ECPMF: Druck auf Journalist*innen

Pressefreiheit ist ein Grundrecht weltweit! Demonstration von Unterstützern des Internetportals Netzpolitik.org 2015 in Berlin gegen die staatsanwaltlichen Ermittlungen. Archivfoto: Britta Pedersen/dpa/Bildfunk

Anfeindungen gegenüber Journalist*innen nehmen zu, ebenso wachsen ökonomischer Druck und generell strukturelle Herausforderungen im Beruf. Wie genau sich die Belastung auswirkt, hat das European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) in Leipzig zusammen mit dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld im Rahmen einer aktuellen Studie mit dem Titel „Strapazierter Journalismus“ erhoben.

Für den Bericht, der am 26. März 2026 veröffentlicht wurde, wurden insgesamt 383 Journalist*innen zwischen November 2025 und Februar 2026 im Rahmen einer Online-Studie befragt. Inhaltlich lagen die Schwerpunkte auf den Themenblöcken „erlebte Anfeindungen“ und deren Auswirkungen sowie auf der Wahrnehmung aktueller Arbeitsbedingungen.

Fast 80 Prozent Anfeindungen von rechts

Die Mehrheit der Befragten hat demnach in den letzten 12 Monaten mindestens einmal persönlich Anfeindungen erlebt (65,4 Prozent). 53,4 Prozent wurden mehrfach und wiederkehrend angefeindet. Am häufigsten werden Anfeindungen über digitale Kanäle (soziale Medien, E-Mail) verbreitet, aber viele Befragte erleben sie auch von Angesicht zu Angesicht. Anfeindungen zielen in den Augen der befragten Journalist*innen vor allem allgemein auf „die Medien“, gefolgt von den journalistischen Inhalten und den Gruppen/Personen, über die berichtet wird.

73,3 Prozent der betroffenen Journalist*innen nehmen die von ihnen erlebten Anfeindungen als ideologisch motiviert wahr. 78,6 Prozent der Betroffenen geben an, Anfeindungen häufig oder sehr häufig einem politisch rechten Hintergrund zuzuordnen. 10,6 Prozent ordnen Anfeindungen häufig oder sehr häufig einem linken Hintergrund zu, 7,7 Prozent geben eine religiöse Motivation an.

Hohe Belastung, selten Maßnahmen, Solidarität im Team

Die Auswirkungen von Anfeindungen betreffen laut der Befragten sowohl die persönliche als auch die redaktionelle Ebene. 33 Prozent der Befragten geben an, dass Anfeindungen sie eher oder voll und ganz persönlich belasten, 37,2 Prozent lehnen dies eher oder vollständig ab. 20,5 Prozent sind der Meinung, dass ihre Haltung zum Publikum sich aufgrund von Anfeindungen eher oder voll und ganz verschlechtert habe. 15,4 Prozent geben an, aus Sorge vor Anfeindungen bestimmte Themen bereits mindestens einmal nicht in Erwägung gezogen zu haben.

25,6 Prozent stimmen eher oder voll und ganz zu, dass die Stimmung im Team angespannter geworden sei. Lediglich eine Minderheit von 23,9 Prozent der Befragten gibt an, dass Strukturen und Maßnahmen in ihrem Arbeitsumfeld eingeführt wurden, um mit Anfeindungen umzugehen. Zugleich berichten 36,3 Prozent, dass Anfeindungen die Solidarität im Team eher oder voll gestärkt hätten.

Unsichere Beschäftigung, Berufsausstieg als Ausweg

Die Arbeitsbedingungen im Journalismus werden von der überwiegenden Mehrheit als zunehmend belastend eingeschätzt. 82,4 Prozent sind eher oder voll und ganz der Meinung, dass ihre Arbeit verdichteter geworden sei, bei gleichbleibenden oder geringeren personellen Ressourcen.

56,6 Prozent geben an, dass die Beschäftigungssicherheit eher oder voll und ganz abgenommen habe. Über Dreiviertel (77,7 Prozent) sind zudem eher oder voll und ganz der Meinung, dass die Anforderungen an journalistische Arbeit sich durch das veränderte politische Klima und öffentliche Debatten erhöht hätten. 39 Prozent der Befragten geben an, bereits einmal über einen Berufsausstieg nachgedacht zu haben, wobei Journalistinnen dies signifikant häufiger berichten als Journalisten. 37,5 Prozent stimmen eher oder voll und ganz zu, Themen nicht aus Angst vor Anfeindungen, sondern generell aufgrund gestiegener Arbeitsbelastung vermieden zu haben.

Pressefreiheit in Gefahr

60,3 Prozent sehen die Pressefreiheit in Deutschland eher oder voll und ganz in Gefahr. Für 79,5 Prozent der Befragten gehen erlebte Anfeindungen im Vergleich zu strukturellen Veränderungen entweder überhaupt nicht oder nur in geringerem Maße mit beruflichen Einschränkungen einher.

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