Über Rechtsextreme reden – aber wie?

Foto: Hermann Haubrich

Medien können eine schützende Rolle dabei spielen, rechtsextremen Tendenzen entgegenzuwirken und die Demokratie zu stärken. Handlungsempfehlungen dafür haben Pia Lamberty und Maheba Goedeke Tort im CeMAS-Policy-Brief „Über Rechtsextreme reden? Empfehlungen für die mediale Berichterstattung“ zusammengestellt. Das geschieht vor dem Hintergrund, dass sich auf der einen Seite rechtsextreme Parteien radikalisieren. Gleichzeitig finde eine gesellschaftliche Normalisierung rechtsextremer Positionen und Erzählungen statt. 

Die beiden Autorinnen empfehlen zwölf Ansätze für den medialen Umgang mit Rechtsextremismus. So müssten rechtsextreme Ideologien und Milieus klar benannt werden. Zu vielen rechtsextremen Gruppierungen gebe es ausreichend Fachexpertise. 

Wiederholt wird Rechtsextremen eine Plattform geboten, die sie dann auch gezielt für sich nutzten. Rechtsextreme schafften es dadurch immer wieder, eigene Themen auf die mediale Agenda zu setzen, die in der Folge breit diskutiert würden.

Trotz der Berichterstattung über zentrale Personen dürfte ihnen und ihren Positionen kleine Bühne geboten werden. Zugleich warnen die Autorinnen davor, Zitate von Rechtsextremen in Überschriften zu verwenden. Viele Leser*innen und Nutzer*innen läsen nur diese. Zumal wenn der dekonstruierende Text dann hinter der Paywall stecke. 

Redaktionelle Leitlinien gefordert

Die Autorinnen empfehlen zugleich klare und transparente Leitlinien etwa im Umgang mit der AfD. Das helfe, einer Opferinszenierung entgegenzuwirken. Mit einem sogenannten Fakten-Sandwich sollten Journalist*innen auf Falschaussagen reagieren. Diese dürften nie unwidersprochen bleiben. 

Journalist*innen sollten sich nicht nur auf Polizeimeldungen als Quelle bei Protesten stützen, so heißt es in den Empfehlungen von CeMAS, dem Center für Monitoring, Analyse und Strategie, weiter. Außerdem sollten sie sich in ihrer Berichterstattung nicht nur auf die Rechtsextremen fokussieren, sondern die Betroffenen im Blick behalten. 

Kontinuierliche Berichterstattung angemahnt

Zugleich warnen Pia Lamberty und Maheba Goedeke Tort davor, Anhänger*innen von Rechtsextremismus und Verschwörungsideologien als „verrückt“, „dumm“ oder „irre“ abzutun. Und sie plädieren für eine kontinuierliche und einordnende Berichterstattung. Denn Rechtsextremismus komme nicht aus dem Nichts. 

Schließlich fordern die Autorinnen von den Medienhäusern, ihre Mitarbeiter*innen gut vorzubereiten und bestmöglich zu schützen. Und sie mahnen: „Jedes Mal, wenn der Rechtsextremismus erstarkt, ähneln oder wiederholen sich die Debatten und Lernprozesse, wie medial damit umgegangen werden sollte.“ Nur selten würden die Erkenntnisse festgehalten und die Arbeit daran verstetigt. „Prozesse der Evaluation helfen dabei, eine bessere Berichterstattung über Rechtsextremismus zu erlangen – und nicht heute noch Bilder von Männern mit Glatze und Springerstiefeln als Symbolbild für Rechtsextremismus zu nutzen.“

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

No SLAPP: Strategische Verteidigung

SLAPPs sind keine neue Entwicklung. Neu ist die massenhafte Verbreitung. Bereits Anfang der Neunzigerjahre hat z.B. Scientology gegen private und behördliche Kritiker massiv gerichtliche Verfahren geführt, bei denen auch über die Prozesskosten Druck ausgeübt werden sollte. Eine strategische Verteidigung kann dabei nützlich sein, zeigt Kapitel fünf des No-SLAPP-Handbuchs.
mehr »

Übergriffe im Sachsen-Anhalt-Wahlkampf

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ging mit einem bislang  beispiellosen Ausmaß an Angriffen auf Medienschaffende einher. Die dju in ver.di zieht nach dem Wahlwochenende eine alarmierende Bilanz. Seit Beginn der Erfassung im Mai 2026 wurden insgesamt 46 dokumentierte Fälle von Übergriffen, Einschüchterungen und massiven Behinderungen gezählt. 
mehr »

Was braucht junger Journalismus?

Zehn Landesverbände, 15.000 Mitglieder, rund 300 Veranstaltungen im Jahr, das ist die Bilanz der Jugendpresse Deutschland, die Clara Hoheisel, Geschäftsführende Bundesvorständin beim Sommerfest der Jugendpresse Deutschland am Freitag in Berlin-Neukölln bekannt gab. Zur Eröffnung gab es ein Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner über das Thema „Was braucht junger Journalismus“.
mehr »

No SLAPP Handbuch: Strafrecht

Was tun, wenn das Strafrecht instrumentalisiert wird, um gegen unerwünschte Berichterstattungen vorzugehen? Das vierte Handbuchkapitel soll Journalist*innen helfen, mit entsprechenden Strafanzeigen umzugehen, insbesondere wegen Beleidigungsdelikten.
mehr »