Schon entdeckt: RiffReporter

Fachjournalismus in Selbstverwaltung, ohne Redaktionshierachien und im Team mit gleichberechtigten Kolleg*innen  – diesen Traum erfüllen sich seit 10 Jahren die mehr als 100 Mitglieder der Genossenschaft RiffReporter. Im Jubiläumsjahr einige Innenansichten.

Logo: Riffreporter

Fragt man Mitglieder der RiffReporter, warum sie der Genossenschaft beigetreten sind, hört man Geschichten von gelungenem Change und gelebter Utopie: „Ich war ursprünglich Digitaljournalistin, wollte aber über Klima und Umwelt berichten. In meinen damaligen Redaktionen konnte ich diese Themen nicht setzen“, erinnert sich RiffReporterin und Genossenschaftsvorständin Chrstiane Schulzki-Haddouti. Und Björn Lohmann, dem Sprecher der Autor*innen-AG in der Genossenschaft, bieten die RiffReporter “die klassische journalistische Situation, dass ich unabhängig von expliziten oder impliziten Einflüssen eines Verlages und unabhängig von einem redaktionellen Auftrag meine Themen vorantreiben kann“.

Solche Vorzüge einer genossenschaftlichen Selbstorganisation haben inzwischen mehr als 100 Journalist*innen für sich entdeckt. Gemeinsam produzieren sie u.a. ein digitales Autor*innenmagazin und einen Newsletter mit den Themenschwerpunkten Natur, Klima, Gesundheit, Gesellschaft, Internationales und Technik.

2016 wurde die Genossenschaft gegründet, 2017 ging das Projekt online. Von Anfang an verstand es sich als eine Mischung aus Gründerzentrum, kooperativem Medium und unabhängiger Vermarktungsplattform für hochwertigen Wissenschaftsjournalismus – unter der Kontrolle der beteiligten Contentproduzent*innen.

Von der Koralle zum Riff

Interessant an der Geschichte der Genossenschaft ist u.a., dass sich das heutige Autor*innenmagazin plus Newsletter, intern auch „Riff“ genannt, aus einem Verbund spezialisierter Einzelmagazine (die sogenannten „Korallen“) heraus entwickelt hat.

„Nach fünf Jahren stellte die Genossenschaft fest, dass das Modell wirtschaftlich nur für eine der Korallen gut lief, aber nicht für die anderen – und damit auch nicht für die Genossenschaft“, erinnert sich Schulzki-Haddouti. Daher wurden die Korallen abgeschaltet und die Inhalte in einem gemeinsamen Autor:innenmagazin mit einem einzigen Abo-Angebot zusammengeführt.

Heute haben spezialisierte Expert:innen-Angebote zum Abonnieren Hochkonjunktur. Man denke an Table.media oder die Background-Briefings des Tagesspiegel. Waren die RiffReporter damals mit dieser Idee einfach zu früh dran?

Auch die RiffReporter leben von spezialisierten Fachbeiträgen, führen ihre Leser*innen aber inzwischen über ihre generelle Homepage zu den „Rubriken“, „Spezial“- und „Fokus“-Beiträgen, wie Schulzki-Haddouti berichtet.

Wer kann RiffReporter*in werden?

Detaillierte Auskunft über die jeweils gültigen Kriterien einer Aufnahme und Mitgliedschaft gibt der „journalistische Kodex“  der RiffReporter.  Neue Mitglieder sollten vor allem auf den originären Schwerpunkt Wissenschaftsjournalismus einzahlen können. „Und wir achten außerdem darauf, dass die neuen Mitglieder hauptberufliche Journalist*innen sind oder es werden wollen“, ergänzt Vorständin Schulzki-Haddouti.

Basics sind außerdem, dass die Bewerber*innen „keinen  Clickbait produzieren“, wissenschaftsjournalistische Standards einhalten und motiviert sind, speziell bei den Riffreportern tätig zu sein. „Wenn all das ins Bild passt, nehmen wir die Menschen gerne auf. Auf jeden Fall bekommt man auf eine Bewerbung ein qualifiziertes Feedback. Man weiß also immer, warum man aufgenommen oder abgelehnt wurde“, so Schulzki-Haddouti.

Wie finanziert sich das Riff?

Haupterlösquelle der Genossenschaft sind Abos für Privatkunden und eine institutionelle Flatrate für Bibliotheken, Forschungseinrichtungen, Nichtregierungs-organisationen und Unternehmen. Hinter einigen der der institutionellen Abos stehen  mehrere Tausend Nutzende.

Weitere Einnahmen generiert das Riff über Fördermittel und mit seinem Marketplace, einer Syndikationsplattform für andere Publisher, die dort RiffReporter-Beiträge lizenzieren können. „Unsere Marketplace-Kunden sind u.a. Onlineportale und Regionalzeitungen, sowie wissenschafts-journalistische und andere Spezialmagazine, wie zum Beispiel Spektrum der Wissenschaft. Also ein bunter Strauß, der jedes Jahr etwas wächst“, berichtet RiffReporter Lohmann.

Gelegentlich bewerben sich die RiffReporter auch bei Förderstiftungen um Mittel für ein Publikationsprojekt. So etwa beim Wattenmeer-Projekt, das von der HERING Stiftung gefördert wird. „Wir pitchen dann ein Thema bei einer Stiftung und schlagen gleichzeitig ein attraktives Paket aus Interviews, Reportagen, News vor. Das begleiten wir dann auch auf Social Media. Kommt ein Zuschlag der Stiftung wird das Projekt intern, im Riff ausgeschrieben und die Autor:innen können sich mit ihren Vorschlägen um eine Teilnahme bewerben“, sagt Schulzki-Haddouti.

Mit Riff Live, einem Live-Format bringt die Genossenschaft Wissenschafts- und Fachjournalist*innen direkt zum Publikum. Ein Trend, den auch die Events von Correctiv oder die Reporter Slams bedienen.

Ein wichtiges Ziel der Genossenschaft im laufenden Jahr ist u.a. die Gründung eines Fördervereins, der auch die Förderung und die Weiterlizenzierung des hauseigenen Content Management System (CMS) an andere Verlage vorantreiben soll.

Erst- oder Zweitverwertung im Riff?

Nutzen die Genos*innen das RiffReporter-Magazin vorwiegend für eine Zweitverwertung von Beiträgen, dies sie bereits über andere Medienhäuser publiziert haben? Oder schreiben sie exklusiv für die Plattform?

„Beides ist möglich. Man kann bei uns zweitverwerten, etwa über den  Marketplace, kann aber auch exklusiv für unser Magazin schreiben. Speziell beim gemeinsamen Arbeiten in unseren Recherche-Kollektiven entstehen größere eigene Beiträge“, sagt RiffReporter Björn Lohmann.

Wer entscheidet über die Publikation (oder die De-Publikation) von Beiträgen?

Journalistische Autonomie reklamieren die Genossenschaftler*innen als Teil ihrer DNA. Jede*r ist für seinen oder ihren Beitrag presserechtlich selbstverantwortlich und entscheidet zunächst selbst was er oder sie publizieren möchte. In den Recherchekollektiven wird dann abgesprochen, wann was erscheinen soll.

„Natürlich haben wir die im Kodex verankerten Qualitätskriterien und verbindliche Redigier-Standards. Deshalb kann es auch einmal vorkommen, dass ein Text nicht erscheint – etwa, wenn ein Beitrag zu werblich ist. Die Ablehnung sollte dann aber bereits im Redigat erfolgen. Wenn kein Konsens möglich ist, kann der Ethikausschuss angerufen werden“, schildert Schulzi-Haddouti den Prozess. Ein bereits erschienener Beitrag kann auf Empfehlung des Ethikrats vom Vorstand auch wieder depubliziert werden

Redaktionelle Planungsgrundlage ist ein gemeinsamer Publikationsplan.  „Wir stimmen uns darüber ab, wer welches Thema bearbeitet, welche Pressekonferenzen anstehen, wer dahin gehen wird oder welches Paper gerade erschienen ist“, sagt Lohmann.

Nächste Meilensteine

Nach den wichtigsten Zielen und Wünschen fürs Jubiläumsjahr gefragt, nennen die RiffReporter Gaben, über die sich auch jedes konventionelle Medienhaus freuen würde: Noch mehr Bekanntheit und noch größeres Wachstum.

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