Kämpferischer Auftakt im ÖRR

Streik im NDR. Foto: Leon Stöcker

In politisch umkämpften Zeiten beginnen auch im ÖRR die Tarifverhandlungen. Ver.di ruft die Hamburger Beschäftigten beim NDR daher heute zum Warnstreik auf. Er beginnt am Dienstag und endet am Mittwoch um 1.30 Uhr. Seit Februar läuft der Tarifkonflikt um die Gehälter, Honorare und Ausbildungsvergütungen der rund 5.000 festen und freien NDR-Beschäftigten.

Bereits im Dezember gab ver.di die Forderungen im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) bekannt. Sie betreffen mehr als 40.000 Festangestellte und arbeitnehmerähnliche Freie in ARD, ZDF und Deutschlandradio. Es geht dabei unter anderem um Gehalts- und Honorarsteigerungen von 7 Prozent, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. Mit einem bundesweiten Aktionstag Ende Februar forderten die Beschäftigten ihre Arbeitgeber auf, endlich in Verhandlungen über angemessene Gehälter und Honorare sowie über Entlastungstage einzutreten.

Warnstreik beim NDR

Nach zwei Verhandlungsrunden bietet der NDR den Beschäftigten lediglich 1,23 Prozent Gehalts- und Honorarerhöhung ab 1. Juli 2026 und jeweils weitere 1 Prozent zum 1. Juni 2027 und 1. April 2028 an. Im NDR wurde daher heute gestreikt. „Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell hohen Inflation ist das Angebot des NDR inakzeptabel. Auch soll die Laufzeit fast drei Jahre betragen.

Tarifkommissionen im ÖRR fordern:

Gehalts- und Honorarsteigerungen:
7 Prozent, mindestens jedoch 300 Euro monatlich.

Bis dahin bestehen erhebliche Unsicherheiten über die weitere Entwicklung. Der NDR will die finanziellen Risiken auf die Beschäftigten in vollkommen unangemessener Weise abwälzen – schließlich leisten die NDR-Beschäftigten einen unverzichtbaren Beitrag zur Information und zur demokratischen Meinungsbildung“, kritisiert Stephanie Steffen, Vorsitzende von ver.di im NDR.

Bei MDR, WDR, SWR und BR forderten die Beschäftigten die Senderleitungen auf, ihre Verzögerungstaktik aufzugeben und konstruktiv zu verhandeln. Seit Ende Januar verweigern die Senderleitungen ernsthafte Gespräche. Beim Bayerischen Rundfunk wurden nicht einmal Verhandlungstermine benannt.

Beim MDR steht ver.di vor zusätzlichen Herausforderungen, um einen weiteren Reallohnverlust zu verhindern. Der Sender hatte bereits Sparmaßnahmen angekündigt. Die Beschäftigten wenden sich aber entschieden gegen weitere Einbußen, gegen eine Abkopplung von anderen Rundfunkanstalten sowie gegen eine Entkopplung vom öffentlichen Dienst.

Für Nachwuchskräfte:

Für Lernende wie Auszubildende, Dual Studierende und Volontärinnen und Volontäre sollen die Vergütungen um 200 Euro monatlich steigen.
Verbesserungen bei der Alterssicherung für Freie, Freistellungen für Sorgearbeit und ähnliche soziale Maßnahmen werden gefordert.

Auch die Beschäftigten der Deutschen Welle, die sich derzeit noch nicht in Tarifverhandlungen befinden, beteiligten sich am Aktionstag. Anlässlich des Equal Pay Day machten sie auf die anhaltende Ungleichbezahlung von Frauen und Männern aufmerksam und riefen zur Solidarität mit den Beschäftigten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Leben ohne Thüringer Lokalzeitung 

Ostthüringen ist im Jahr 2023 von der Funke-Mediengruppe zur „Modellregion für die Digitalisierung des ländlichen Raums“ erklärt worden. Der Verlag stellte die Zustellung der Printausgabe der Ostthüringer Zeitung in elf Gemeinden rund um Greiz ein. Thomas Schnedler und Malte Werner vom Netzwerk Recherche haben die Folgen untersucht. Die Ergebnisse finden sich im Abschlussbericht „Lückenfüller –Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“.
mehr »

Katapult MV: Die Stimme für den Norden

Die kleine Redaktion von Katapult MV stellt im Flächenland mit 1,57 Millionen Einwohner*innen mit einer monatlichen Zeitung und aktuellen Online-Beiträgen ein Gegengewicht in der Berichterstattung dar. Wir sprachen mit Chefredakteur Patrick Hinz über Lokaljournalismus, die anstehenden Landtagswahlen und den journalistischen Umgang mit der AfD.
mehr »

Weltweite Solidarität mit der Deutschen Welle

Journalistengewerkschaften und -verbände aus der ganzen Welt haben beim Jubiläumskongress der International Federation of Journalists (IFJ) in Paris ihre Solidarität mit den Beschäftigten der Deutschen Welle erklärt und Bundeskanzler Merz, Kulturstaatsminister Weimer, den Deutschen Bundestag und den Rundfunkrat der DW aufgefordert das Sparprogramm zu stoppen.
mehr »

Berichten wo es ungemütlich ist

In autoritär regierten Staaten geraten auch ausländische Medienschaffende zunehmend unter Druck: Einreiseverbote, die Verweigerung von Visa und andere Repressionen erschweren die Arbeit von Korrespondent*innen. In vielen Fällen bleibt ihnen nur noch die Berichterstattung aus dem Ausland ohne direkten Zugang zum Land selbst.
mehr »