dju kritisiert Verfahrenseinstellung

Dokumentierte Angriffe auf Journalist*innen in Schnellroda im Januar 2026. Bild: Recherche Nord/taz

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Verfahrenseinstellung durch die Staatsanwaltschaft Halle im Zusammenhang mit Angriffen auf Journalist*innen und Begleitschützer. Der Vorfall ereignete sich am Rande der sogenannten Winterakademie des Rechtsextremisten Götz Kubitschek in Schnellroda (Sachsen-Anhalt).

Betroffene hatten Anzeige erstattet, nachdem sie bei der Berichterstattung über die Veranstaltung körperlich bedrängt und bei kalten Temperaturen mit Wasser bespritzt und an ihrer Arbeit gehindert worden waren.

An den Angriffen beteiligt waren Angehörige der AfD-Jugendorganisation, Akteure der „Identitären Bewegung“ sowie Mitglieder der rechtsextremen Schweizer Gruppierung „Junge Tat“. „Was in Schnellroda passiert ist, war kein beliebiger Konflikt. Dort wurden Menschen angegriffen, die im öffentlichen Interesse und auf der Grundlage von Artikel 5 des Grundgesetzes arbeiten“, erklärt dazu Danica Bensmail, dju-Bundesgeschäftsführerin.

„Dass die Einstellungsbegründung die betroffene Person nicht im Kontext von Pressefreiheit verordnet, zeigt, wie wenig die verfassungsrechtliche Dimension dieses Falls in der Strafverfolgung angekommen ist“, so Bensmail weiter. Wer Journalist*innen bei ihrer Arbeit angreife, einschüchtere und behindere, greife immer auch das verfassungsmäßig verbriefte Recht der Öffentlichkeit auf unabhängige Berichterstattung an. Diese Tragweite bleibe in der Entscheidung der Staatsanwaltschaft unsichtbar, betont die Gewerkschafterin.

Koordinierter Angriff auf die Pressefreiheit

Moritz Matton, der zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretär für Sachsen-Anhalt teilt Bensmails Einschätzung: „Was die Staatsanwaltschaft untersuchen sollte, ist nicht, ob Nasspritzen eine Körperverletzung ist, sondern inwiefern hier ein gezielter, koordinierter Angriff auf Medienschaffende zur Unterdrückung der Berichterstattung vorliegt. Das ist hier eindeutig der Fall. Dass die Staatsanwaltschaft das nicht sieht, kritisieren wir scharf.“ Die Einstellung sendet zudem ein fatales Signal: Täter können sich bestätigt fühlen, dass Angriffe auf Medienschaffende folgenlos bleiben. Journalist*innen hingegen müssen sich fragen, ob das Recht auf Pressefreiheit sie im Ernstfall wirklich schützt.

Bensmail warnt vor der Langzeitwirkung solcher Entscheidungen: „Je öfter Angriffe auf Medienschaffende folgenlos bleiben, desto mehr erodiert die Pressefreiheit – und mit ihr die Medienvielfalt als Fundament unserer Demokratie.“ Die dju in ver.di fordert, dass Angriffe auf Medienschaffende bei der Ausübung ihrer Arbeit konsequent als Angriffe auf die Pressefreiheit eingeordnet und konsequent verfolgt werden. Staatsanwaltschaften müssen für die besondere verfassungsrechtliche Dimension solcher Fälle sensibilisiert werden.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

„Desinformation gefährdet Leben“

Politische Kommunikation studierte Johannes Hillje an der London School of Economics, Politikwissenschaften an der Universität Mainz. Er arbeitet als Politik- und Kommunikationsberater und ist Autor. In seinem Buch „Mehr Emotionen wagen“ beschreibt er, wie Gefühle die politische Landschaft beeinflussen. Wir sprachen mit ihm über emotionale Wahlkämpfe, journalistische Strategien und den Umgang mit Antidemokraten.
mehr »

Leben ohne Thüringer Lokalzeitung 

Ostthüringen ist im Jahr 2023 von der Funke-Mediengruppe zur „Modellregion für die Digitalisierung des ländlichen Raums“ erklärt worden. Der Verlag stellte die Zustellung der Printausgabe der Ostthüringer Zeitung in elf Gemeinden rund um Greiz ein. Thomas Schnedler und Malte Werner vom Netzwerk Recherche haben die Folgen untersucht. Die Ergebnisse finden sich im Abschlussbericht „Lückenfüller –Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“.
mehr »

Katapult MV: Die Stimme für den Norden

Die kleine Redaktion von Katapult MV stellt im Flächenland mit 1,57 Millionen Einwohner*innen mit einer monatlichen Zeitung und aktuellen Online-Beiträgen ein Gegengewicht in der Berichterstattung dar. Wir sprachen mit Chefredakteur Patrick Hinz über Lokaljournalismus, die anstehenden Landtagswahlen und den journalistischen Umgang mit der AfD.
mehr »

Berichten wo es ungemütlich ist

In autoritär regierten Staaten geraten auch ausländische Medienschaffende zunehmend unter Druck: Einreiseverbote, die Verweigerung von Visa und andere Repressionen erschweren die Arbeit von Korrespondent*innen. In vielen Fällen bleibt ihnen nur noch die Berichterstattung aus dem Ausland ohne direkten Zugang zum Land selbst.
mehr »