Schon die Gründung von Radio Z war eng mit der außerparlamentarischen Bewegung verbunden. Seit 1984 wurde der Sendestart vorbereitet. Ziel war es, dem Bayerischen Rundfunk ein alternatives Medien entgegenzusetzen. Nürnberg galt lange Zeit als „rote Hochburg“ im konservativen Bayern. In der Stadt hatten lange Zeit SPD und Grüne Mehrheiten im Kommunalparlament. Viele Bewohner*innen sahen sich in der regionalen Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks nicht genügend berücksichtigt. 

So wurde Radio Z nicht nur von linksalternativen Spektrum sondern auch von liberalen Kreisen unterstützt. Dem gemeinnützigen Verein Rundfunk-Aktionsgemeinschaft Demokratischer Initiativen und Organisationen, dem Trägerverein von Radio Z, gehörten auch ein Nürnberger FDP-Stadtrat und eine ehemalige SPD-Bundesministerin an. 

Hoffen auf die Hörer*innen

Jetzt setzt Sender auch auf die Solidarität seiner Hörer*innen. „Wir haben aktuell rund 1.200 bis 1.300 zahlende Mitglieder. Um die Summe in Zukunft aufbringen zu können, brauchen wir bis Juni zwischen 400 und 700 neue Vereinsmitglieder“, rechnet Radke vor. Das wäre die Voraussetzung, um den Sendebetrieb trotz möglicher Kürzungen längerfristig zu sichern. Der Beginn der Kampagne war für den Sender ermutigend. Innerhalb von einer Woche konnten rund 70 neue Mitglieder geworben werden. 

Die Unterstützung bestärke die Aktiven im Sender, für den Erhalt zu kämpfen: „Wir müssen dranbleiben und die Menschen weiter von einer Mitgliedschaft überzeugen“, betont Radke. Doch gleichzeitig soll auch der Druck auf die BLM verstärkt werden.

Auch Radio Lora kämpft gegen Finanznot

Schließlich ist nicht nur Radio Z ist von Finanzproblemen betroffen. Auch Radio Lora, ein Freies Radio aus München, wirbt Vereinsmitglieder mit der optimistischen Losung: „Freies Radio ohne Sorgen um die Finanzierung,— das ist der Traum! Allerdings sollte dabei die Politik nicht aus der Forderung aus der Verantwortung entlassen werden. Das sieht auch die Münchner SPD so. Sie formulierte im September 2023 einen Antrag zur Förderung von Radio Lora.

Dort wird das Münchner Sozialreferat beauftragt, das Community- bzw. Bürger-Radio LORA München in die Regelförderung aufzunehmen. In der Begründung heißt es: „Der Sender gibt bürgerschaftlich Engagierten in der Stadt eine Stimme.“ Diese Beschreibung triff auch auf Radio Z zu.

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