Mit Unverständnis, Trauer und auch Wut haben die Beschäftigten bei RTL Deutschland auf den konzernweiten Stellenabbau reagiert. „Wir und die Kollegen haben dies in zahlreichen Gesprächen und in aller Deutlichkeit ausgedrückt“, sagt Wolfram Kuhnigk, Betriebsratsvorsitzender bei RTL-News, gegenüber M.
Die betroffenen Kolleg*innen der RTL-News genauso wie ihre nicht betroffenen Kolleg*innen seien „fassungslos und geschockt“ gewesen, berichtet Kuhnigk. Der Privatsender mit Hauptsitz in Köln kündigte Anfang Januar an, künftig bis zu 600 Stellen zu streichen und begründet dies mit Sparplänen. Ein Drittel der Stellen sollen bei RTL-News eingespart werden.
Die linearen Werbeumsätze seit 2019 seien um mehr als 20 Prozent gesunken, deswegen will die Gruppe, die zum Imperium von Bertelsmann gehört, in Zukunft auch vermehrt auf ihr Streamingangebot RTL plus setzen, heißt es in einer Mitteilung. Das Unternehmen habe bereits massiv in den Ausbau des Streamingdienstes RTL plus investiert. Die Abonnentenzahl soll RTL-Angaben zufolge auf rund 6,6 Millionen angewachsen sein.
Einsparungen im Nachrichtenbereich
Der Betriebsrat sieht in den Sparplänen nicht nur verheerende Auswirkungen auf die journalistischen Arbeitsplätze bei dem Privatsender, sondern auch starke Einbußen an Meinungsvielfalt. Allein 230 Stellen werden im Nachrichtenbereich von RTL-News künftig wegfallen. Die bekannten Magazine Gala bei RTL und Prominent bei Vox sowie das Shortformat „#VOXStimme“ werden vom Bildschirm genommen und eingespart. Bei RTL und ntv soll es nur noch ein gemeinsames Morgenprogramm von Montag bis Freitag zwischen 6 und 9 Uhr geben. Die Sendungen „Punkt 6“, „Punkt 7“ und „Punkt 8“ gehen in diesem neuen Format auf.
Überdies sind seit Januar die bei vielen Zuschauern beliebten VIP- und People-Themen nunmehr unter der Marke „Exclusiv“ zusammengefasst. Die werden dann sieben Tage pro Woche bei RTL ausgestrahlt. Weitere Änderung in der Programmstruktur: In der Primetime soll sich RTL-News verstärkt auf investigative Formate wie „Team Wallraff“ und „stern investigativ“ sowie das Magazin „Extra“ konzentrieren.
Neue Newsrooms geplant
Zentrale, plattformübergreifende Newsrooms in Berlin und Köln für RTL-news sind geplant. Wie die Newsrooms konkret ausgestattet und besetzt werden, darüber herrscht noch Unklarheit. Zwar soll auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden, eine Garantie gibt es dafür aber nicht. So oder so ist es ein harter Schlag für viele langjährige Journalist*innen und Angestellte bei RTL. Aus Betriebsratskreisen heißt es, dass man vor einem Jahr niemals damit gerechnet habe, dass RTL Stellen streichen könnte. Jetzt ist es dazu aber gekommen.
Der Stellenabbau, so betont RTL in einer Mitteilung, erfolge in enger Abstimmung mit dem zuständigen Betriebsrat. Fast alle betroffenen Mitarbeitenden sollen mittlerweile darüber informiert worden sein, dass ihre Stellen wegfallen und welche Abfindungen aus dem Sozialpaket des Konzern ihnen angeboten werden.
RTL Deutschland
gehört mit derzeit noch rund 7500 Mitarbeitenden zur internationalen RTL Group, Europas größter kommerzieller Sendergruppe, die Teil des riesigen Bertelsmann-Konzerns ist.
Abfindungsprogramm für Beschäftigte
Schon im Dezember 2025 hieß es, als die Gerüchte über Stellenstreichungen sich verdichteten, dass es ein spezielles Abfindungsprogramm geben werde. Apropos Sozialplan: Laut Wolfram Kuhnigk ist ein Sozialplan – in Verbindung mit einem Anspracheverfahren – ausgehandelt worden, der „in der gesamten Branche einzigartig ist“. Der Stellenabbau soll die anderen Marken wie ntv, stern, GEO und Capital nicht direkt betreffen, berichtet die Deutsche Presseagentur.
In Abhängigkeit von der Dauer der Betriebszugehörigkeit sollen freiwillig ausscheidende Mitarbeitende einen Bonus von bis zu 50.000 Euro erhalten. Außerdem sei der Wechsel in eine aktive Transfergesellschaft für die Angestellten für bis zu einem Jahr möglich. „Für Beschäftigte über 55 Jahren wird es eine sogenannte Rentenbrücke geben“, berichtet der DJV und beklagt, dass das „alles aber nichts daran ändert, dass einmal gestrichene Redaktionsjobs die Medienstandorte massiv abwerten.“
Der Konzernbetriebsrat habe nicht die Möglichkeit solch eine Maßnahme des Arbeitgebers zu verhindern, sein Ziel sei es gewesen, betriebsbedingte Kündigungen möglichst zu vermeiden und „das ganze Procedere im Sinne der Arbeitnehmer*innen zu beeinflussen, damit es möglichst sozialkompatibel geschieht“.

