„Ein tiefer Graben“ trenne Fotograf*innen und Bildagenturen von denjenigen, die ihre Bilder veröffentlichen, resümiert Professor Lars Bauernschmitt in seiner Auswertung der diesjährigen Umfrage zum deutschen Bildermarkt. Während Fotograf*innen und Agenturen es überwiegend ablehnen, KI-generiertes Bildmaterial herzustellen, sieht das auf der Auftraggeberseite ganz anders aus.
Die Umfrage „Image Market – Business Trends“ ist beim Studiengang „Visual Journalism and Documentary Photography“ der Hochschule Hannover bereits zum achten Mal unter Bauernschmitts Leitung ausgeführt worden. Auch die dju in ver.di hatte ihre Mitglieder gebeten, an der Online-Umfrage im Januar und Februar 2026 teilzunehmen. Die Auswertung konnte mit 534 online ausgefüllten Fragebögen arbeiten, wobei 281 von Fotograf*innen, 21 von Bildagenturen und 232 von Personen aus Bildredaktionen von Print- und Onlinemedien sowie PR- und Werbeagenturen stammten. Auch bei den Fotograf*innen ist zu unterscheiden in journalistisch Arbeitende, Zuliefernde für den Werbesektor und „handwerkliche“ Fotografen bei Hochzeiten, Events etc.
KI-Nachfrage steigt
Um sich eine Vorstellung vom Bildermarkt der Agenturen hierzulande zu machen, fasst Bauernschmitt die Situation unter der Überschrift „Ein Global Player und der Rest“ zusammen. Der Global Player ist Adobe mit einem Angebot an fast 900.000 Bildangeboten. Die im Bundesverband professioneller Bildanbieter (BVPA) versammelten hiesigen Agenturen kommen, soweit sie ihre Bildmenge angegeben haben – nicht alle Fragen mussten zwingend beantwortet werden –, gerade mal auf rund 131.000 Bilder. Insgesamt sind ohne Gratisbildagenturen in Deutschland rund 2,6 Millionen Illustrationen im Angebot.

Während nur wenige Bildagenturen und Fotograf*innen hierzulande selbst Bilder mit Hilfe künstlicher Intelligenz produzieren, stieg die Nachfrage danach auf Auftraggeberseite: Bei journalistischen Medien ist die Nachfrage von 46,2 Prozent im Jahr 2025 auf 56,6 Prozent, bei PR und Werbung sogar auf 62 Prozent. Die Folge ist, dass weniger neue Aufträge vergeben und auch weniger Archivanfragen an Agenturen und Fotograf*innen gestellt werden.
KI zu Lasten von Bildanbietern
Als Grund für den begünstigten Einsatz von KI zu Lasten von Bildanbietern wird von den Bildkäufern an erster Stelle mit rund 70 Prozent behauptet, „Visuelle Konzepte kreativ darstellen“ zu wollen, aber bereits an zweiter Stelle folgt mit fast 60 Prozent die klare Begründung „um Kosten zu sparen“. Immerhin ist die Zahl der Auftraggeber, die Guidelines für den Umgang mit KI-generierten Bildern haben, von fast 39 Prozent im vergangenen Jahr auf 55,7 Prozent in 2026 angestiegen.
Den Auftragsverlust beziffern Fotograf*innen, die für Tageszeitungen, Zeitschriften, Fachzeitschriften und Digitale Medien arbeiten, deutlich geringer (zwischen 13 und 33 Prozent) als jene, die in PR und Werbung tätig sind (43 bis 54 Prozent). Deutlich wird nach dieser Umfrage, bei der die teilnehmenden Männer im Durchschnitt 57 Jahre alt waren, die Frauen 52 Jahre, dass sich die Honorar-Umsätze im Laufe des Berufslebens nicht wesentlich steigern. Der Durchschnitt lag bei den bis 50Jährigen bei rund 35.000Euro, bei den Älteren bei 36.00 Euro. Bauernschmitt nimmt als möglichen Grund an, dass die Käufer mit festen Pauschalen arbeiten, die sie nicht groß verändern. Bei der Forderung nach höheren Honoraren stünden auch oft die jüngeren Kollege*innen im Weg, die nach ihrer Chance zum Brancheneinstieg suchten.
Gender Pay Gap im Fotobereich
Dabei gibt es auch hier den Gender Gap: Fotografen kommen auf rund 10.000 Euro mehr als die Kolleginnen. Fotografinnen scheinen aber auf das Prinzip Hoffnung zu setzen: Quer durch alle fotografischen Bereiche sahen Frauen ihre Perspektive mit 44 Prozent deutlich positiver als die Männer (33 Prozent) und im journalistischen Bereich sind die Unterschiede noch wesentlich ausgeprägter: Fotografinnen verzeichnen zu fast 63 Prozent eine positive Entwicklung, Fotografen nur zu einem Drittel.
In einem sind übrigens Fotograf*innen und Bildagenturen einig: Sie alle lehnen es mit deutlich über 90 Prozent ab, ihr Material für das Training von Künstlicher Intelligenz zur Verfügung zu stellen.

