„Mecklenburg-Vorpommern steht schlecht da, Sachsen-Anhalt auch. Wir reagieren.“ So lautet der erste Satz des Editorials zur Ankündigung, ein „Magazin für Konservative und Rechte“ im Vorfeld der Landtagswahlen zu produzieren. Die etwas reißerische Vorschau kommt von KATAPULT, dem Greifswalder Wissenschaftsmagazin, das aus Statistiken und Studien allgemein verständliche Info-Grafiken baut und sich darüber hinaus im Medienkanon als kräftige Stimme für Demokratie und Toleranz profiliert hat.
Etliche der rund 1,7 Millionen Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt und der rund 1,3 Millionen in Mecklenburg-Vorpommern bekommen ein „Überraschungsgeschenk“ kurz vor ihren Wahlterminen: Ende Juli hatte KATAPULT-Herausgeber Benjamin Fredrich angekündigt, vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (am 6. September) und Mecklenburg-Vorpommern (am 20. September) ein „Magazin für alle“ zu produzieren und dies im großen Stil zu verteilen. Konservative und Rechte sollen ebenso angesprochen werden wie alle anderen Lesergruppen.
Die Idee der Redaktion ist klar: „Genderneutrale Sprache statt Gendern. Kein AfD-Fokus, sondern nüchterne Analyse aller Parteien und wer eigentlich von welcher Partei profitiert. Einfache Grafiken mit klaren Überschriften. Nicht nur über Wirtschaft und Politik, sondern auch mit den Themen, die die Menschen bewegen wie Kitas oder Feuerwehr oder Mobilität und mit Tierquiz und Witzkarte“, so Fredrich. Es soll nur wenige Übereinstimmungen der beiden Länderausgaben, zum Beispiel zur DDR-Geschichte, geben.
Verteilung startet Ende August
Jeweils zwei Wochen vor den jeweiligen Wahlterminen soll die Verteilung der rund 40seitigen Hefte in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern starten. Das Magazin für die Bundesländer, die die rechtsextreme AfD gern schon als „gewonnen“ betrachtet, soll aber über die Wahltermine hinaus wirken und möglichst alle mitnehmen. Schaffen will dies das KATAPULT-Team mit einer noch inklusiveren Ansprache der Leser*innen: „Es soll ein leichtes Heft sein, das die Gräben schließt – zwischen Landeiern und Stadthipstern – zwischen Handwerker-Knüppeln und Uni-Schnöseln – zwischen Abgehängten und denen, die Ideen für die Bekämpfung von Ungleichheit haben“, beschreibt der umtriebige Herausgeber den Ansatz.
Eine weitere Idee ist, den Leuten in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt etwas zu schenken: „Das Magazin wird Gutscheine auf der Rückseite haben, die sich Tim Ehlers schon in der Schulzeit gewünscht hat: kostenlose Erdbeeren, Big Mac geschenkt, KATAPULT-Kinderbuch umsonst oder Tankgutschein!“ Wer bessere Ideen hat oder selbst ein Geschenk anbieten möchte, kann der Redaktion eine E-Mail senden. Auch kleinere Unternehmen können sich beteiligen – es soll die Möglichkeit geben, einzelne Gutscheine in einige Hefte zu legen.
Eigenfinanzierte Auflage bereits verfünffacht
Rechnerisch scheint das Konzept zu greifen: 50.000 Euro investiert der Katapult-Verlag für die Herstellung von 50.000 Magazinen und hatte am 23. Juli gleichzeitig aufgerufen, für mehr Exemplare zu spenden – einen Euro für ein gedrucktes Magazin. Bereits am 30. Juli konnte Friedrich verkünden, dass dank der reichlichen Spenden rund 209.000 Demokratiemagazine gedruckt werden könnten, mittlerweile liegt die mögliche Auflage bei rund 250.000. Der Spenden-Slot bleibt offen: „Die finalen Auflagen werden wir erst am Drucktag wissen – das haben wir entsprechend vorbereitet“, sagt die Leiterin des Abo-Teams bei KATAPULT, Farina Brauckmann. Wie viele von welcher Ausgabe gedruckt werden, will der Verlag dann entscheiden, wenn die Verteilstrukturen stehen.
Helfer*innen für die Verteilung gesucht
Auch wenn sich bereits hunderte Helfer*innen gemeldet haben, werden weiterhin Menschen gesucht, die bei der Verteilung der Magazine mitmachen. Jede*r kann sich beim Verlag melden und bekommt dann alle weiteren Informationen: „Wir wollen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit diesem Magazin für alle fluten“, hatte Fredrich angekündigt. In den Städten dürfte das kein Problem sein, in den ländlichen Gebieten schon eher. Deshalb: „Je mehr Verteiler*innen wir haben, desto besser bekommen wir unser Magazin in die Fläche“, so Vertriebsexpertin Brauckmann. „In der letzten Augustwoche startet unsere Verteilungsphase – bis kurz vorher können wir noch Anmeldungen von Verteiler*innen berücksichtigen.“
Kämpferischer Optimismus als Triebfeder
„Vielleicht sind die Wahlen in Sachsen-Anhalt noch nicht komplett verloren. Vielleicht ist Mecklenburg-Vorpommern noch nicht komplett im Arsch. Wir haben keinen Bock mehr auf Spaltung! Wir kämpfen für die Menschen und um die Demokratie in unserer Heimat! Alles andere ist keine Option“, gibt sich die KATAPULT-Redaktion kämpferisch-optimistisch. Das scheinbar Unabwendbare doch noch abzuwenden, ist für sie nicht unrealistisch. Alles in allem ein mehr als anspruchsvolles Vorhaben – zumal Chefredakteur Patrick Hinz gerade den kleinen Verlag verlassen hat und Herausgeber Fredrich die Lücke füllen muss, bis ein*e Nachfolger*in gefunden ist. Fredrich hatte KATAPULT als Student 2015 in Greifswald gegründet.

