Es sind hochgesteckte Ziele, die vor einem Jahr die Regierungen in Deutschland und Frankreich bekannt gaben: die Weiterentwicklung von Arte zu einer europäischen Medienplattform in 24 Sprachen. Dafür ist vor allem zusätzliches Geld aus EU-Töpfen nötig. Doch hierzu stehen konkrete Beschlüsse weiter aus. Arte arbeitet währenddessen kontinuierlich am europäischen Ausbau – und sieht Fortschritte.
Ein wichtiger Pfeiler für Arte ist es, sein Partnernetzwerk stetig auszuweiten. Es besteht aus öffentlichen Rundfunkanstalten bzw. Filmfördereinrichtungen. Das zentrale Ziel ist, gemeinsame Koproduktionen zu realisieren. Mittlerweile habe man Assoziierungsabkommen mit 14 europäischen Partnern, erklärte die Arte-Pressestelle auf Nachfrage. Das sind zwei mehr als ein Jahr zuvor. Hinzugekommen sind die Rundfunkanstalten Suspilne Ukraine (Dezember 2025) und NPO aus den Niederlanden (Januar 2026).
Für Wolfgang Bergmann, Geschäftsführer von Arte Deutschland und Arte-Koordinator des ZDF, ist das Partnernetzwerk „die greifbarste Entwicklung der Europa-Strategie“. Dadurch seien Groß-Events möglich wie zum Beispiel das Musikereignis „Europiano: Die schönsten Klavierkonzerte aus Europa“. Dazu wurden am 21. Juni elf Konzerte nacheinander aus elf europäischen Städten live übertragen. Eine Ausnahme gab es: Das Konzert aus Kiew, das zum Abschluss gezeigt wurde, war aufgezeichnet worden – eine Herausforderung, die trotz der Kriegslage in Kooperation mit Suspilne gelungen sei, wie Bergmann hervorhebt.
Artes eigene Streaming-Plattform
Arte verweist außerdem darauf, dass seine Streaming-Plattform (arte.tv) und seine Social-Media-Kanäle inzwischen in sieben Sprachen angeboten würden. Dazu gehörten neben Deutsch und Französisch noch Englisch, Spanisch, Polnisch, Italienisch – und seit kurzem auch Rumänisch. Einzelne Formate seien bereits in bis zu zehn Sprachen abrufbar. Dieser Ausbau sei auch durch EU-Fördergelder möglich, unter anderem für Sprachfassungen, Distribution, Marketing und Kommunikation. Gelder der EU würden nicht für die inhaltliche und redaktionelle Herstellung von Programmen eingesetzt.
Mittlerweile entfällt laut Arte mehr als ein Viertel der Videoabrufe auf Nutzer*innen außerhalb von Deutschland und Frankreich. Es gebe eine steigende Nutzung über die ursprünglichen Kernmärkte hinaus. Das zeigt für Arte, „dass für europäische Inhalte ein Publikum vorhanden ist“.
Für den Sender bedeutet dabei ein europäisches Angebot weit mehr als reine Übersetzung: Entscheidend sei es beispielsweise, Inhalte an lokale kulturelle Kontexte und Nutzungsgewohnheiten anzupassen, „um das Interesse der Menschen in Europa zu wecken“. Deshalb arbeite Arte „mit muttersprachlichen Teams, die Inhalte gezielt für die jeweiligen Zielgruppen auswählen, aufbereiten und verbreiten“.
Es gehe auch darum, neue europäische Formate zu entwickeln und bestehende zu ‘europäisieren’, erklärt der Sender. Als ein Beispiel dafür sieht Arte die jüngst gestarteten Formate „Karambolage España“ und „Karambolage Polska“ – beides Ableger des Kurz-Magazins „Karambolage“, in dem es seit 2004 humorvoll um deutsche und französische Eigenarten geht.
Europäisierung des Senders
Um den Weg der Europäisierung weiterzugehen und die Präsenz von Arte in Europa auszubauen, wird aber zusätzliches Geld benötigt. Ziel des Senders ist weiterhin, künftig aus Brüssel „höhere und nachhaltigere europäische Fördermittel“ zu erhalten. So ist man bei Arte davon überzeugt, dass angesichts der aktuellen Herausforderungen in Europa grenzüberschreitende Medienangebote mehrere Nutzen haben: „einen wichtigen Beitrag für Demokratie, gegenseitiges Verständnis, kulturelle Vielfalt und auch die Resilienz der europäischen Informationsräume“.
Noch ist der nächste Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) der EU für den Zeitraum 2028 bis 2034 noch nicht vereinbart. Über das Gesamtbudget müssen sich Kommission, Parlament und die Mitgliedsstaaten (über den Europäischen Rat) noch einigen. Somit ist auch noch unklar, wie viel Geld Arte für die weitere Europäisierung erwarten könnte.
Vorgesehen ist, dass im neuen MFR das Programm „Agora-EU“ verankert wird, mit dem Kultur, Medien und demokratische Werte gefördert werden sollen. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen für „Agora-EU“ insgesamt 8,6 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Das EU-Parlament plädiert für 10,7 Milliarden Euro und damit für rund 25 Prozent mehr. Wie hoch das Budget am Ende ausfällt, bleibt abzuwarten.
Der Rat der Europäischen Union für Bildung, Jugend, Sport und Kultur hat im Mai seine Position dargelegt, welche Art von Projekten über „Agora-EU“ gefördert werden sollen. Dazu sollen auch digitale Technologien im Kultur- und Kreativsektor gehören, „einschließlich der Entwicklung von audiovisuellen Plattformen und Medienplattformen“, wie der Rat mitteilte. In den weiteren Verhandlungen zwischen Rat, Kommission und Parlament muss die genaue inhaltliche Konzeption von „Agora-EU“ noch beschlossen werden.
Der deutsche Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hob im Mai hervor, dass es ausdrücklich auch um den Aufbau europäischer Medienplattformen gehe: „Unser Ziel ist eine selbstbewusste Kultur- und Medienpolitik, die Europas Souveränität stärkt.“ Mit Agora-EU könnten künftig breit angelegte pan-europäische Projekte entwickelt werden, „die unser kulturelles Selbstverständnis widerspiegeln und ein Gegengewicht zur monopolartigen Dominanz großer Online-Plattformen bilden“, sagte Weimer.

