Filmtipp: Code der Angst

Eric Lembembe: Coder der Angst. Foto: Drop-Out Cinema

Der Filmemacher Appolain Siewe spürt in seinem Film „Code der Angst“ der Ermordung des kamerunischen Journalisten Eric Lembembe nach. 2013 wird der junge Journalist und LGBTI*-Aktivist Lembembe in Kamerun ermordet. Dieses und weitere Verbrechen gegen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, lassen Appolain Siewe keine Ruhe. Der Filmemacher ist in Kamerun geboren und aufgewachsen und lebt heute in Berlin.

„Ich habe damals bei der Familie angerufen und gefragt: Was ist da bei euch los? Wer begeht diese Verbrechen und warum?“, sagt er. Er fühlt sich zudem persönlich angegriffen, wollte er doch ursprünglich ebenfalls eine journalistische Laufbahn einschlagen.

Siewe recherchiert zwei Jahre, bis es zum Drehtermin kommt. Doch die Familie Lembembes zieht Zusagen zurück, möchte keine Aufmerksamkeit mehr für den Fall. Einmal vor Ort, dreht Siewe einen anderen Film: über die Ursprünge antischwuler Gewalt in afrikanischen Ländern, wo Homosexualität wie in Kamerun verboten ist. Fündig wird er in der Geschichte des Landes, wo Engländer, Franzosen und auch Deutsche Kolonien begründeten. Der Hass auf alles Gleichgeschlechtliche stammt auch aus dieser Zeit, erzählen ihm Kulturwissenschaftler, christliche Missionare hätten hier entscheidend Einfluss genommen. Siewe: „Homosexualität ist afrikanisch. Homophobie ist kolonialistisch.“

Mit der Menschenrechtsanwältin Alice Nkom spricht der Regisseur über die rechtliche Situation, wie Juristen das fragile Leben der LBGT*-Aktivisten schützen und sie vor Strafverfolgung bewahren können. Nkom nennt aktuelle Fälle von Menschen, die während der bis zu fünf Jahre dauernden Haft aufgrund von Folter sterben. Die Lage der LGBTI-Community in ihrem Land sei von „Apartheid“ gekennzeichnet, so die Anwältin. Auch sie selbst berichtet von zunehmenden Repressionen.

Nicht nur deshalb wird Siewe ihr sein nächstes Filmprojekt widmen. Er will mit seiner Arbeit über die rasende Gewalt aufklären. Verbrechen wie jenes an Lembembe sollen der Vergangenheit angehören.

„Code der Angst“ ist sehr gut geschnittene und komponierte Information über die Lage der Homosexuellen in seinem Heimatland; der gerade mal 84 Minuten lange Film ein sehenswertes, gesellschaftskritisches Kaleidoskop.


„Code der Angst“ D 2023. Regie: Appolain Siewe. Kinostart: 5. Juni 2025

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Big Tech verändert TV und Streaming

Bei den Video-Streaming-Plattformen verteidigte YouTube im Jahr 2025 erfolgreich seine Führungsposition und erreicht 72 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Die öffentlich-rechtlichen Streaming-Netzwerke von ARD, ZDF, Arte und 3sat kommen auf über 60 Prozent, dicht gefolgt von Netflix und Amazon Prime Video. Doch auch die Sender des ÖRR nutzen YouTube als Ausspielweg ihrer Inhalte. 
mehr »

Smartphones endlich sicherer machen

Als Journalist*innen sind wir verpflichtet, unsere Quellen zu schützen. Wir treffen sie an vertraulichen Orten, anonymisieren Namen, schreddern Unterlagen. Aber was ist mit unseren Smartphones? Während niemand die eigene Haus- oder Bürotür über Nacht offenstehen lassen würde, öffnen wir digital oft ungewollt Tür und Tor zu den sensibelsten Bereichen: Acht Tipps für Datensicherheit bei Smartphones
mehr »

Trauer um Franz Kotteder

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di trauert um Franz Kotteder. „Kotti" oder „der Franz", wie ihn Freunde und Kollegen wahlweise nannten, starb am 30. Dezember nach schwerer Krankheit viel zu früh im Alter von 62 Jahren. Seine Kolleginnen und Kollegen in der dju und im Süddeutschen Verlag verlieren mit Franz einen ebenso engagierten wie geistreichen, humorvollen und liebenswürdigen Streiter für Pressefreiheit, Qualitätsjournalismus und vor allem für die Interessen von Journalistinnen und Journalisten sowie aller Beschäftigten in der Zeitungsbranche.
mehr »

Guatemala: Eine ernüchternde Bilanz

Knapp zwei Jahre ist Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo im Amt und erklärtes Ziel seiner Regierung ist es einen Schutzmechanismus für Journalist*innen einzuführen. Doch das innovative Projekt kommt nicht vom Fleck, moniert die Medienanalystin Silvia Trujillo gemeinsam mit zahlreichen bekannten Berichterstatter*innen. Dafür machen sie nicht nur den omnipräsenten „Pakt der Korrupten“ verantwortlich, sondern auch das Zögern der Regierung. Die verharre im Stand-By.
mehr »