Deutschlandfunk geht ab jetzt in medias res

Mit „@mediasres“ startete der Deutschlandfunk am 20. März 2017 sein neues Medienmagazin. Es löst das bisherige Programmformat „Markt und Medien“ ab. Speziell Themen wie Medienwandel, Pressefreiheit und Medienethik sollen im Fokus stehen. Die Neuerung ist Teil einer umfassenden Reform des Nachmittagsprogramms.

Gerade in Zeiten von „Fake News“ und der anhaltenden Debatte über die Glaubwürdigkeit des Journalismus sei eine profunde, kontinuierliche Beschäftigung mit Kommunikationsthemen unerlässlich, begründete der scheidende Deutschlandradio-Intendant Willi Steul die Ausweitung der medienkritischen Berichterstattung. Anders als das bisherige samstägliche „Markt und Medien“ läuft „@mediasres“ werktäglich von 15:35 – 16:00 Uhr.

Schwerpunkt der Auftaktsendung am 20. März war das in jüngster Zeit schwierige Verhältnis von Medien und Politik in den USA. Stefan Koldehoff, Leiter des zwölfköpfigen Redaktionsteams, interviewte Reuters-Korrespondent Jeff Mason zu den Bemühungen der Medien, trotz der pressefeindlichen Grundhaltung von US-Präsident Trump ihrer öffentlichen Aufgabe gerecht zu werden. Mason – er ist zugleich Präsident der Korrespondenten-Vereinigung im Weißen Haus – lobte dabei die hartnäckigen Fragen der dpa-Korrespondentin Kristina Dunz an Trump beim Merkel-Besuch in Washington. Weitere Themen der Erstsendung: die geplanten Finanzkürzungen beim nicht-kommerziellen National Public Radio (NPR) und das soeben zu Ende gegangene Medienfestival „SXSW – South by Southwest“ in Austin/Texas. Auch dieses Festival stand in diesem Jahr im Zeichen einer Standortbestimmung der Medien in der Ära Trump.

Noch Luft nach oben

Auffällig an der ersten Sendung war eine gewisse formale Einseitigkeit: Fast alle Themen wurden in Form von Interviews zwischen Moderator Koldehoff und wechselnden Gesprächspartnern abgehandelt. Das lässt möglicherweise auf ein strenges Kostendenken bei den Verantwortlichen schließen. Für den Folgetag war als ein Schwerpunkt der journalistische Umgang mit Hasskommentaren angekündigt. In den nächsten Wochen sollen Kolumnen prominenter Medienakteure für mehr Farbe sorgen. Darunter Silke Burmester, frischgebackene Bert-Donnepp-Preisträgerin und bis Mitte 2016 als „Kriegsreporterin“ für die tageszeitung (taz) unterwegs. Außerdem: Marina Weisband, ehemalige Piratenpolitikerin, Freitag-Kulturredakteur Matthias Dell, sowie Moderator und Satiriker Christian Ulmen.

Gespannt darf man darauf sein, ob und wie die Redaktion das Gelöbnis einlöst, auch selbstkritisch die Arbeit im eigenen Hause zu beleuchten. Hoffentlich werde man nicht noch den Tag verfluchen, an dem „@mediasres“ ins Leben gerufen worden sei, hatte Programmdirektor Andreas Weber bei der Präsentation angemerkt.

Das neue Format ist Teil einer umfassenderen Programmreform. Den Platz der eingestellten Sendung „Markt und Medien“ samstags um 17:05 Uhr übernimmt das Format „Streitkultur“, bei dem zwei Gäste über ein aktuelles Kulturthema möglichst kontrovers diskutieren sollen. Die Sendezeit von „Corso – Kultur nach 3“ wird auf 25 Minuten halbiert, außerdem heißt das Magazin jetzt „Corso – Kunst & Pop“. Auch die Magazine „Campus & Karriere“ und „Büchermarkt“ bekommen einen neuen Anstrich.

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