Charta zur Sicherung von Qualität im Journalismus

Auf ihrer Bundeskonferenz, die im März in Halle unter dem Motto: „Qualität, Kompetenz, Verantwortung“ stattfand, hat die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) die folgende „Charta zur Sicherung von Qualität im Journalismus“ verabschiedet.

Die dju setzt sich zum Ziel, Qualität im Journalismus in allen Medien einzufordern:

  • Journalismus und Medien nehmen eine öffentliche Aufgabe wahr, für die Art. 5 GG einen besonderen Schutz gewährleistet. Daher brauchen beide gesellschaftlich akzeptierte Leitbilder. Medienunternehmer und Journalistinnen und Journalisten sind aufgefordert, gemeinsam solche Leitbilder zu formulieren, Qualitäts-Standards, journalistische und ethische Grundsätze und Ziele gemeinsam zu definieren und innere Pressefreiheit und die Mitwirkung der Journalistinnen und Journalisten dabei zu sichern.
  • Journalismus orientiert sich an den „Publizistischen Grundsätzen“ des Deutschen Presserats
  • Journalismus steht und fällt mit solidem handwerklichen Wissen. Dazu ist eine verbindlich geregelte und stetige Aus- und Weiterbildung notwendig, sowohl innerhalb des Unternehmens als auch außerhalb (Journalisten-Schulen, Universitäten etc.). Sie muss sowohl festangestellte als auch freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbeziehen.
  • Journalismus braucht gute Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit. Neben einer zeitgemäßen Infrastruktur ist der umfassende Zugang zu allen Informationsquellen zu garantieren. Tarifverträge müssen verbessert, die zusätzliche Altersversorgung gesichert werden. Auch diese Standards tragen zur Unabhängigkeit der Journalistinnen und Journalisten bei.
  • Journalismus lebt von Unabhängigkeit. Der Kampf um den Markt und die Marktanteile darf weder die Grenzen von Information und Werbung verwischen noch durch Sponsoring oder Public Relations die journalistische Arbeit beeinträchtigen.
  • Journalismus braucht Anregung und Kritik von innen und außen. Alle Medienschaffenden und -Verantwortlichen sorgen für eine stetige journalistische Auseinandersetzung mit Medienunternehmen, Medienprodukten, Mediengesetzen und Entwicklungen. Auch das eigene Unternehmen muss dabei berücksichtigt werden.
  • Journalismus braucht eine permanente Qualitäts-Prüfung und Qualitäts-Sicherung. Dabei ist auch enger Kontakt mit der Medienwissenschaft und den Lesern, Hörerinnen, Sehern, Akteurinnen (Internet) zu halten.
  • Journalismus braucht tägliche konstruktive interne Kritik. Beiträge müssen wieder gegengelesen (von Kolleginnen und Kollegen, nicht vom Chef) werden, Ergebnisse, Echos auf Beiträge, Sendungen etc. gemeinsam analysiert, Fehler sofort freiwillig berichtigt werden.
  • Journalismus heißt Zeit haben zum Recherchieren. Jedes Medien-Unternehmen muss den Redakteur/innen und Journalist/innen intensive Recherchen ermöglichen und die zeitlichen Freiräume dafür schaffen.

In Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe leisten die Medien einen wesentlichen Beitrag zur demokratischen Auseinandersetzung, zur Entfaltung von Kultur und Bildung freier Meinung. Um diese hohen Güter stets zu gewährleisten, ist eine permanente Qualitätsdebatte zu führen und zu prüfen, ob die behaupteten Standards erfüllt werden. Die Landesbezirke sind angehalten, das Thema Qualitäts-Sicherung in ihrem Arbeitsprogramm zu verankern. Eine jährliche Bilanz soll helfen, Fortschritte und Hindernisse zu dokumentieren und der Qualitäts-Debatte den Stellenwert zu verschaffen, der ihr im Interesse einer freien und kritischen Bericht-Erstattung zukommt.

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