Unsere Zielgruppe sind Klugscheißer

re:publica 2024, Berlin

re:publica 2024, Berlin. Foto: ver.di

Auf der Digitalkonferenz re:publica sprachen die Macherinnen, Macher und Hosts der funk-Formate Beyond Gossip, HYPECULTURE und Fakecheck darüber, wie sie Infos unterhaltsam, zielgruppengerecht und transparent auf YouTube und TikTok aufbereiten. Zu der nach Veranstalterangaben größten Konferenz dieser Art in Europa werden in den kommenden Tagen mehr als 20.000 Besucher*innen erwartet.

Viele Zuschauer*innen waren am Mittag zum ZDF-Stand auf der re:publica gekommen, um Antworten auch die Frage zu finden, die wohl viele Medienschaffende umtreibt: Wie funktioniert Infotainment für die Gen Z? Gizem Celik, Eva Heiligensetzer, Hiua Aloji, Andrej Filatow, Robert Hecklau erklärten den Aufbau ihrer Formate. Behauptungen und News werden in sozialen Medien wie TikTok und YouTube selten hinterfragt. Sie landen massenweise in den Feeds der Gen Z. Dazu kursieren vermeintliche Life Hacks, Challanges oder Verschwörungserzählungen – oft ohne fundierte Überprüfung. Die jungen Formate wollen dagegen halten und gleichzeitig mit Sprache und Form die junge Zielgruppe ansprechen.

Zur Gen Z

werden ungefähr die Geburtenjahrgänge zwischen 1995 und 2010 gezählt. Es handelt sich also um jene Generation der unter 30 Jahre alten Menschen, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind.

Das gelingt ihnen offenbar. Doch wie schaffen es journalistische Formate, eine junge Zielgruppe zu ermutigen, ihre Timeline kritisch zu hinterfragen? Dazu betonten die Macherinnen immer wieder ihre Ernsthaftigkeit in der Recherche und das Vertrauen zu den Zuschauer*innen. Dabei solle es aber eben nicht „lame“ werden. Information und Unterhaltung müssten Hand in Hand gehen.

Sprache und Sehgewohnheiten der GenZ

Auf dem Panel der Funk-Macherinnen ging es entsprechen schnell und direkt zur Sache. Die junge Zielgruppe wolle unterhalten werden. Themen müssen sie direkt betreffen und in einer Sprache vorgetragen werden, die ihre ist. Viele ältere Semester möge das verstören, aber so funktioniere es nun einmal im social-Media Kosmos. Da war man sich auf dem Podium einig. Niemand wolle Information konsumieren, die nicht ansprechend aufbereitet seien. Für die Sehgewohnheiten der Gen Z bedeute das kompakt, mit schnellen Schnitten und in Punchlines gesprochen.

Foto: republica24
Foto: republica24

Doch auch innerhalb der Formate unterscheidet sich die Zielgruppe noch einmal. Eva Heiligensetzer vom funk-Format „Fakecheck“ bezeichnet ihre Zielgruppe als Klugscheißer. Es seine vor allem junge Männer, ergänzt sie. Mit ihrem Team überprüft sie digitale Erzählungen: Je wilder die Story, desto mehr Views. So zieht TikTok jede Menge Bullshit an. Wir checken Videos, die euch shady vorkommen“, beschreibt sich das Format.

Grimmepreis für HYPECULTURE

Mit mehr Streetcredibility kommt das Format HYPECULTURE daher. Ein Infotainmentformat, das den Zuschauer*innen Hintergrundinfos zu aktuellen Trends und Geschehnissen aus der HipHop-Kultur gibt. Für ihre Produktion „Straßenslang || Wie Rap Deutschland verändert“ bekamen sie in diesem einen Grimmepreis. Das Stück beleuchte, wie der deutsche Straßenslang durch Rap und Hip-Hop geprägt wurde. Es zeigt auch, dass Sprache lebt und sich durch Einflüsse aus verschiedenen Kulturen und sozialen Gruppen ständig weiterentwickelt.

Die Jury begründete ihre Entscheidung: „Visuell setzt HYPECULTURE neue Maßstäbe in der Darstellung komplexer Inhalte. Die dynamische Verbindung von Typografie, Animation und Musik zieht in ihren Bann.“

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Filmtipp: Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 

Schwarzweißbilder, höchst originell gestaltet und herausragend gut gespielt mit Luna Wedler und Karl Markovics - "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" erzählt die Tragödie eines verpfuschten Lebens. Im Debütfilm von Nicolas Steiner offenbart ein nihilistischer Trinker im Rahmen eines Sozialprogramms dank der Beharrlichkeit einer Germanistik-Studentin ein enormes literarisches Talent. Doch dann wird der Mann von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt.
mehr »

ÖRR als Public Open Space?

Der Reformstaatsvertrag eröffnet neue Wege für die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation, befindet Jan Christopher Kalbhenn in einer Kurzstudie, die er für die Friedrich-Ebert-Stiftung verfasst hat. Denn die demokratische Öffentlichkeit, so Kalbhenn, steht angesichts der Machtkonzentration bei digitalen Plattformen vor einer grundlegenden ordnungspolitischen Herausforderung.
mehr »

Mehr Regionalität bei WDR und NDR

WDR und NDR gehen neue Wege bei der der regionalen Berichterstattung. Beim WDR sollen demnach zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel "NRW" zusammengelegt werden - sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Der NDR startet ein neues Format für Jüngere bei YouTube.
mehr »

Für faire digitale Teilhabe

„Digitale und gesellschaftliche Teilhabe gehören zusammen!“ erklärt die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Gilda-Nancy Horvath auf der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik in München. Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten über die wachsende Bedeutung digitaler Medien und Künstlicher Intelligenz (KI) für die soziale Teilhabe in der demokratischen Gesellschaft.
mehr »