Journalistenföderation wählt neue Präsidentin

Zuliana Lainez Otero ist neue Präsidentin der Internationalen Journalistenföderation (IFJ). Die 48-jährige Politikjournalistin aus Peru ist in der 100-jährigen Geschichte der IFJ erst die dritte weibliche, erst die zweite Person aus dem globalen Süden und die erste aus Lateinamerika, die dieses Amt bekleidet. Sie übernimmt es von der Französin Dominique Pradalie.

Zuliana Lainez

ist politische Kommentatorin des peruanischen Online-Magazins Crónica Viva und des Gewerkschaftsradios ANP. Sie trat mit dem Abschluss ihres Journalismusstudiums in Lima als 20-jährige in die peruanische Journalist*innengewerkschaft ANP ein und hat dort seitdem diverse Ehrenämter bekleidet. Lainez  ist auch Vizepräsidentin des lateinamerikanischen Regionalverbandes FePALC und ehemalige Vizepräsidentin der IFJ. Im Exekutivkomitee der IFJ arbeitete sie bereits 16 Jahre lang mit.

Auf dem Jubiläumskongress der IFJ in Paris waren über 300 Delegierte aus 146 Mitgliedsländern der Föderation zusammengekommen. Der Rückblick auf die vergangenen 100 Jahre nahmen dabei nur einen geringen Raum ein: “Wir sind Gewerkschafter und uns treibt der Kampf für bessere Bedingungen für die Journalistinnen und Journalisten an, und wir sind Journalisten, um denjenigen eine Stimme zu geben, die keine haben”, sagte Zuliana Lainez in ihrer Abschlussrede, “Wir stehen vor der Herausforderung, eine neue Etappe einzuleiten, die uns weitere 100 Jahre bestehen lässt. Wir müssen weiter  gegen prekäre Arbeitsbedingungen kämpfen, gegen Angriffe auf unsere Arbeit, und für die Verteidigung von Journalistinnen und Journalisten, die weltweit weiterhin schikaniert, verfolgt, angeklagt, verurteilt und, was noch schlimmer ist, ermordet werden!”

KI und Rechtsruck

In Workshops und mit Beschlüssen setzten sich die Delegierten mit den Herausforderungen auseinander, die Journalist*innen und ihre Gewerkschaften seit 100 Jahren beschäftigen, aber auch mit den neuen. Insbesondere die Anwendung Künstlicher Intelligenz im Journalismus, der wachsende Totalitarismus in der Welt, der Rechtsruck in vielen demokratischen Gesellschaften und staatliche Eingriffe in die Strukturen und die Unabhängigkeit der Presse waren Themen. Rund um den Globus nimmt die staatliche Überwachung von Journalist*innen zu und auch die Angriffe auf die Unabhängigkeit der öffentlichen Rundfunksysteme.

Dass Deutschland da keine Ausnahme bildet, zeigen zum Beispiel die aktuellen Kürzungen bei der Deutschen Welle. Auf Initiative der dju-Delegation verabschiedete der Kongress eine Solidaritätserklärung mit den betroffenen Kolleg*innen. Bei der Jahrestagung der Europäischen Journalist*innenföderation EJF im Juni wird die dju auch zwei Anträge zur Deutschen Welle einbringen.

Kongress verurteilt Angriffe auf Medienschaffende

Weltweit haben die direkten Angriffe auf Journalist*innen und ihre Organisationen in den vergangenen vier Jahren zugenommen. Explizit verurteilte der Kongress  die Angriffe des israelischen Militärs auf Kolleg*innen in Gaza und im Libanon und deren pauschale Darstellung als Terroristen durch israelische Propagande; Angriffe auf Journalist*innen im Sudan, im Jemen, in Mexiko und Serbien sowie die Unterdrückung der iranischen Journalist*innengewerkschaft AoIJ und die Straffreiheit für Anschläge auf Journalist*innen in Sri Lanka und Pakistan.

Zuliana Lainez. Foto: Lars Hansen

Zuliana Lainez hat als IFJ-Präsidentin allerdings auch organisationsintern diverse Baustellen zu bearbeiten. Eine erledigte sich bereits bei der Tagung von selbst: Der Kongress beschloss eine geschlechterparitätische Besetzung des IJF-Vorstandes, dem sogenannten Exekutivkomitee. Sie ist ab 2029 verpflichtend. Doch auch ohne Pflicht und auch ohne, dass dies thematisiert wurde, wurde das “ExKom” schon für die kommende Amtszeit mit ebenso vielen Frauen wie Männern besetzt. Die dju in ver.di ist in dem 22-köpfigen Gremium durch Joachim Kreibich vertreten.

 Mehr Repräsentanz für den globalen Süden

Andere Baustellen bleiben. Der globale Süden drängt auf mehr Repräsentanz in den Gremien der IFJ. Das hat auch historische Gründe: Bis zum Ende des Kalten Krieges gab es zwei internationale Verbünde der Journalistengewerkschaften. Die Länder des Ostblocks und die meisten blockfreien Nationen gehörten der IOJ an, die ihren Sitz in Prag hatte. Die IFJ war eher west- orientiert. Mit dem Fall des Ostblocks verschwand auch die IOJ und ihre Gewerkschaften kamen zur IFJ. Der Integrationsprozess ist bis heute mit Spannungen und Knirschen verbunden. So traten nach dem Kongress 2022 in Muscat die meisten skandinavischen Gewerkschaften, mit Ausnahme von Schweden, aus. Sie zurückzuholen und  gleichzeitig die Repräsentanz des globalen Südens zu stärken, ist eine der großen Aufgaben, die sich das neue Exekutivkomitee und das neue Präsidium gestellt haben.


Die IFJ organisiert 187 Journalist*innengewerkschaften aus 146 Ländern und vertritt damit indirekt 600.000 Medienschaffende weltweit. In der Zusammenarbeit mit den UN und insbesondere ihren Organisationen UNESCO und der International  Labor Organization (ILO) ist die IFJ die Stimme der Journalist*innen. Die IFJ gibt den internationalen Presseausweis heraus und hat den internationalen Pressekodex als gemeinsamen Standard für ethischen Journalismus erarbeitet, den sie weiterhin pflegt. Die ehrenamtliche Arbeit verteilt sich auf fünf Kontinental- und Regionalverbände, die Hauptamtlichkeit auf vier Regionalbüros. Die dju ist das einzige Deutsche Mitglied der IFJ.

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