Beschäftigte fordern: zurück in den Tarif  

Werbung für die Frankfurter Rundschau. Ein Archivbild von 2018. Foto: Wikimedia/Philipp Gross

Mit Nachdruck fordern die Beschäftigten der „Frankfurter Rundschau“ (FR) die Rückkehr der Tageszeitung in den Tarif. In einem Offenen Brief an die Geschäftsleitung des Ippen Verlages sorgt sich der Aktivenausschuss der FR um die Zukunft des traditionsreichen Blattes. Entscheidend dafür seien die aktuellen Tarifverhandlungen. In der ersten Runde im Juli haben ver.di und der DJV-Hessen für die Anerkennung des Flächentarifvertrags für Redakteur*innen an Tageszeitungen plädiert. Jedoch hat der Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt. Das erwarten die Gewerkschaften nun am 22. August.

In den Tarifverhandlungen gehe es um eine Verbesserung der Situation der Beschäftigten und damit auch der FR insgesamt, heißt es im Offenen Brief. Derzeit herrsche „bei der Bezahlung der Redaktionsmitglieder enorme Ungerechtigkeit. Viele Kolleg*innen verdienten so wenig, dass die Lebenshaltungskosten im Rhein-Main-Gebiet für sie nicht mehr zu stemmen seien. „Volontär*innen bekommen für ihre Arbeit teilweise nicht einmal den Mindestlohn. Und selbst Kolleg*innen mit besseren Verträgen haben seit Jahren enorme Reallohnverluste.“

Gleichzeitig sei die Zahl der Mitarbeitenden kontinuierlich gesunken. „Mit großem Bedauern haben wir in den letzten Monaten und Jahren vielversprechende Talente und altgediente Redakteur*innen die Rundschau verlassen sehen, weil sie die Arbeitsbedingungen nicht mehr ertragen konnten“, heißt es weiter in dem Schreiben. Offene Stellen würden oft nicht nachbesetzt, die Arbeitsbelastung für die verbliebenen Beschäftigten steige immer weiter an. „Dass wir unseren eigenen Ansprüchen, den Ansprüchen der Leser*innen und den Ansprüchen, die unsere Rolle in einer demokratischen Öffentlichkeit mit sich bringt, heute noch gerecht werden, ist nur um den Preis der Selbstausbeutung der Beschäftigten möglich“, betont die Beschäftigtenvertretung.

Obwohl sich der Münchener Ippen-Konzern rühme, ein großes Netzwerk an Redaktionen und Verlagen zu haben, nutze er Synergien zwischen den einzelnen Betrieben, vornehmlich um Personal einzusparen, wird der Verlagsgruppe vorgeworfen. „Statt die Vielfalt in der Presselandschaft zu erhalten, wird sie schleichend abgebaut, Inhalte werden vervielfältigt und dadurch journalistische Perspektiven und Meinungen zentralisiert, die digitale Zukunft unserer Qualitätsprodukte verspielt. Redaktionen werden gegeneinander ausgespielt.“ Die Lohnniveaus seien auch zwischen den verschiedenen Ippen-Redaktionen intransparent und von großer Ungleichheit geprägt.

Im Zuge der Tarifverhandlungen bei der FR erklären sich die Redakteur*innen solidarisch mit allen anderen Mitarbeiter*innen bei Ippen. Dazu gehörten auch die Beschäftigten der Druckerei in Mörfelden-Walldorf, die 2024 abgewickelt werden soll. „160 Kolleg*innen mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren stehen dort vor der Arbeitslosigkeit“, heißt es in dem Offenen Brief.

 

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