Trauer um Franz Kotteder

Franz Kotteder von der "Süddeutschen Zeitung" Foto: Kay Herschelmann

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di trauert um Franz Kotteder. „Kotti“ oder „der Franz“, wie ihn Freunde und Kollegen wahlweise nannten, starb am 30. Dezember nach schwerer Krankheit viel zu früh im Alter von 62 Jahren. Seine Kolleginnen und Kollegen in der dju und im Süddeutschen Verlag verlieren mit Franz einen ebenso engagierten wie geistreichen, humorvollen und liebenswürdigen Streiter für Pressefreiheit, Qualitätsjournalismus und vor allem für die Interessen von Journalistinnen und Journalisten sowie aller Beschäftigten in der Zeitungsbranche.

Zuletzt setzte sich Franz trotz seiner bereits fortgeschrittenen Erkrankung als Mitglied der dju-Verhandlungskommission in der Tarifrunde für die Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen vehement für angemessene und faire Gehälter und Honorare ein. Mit seiner entschiedenen Hartnäckigkeit hat er sie maßgeblich geprägt. Das gute Ergebnis, das die Gewerkschaften dabei für Festangestellte und Freie erzielt haben, wäre ohne das unermüdliche Engagement von Franz bei der Süddeutschen Zeitung – er hatte einen vorbildlichen Anteil daran, dass sie zur Streikhochburg wurde – und in den Verhandlungen mit den Verlagsvertretern kaum möglich gewesen.

Auch als er körperlich schon geschwächt war, wollte er sich mit der von den Verlegern seit Jahren betriebenen Abwertung des Journalist*innenberufs nicht abfinden. Mit leiser, dafür aber umso energischerer Stimme vertrat er in den langwierigen Tarifverhandlungen die Interessen seiner Kolleg*innen, auch wenn er oft nur noch per Videoschalte teilnehmen konnte.

Besonders stolz war Franz, wie er Freunden schilderte, dass es ihm in der zurückliegenden Tarifrunde gelungen ist, bei der Süddeutschen Zeitung „junge, mitteljunge und ganz junge Kolleginnen und Kollegen“ für gewerkschaftliches Engagement zu gewinnen, ihnen zu zeigen, wie wichtig es ist, eine Haltung zu haben und gemeinschaftlich für seine Interessen einzustehen. Auch wenn er an vielen Treffen nur noch digital teilnehmen konnte, hatte Franz entscheidenden Anteil daran, dass die Streikenden so viel Druck aufbauen und so viel Wirkung erzielen konnten, wie noch nie. Stolz und glücklich war der Kotteder Franz, wie er sich selbst seinen Gesprächspartnern vorstellte, über diesen Erfolg. Dass er jungen Kolleginnen und Kollegen die Bedeutung gewerkschaftlicher Solidarität vermitteln konnte, ist eines der Vermächtnisse von Franz Kotteder.

Franz Kotteder, der 1989 Mitglied unserer Gewerkschaft wurde, war bei der Süddeutschen Zeitung und im Süddeutschen Verlag als Sprecher unserer Betriebsgruppe das Gesicht von ver.di und der dju. Darüber hinaus engagierte er sich unter anderem im Landes- und Bundesvorstand der Fachgruppe Medien, Journalismus und Film und bis zuletzt als Vorsitzender der dju Bayern im Bundesvorstand der dju. Als Mitglied der dju-Tarifkommission hatte er großen Anteil an der tarifpolitischen Positionierung seiner Gewerkschaft.

In Erinnerung bleibt Franz auch als Betriebsrat, zuletzt als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Auch in dieser Funktion zeigte er Haltung, suchte zur Not auch die Auseinandersetzung, wenn es darum ging, gegen Ungerechtigkeiten anzugehen – auch wenn es absehbar unbequem wurde.

Bei all dem war Franz kein Ideologe. Er war sich bewusst, dass er als Gewerkschaftsfunktionär und Betriebsrat eine Rolle bekleidet und er erkannte an, dass dies auch für Verlagsmanager gilt und begegnete ihnen – zumindest den meisten – deshalb mit Respekt.

Franz Kotteders Tod hinterlässt in unserer Gewerkschaft und bei allen Kolleginnen und Kollegen, die haupt- und ehrenamtlich mit ihm für gute Arbeit kämpften, eine große Lücke. Wir werden Franz nicht vergessen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden.

Der Kotti war, wie man in seiner Münchner Heimat sagt, „a Guader“ – ein feiner Mensch.

 

 

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