Gutachten: BGH stärkt Informationsfreiheit

Justitia Foto: Hermann Haubrich

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat ein Urteil bestätigt, wonach die Veröffentlichung eines Glyphosat-Gutachtens keine Urheberrechtsverletzung darstellt. Nach dem Landgericht und dem Oberlandesgericht Köln hat jetzt auch der BGH klargestellt, dass das Online-Portal „Frag den Staat“ 2018 die Bewertung von Krebsrisiken durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlichen durfte. Damit endet ein langer Urheberrechtsstreit zwischen der Transparenz-Initiative und der Bundesregierung.

Das BfR untersteht dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Es hatte 2015 eine Stellungnahme zu einer Monographie der Internationalen Agentur für Krebsforschung verfasst. Das Dokument hatte die Initiative durch eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz erhalten und auf der eigenen Website veröffentlicht. Dagegen ist das BfR vorgegangen wie auch gegen eine Veröffentlichung eines Glyphosat-Berichts durch den MDR. Das BfR sah das Urheberrecht verletzt. 

Im Fall von „Frag den Staat“ bestätigte der BGH das Urteil des Oberlandesgerichts Köln aus dem vergangenen Jahr, wonach keine Verletzung des Urheberrechts vorliege (Az.: I ZR 84/21). Zunächst hatte das Landgericht Köln im April 2019 per Einstweiliger Verfügung die Veröffentlichung untersagt. Der BGH hat am 27. Januar 2022 eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision zurückgewiesen, wie aus dem am 30. März 2022 veröffentlichtem BGH-Beschluss hervorgeht. 

Die Entscheidung ist ein „wichtiges Signal für die Informationsfreiheit“, erklärte die Initiative „Frag den Staat“. Die Aktivisten fordern jetzt eine Veränderung des Paragraphen 5 des Urheberrechtsgesetzes. Damit sollte klargestellt werden, dass Veröffentlichungen behördlicher Dokumente urheberrechtlich immer zulässig seien. 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Regierungswechsel ohne Pressefreiheit

Berichten in einem „feindseligen Umfeld“ ist Alltag für die Kolleg*innen in Venezuela, so „Reporter ohne Grenzen“. Das bestätigt auch die Journalistin Ronna Rísquez, die seit mehr als zwanzig Jahren für verschiedene Medien aus Caracas berichtet. Nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen vom 28. Juli 2024 habe sich die Situation weiter verschärft, so Rísquez. Sie hat auch deshalb Venezuela vor rund zehn Monaten verlassen – beobachtet genau und will zurück.
mehr »

Shorts sind keine Hosen

Ein Video-Clip zeigt, wie die Entsorgungsbetriebe einer großen Ruhrgebietsstadt Sperrmüll aufladen und entsorgen. Ein anderer befasst sich mit einem Fußballspiel des Regionalligisten Rot-Weiss-Essen. Und dann noch ein Clip, indem eine junge Redakteurin ihren Arbeitsalltag bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Funke Mediengruppe) in Bochum beschreibt.
mehr »

Das Netz hat ein SLOP-Problem

Künstliche Intelligenz verändert das Internet wie wir es kannten. KI dient als Beschleuniger von immer neuen Inhalten. Nicht immer entstehen auf diese Weise sinnvolle Inhalte. AI Slop, also digitaler Müll, flutet das Netz. Und KI geht nicht mehr weg. Denn KI-Modelle, finden sich inzwischen an allen möglichen und unmöglichen Stellen des privaten und beruflichen Lebens.
mehr »

Aktionstag für digitale Souveränität

Persönliche Daten sind eine Ware – und wir liefern sie freiwillig an große Technologiekonzerne. Doch was wäre, wenn es auch anders ginge? Eine neue Initiative ruft zum Digitalen Unabhängigkeitstag auf und wirbt für einen Ausstieg aus der digitalen Abhängigkeit.
mehr »