Anti-SLAPP-Entwurf bleibt zahnlos

leuchtendes Paragrafzeichen

Viele Einschüchterungsklagen (SLAPPs) werden nicht als solche erkennbar sein, fürchtet die dju in ver.di. Foto: 123rf

Der Bundestag debattiert heute erstmals über den Entwurf für ein Gesetz gegen Einschüchterungsklagen (Anti-SLAPP-Gesetz). Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union fordert die Koalitionsfraktionen auf, das Gesetz in vier zentralen Punkten nachzubessern, um Medienschaffende und andere häufig von SLAPPs Betroffene endlich wirksam vor missbräuchlichen juristischen Maßnahmen zu schützen.

„SLAPPs“ (strategic lawsuits against public participation) bezeichnen die Versuche von finanzstarken Akteuren, unliebsame Stimmen wie die kritischer Journalist*innen mit missbräuchlichen Klagen, Abmahnungen und Unterlassungsforderungen aus der Öffentlichkeit zu drängen.

Lars Hansen, Co-Bundesvorsitzender der dju, kommentiert: „Dieser Gesetzentwurf wird keinen einzigen SLAPP in Deutschland verhindern. Jetzt sind die Koalitionsfraktionen in der Pflicht: Formen Sie das Anti-SLAPP-Gesetz zu einem Instrument, das unsere demokratische Öffentlichkeit tatsächlich stärkt!“

Sanktionsmöglichkeiten gefordert

Hierzu müsse das Gesetz laut dem Gewerkschafter auch auf Fälle, in denen Kläger und Beklagte in Deutschland agieren, anwendbar sein – die häufigste Konstellation – statt wie aktuell vorgesehen nur in internationalen Fällen zu greifen. Zudem brauche es Sanktionsmöglichkeiten mit Abschreckungspotenzial statt einer nur geringen Gerichtsgebühr. Beratungsangebote für SLAPP-Betroffene seien öffentlich zu fördern. Schließlich müsse der Gesetzgeber SLAPPs in Form von unberechtigten Unterlassungsforderungen, Abmahnungen und weiteren Mitteln im vorgerichtlichen Bereich adressieren.

Hansen: „Wer Abmahnungen oder Klagen einsetzt, um unliebsame Stimmen einzuschüchtern und ihre Ressourcen zu binden, missbraucht unser Rechtssystem. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung verfehlt dieses Problem, das journalistische Arbeit in Deutschland massiv einschränkt. Damit sich Journalist*innen nicht mehr mit SLAPPs herumschlagen brauchen, muss die Koalition im parlamentarischen Verfahren erheblich nachsteuern.“


Die dju in ver.di hat 2025  gemeinsam mit Otto Brenner Stiftung, Gesellschaft für Freiheitsrechte und Umweltinstitut München die Studie „Einschüchterung ist das Ziel“ herausgebracht, die das Phänomen von SLAPPs in Deutschland umfangreich beleuchtet: Strategische Klagen (SLAPPs) in Deutschland


Die Stellungnahme der No-SLAPP-Anlaufstelle, deren Kooperationspartnerin die dju in ver.di ist, findet sich HIER.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Möglicher Foto-Fake der Wrights

Fake News scheinen ein Phänomen unserer Zeit. Doch glaubt man John Brown, dann hielt sich eine Fälschung sage und schreibe 118 Jahre lang. An der Hochschule München präsentierte der diplomierte Fotograf, Flughistoriker und Pilot im Januar ein schier unglaubliches Foto.
mehr »

Schutz vor Deepfake bei Youtube

Creator, Politiker und Journalisten bekommen bei Youtube ein Tool zur Seite gestellt, um Deepfakes von sich zu finden und zu melden. Es heißt "Likeness detection" und funktioniere ähnlich wie Content-ID, berichtet Eva-Maria Weiß im Newsletter "KI-Update" des Heise-Portals.
mehr »

Polizei schützt rechte Streamer

Das Töchterkollektiv, das am 9. März den Frauenstreik mit organisierte, sah sich während einer Kundgebung in Berlin von rechten Streamern gestört und bedroht. Die berufen sich auf die Pressefreiheit und werden von der Polizei nicht am Filmen gehindert. Kein Einzelfall, wie es scheint.
mehr »

Kann TikTok Lokaljournalismus?

Sonja Peteranderl hat für journalist.de unter anderem mit der Journalistin und Medienberaterin Pauline Tillmann darüber gesprochen, wie TikTok helfen kann, Lokaljournalismus zu stärken. „Medien können es sich heutzutage nicht leisten, nicht auf TikTok präsent zu sein”, sagt Tillmann. Zahlreiche Beispiele zeigen: Das Format wird (immer noch) unterschätzt.
mehr »