„… Hände und Augen frei für andere Arbeiten“

Firmen-Radio zur Mitarbeiter-Motivation und Kundenpflege – PR oder Journalismus?

Lassen Sie uns über die Zukunft reden“, verkündet Company Voice im Vorspann ihrer gleichnamigen Internetseite. Während ein abgeschnittenes Ohr aufblinkt, verspricht die Hannoveraner Firma „auditive Unternehmenskommunikation“ unter dem Motto „informieren, motivieren, binden“. Mindestens sechs Kunden sind schon auf den Zug in die Neuzeit aufgesprungen. Darunter der inzwischen weltweit agierende deutsche Softwaregigant SAP.

Doch was ist „Company Voice Business & Net Radio“ – etwa die Hörfunkzukunft? Modern wie die Zukunft, aber schon erfolgreiche Gegenwart, sagt Petra Marsteller.

Sie ist „Business Unit Manager Programm“, zu gut deutsch: Programmchefin des neuen Mediums. „Wir sind Deutschlands erfolgreichstes Geschäftsradio-Unternehmen“, sagt sie. Und verweist stolz auf den jüngsten Kunden, den Preussag-Konzern. Die Aktiengesellschaft bietet mit Hilfe von Company Voice ihren Mitarbeitern seit Ende April einen neuen Service: Ein eigenes Firmen-Radio.

Bisher war die deutsche Radiowelt klar geteilt in öffentlich-rechtlichen und privaten Hörfunk, dazwischen tummelten sich noch ein paar Offene Kanäle, nichtkommerzieller Lokalfunk und Piraten-Radios.

Die Freistaaten Bayern und Sachsen bilden sich viel auf ihre Ausbildungskanäle ein und von Zeit zu Zeit genehmigen die Landesmedienanstalten auch schon mal Ereignisfunk zu bestimmten Anlässen.

Fast nur Experten kennen aber auch sogenannte Instore-Radios – bekannt als Klangtepich in einigen Kaufhäusern, Supermarktketten oder Modeshops – sowie Business-TV und Mitarbeiterzeitungen. So etwas ähnliches bietet auch Company Voice, aber: Wesentlich billiger als ein eigenes Unternehmens-Fernsehen, aktueller und emotionaler als eine Firmenzeitung. Allerdings will das Geschäftsradio die anderen Medien der Unternehmenskommunikation nicht verdrängen; „Die Kunst liegt im Medienmix, zugeschnitten auf jede Firma“, sagt Petra Marsteller. Unter Umständen könne das von den Hannoveranern im Auftrag zusammengestellte Hörfunkprogramm sowohl der internen wie auch der externen Unternehmenskommunikation dienen. So etwas produziert Company Voice zum Beispiel für Möbel Hesse und das Möbelhaus Meyerhoff. Bis vor kurzem war auch noch die Kaufhof AG mit dem Programm „Lust for Life“ an Bord.

Business-Zugfunk

Ein Beispiel ist die Bahn AG, die von Company Voice gleich drei Programme für ihre neue Metropolitan-Linie herstellen läßt. So können Dienstreisende von Hamburg über Düsseldorf nach Köln Soul-Klängen lauschen und sich im Manager / Business-Zugfunk zugleich mit Informationen und Berichten aus der Geschäftswelt versorgen. Außerdem gibt es in den Waggons noch ein Klassik- und ein New-Age-Programm, die allerdings nicht so magazinig und seriös wie der Manager-Funk daher kommen.

Auch beim SAP-Radio dominieren Seriosität und Geschäft statt Unterhaltung – allerdings nicht für Kunden, sondern für Mitarbeiter, vor allem im Außendienst in Deutschland, Europa und den USA. „Wir liefern knallharte News in deutsch und englisch“, sagt Marsteller: Im Mittelpunkt stehen Informationen aus dem Unternehmen, der Computerbranche und zur Konkurrenz. Damit die SAPler immer topinformiert sind – etwa vor einem wichtigen Kundengespräch oder Verkaufsverhandlungen – hat die Walldorfer Softwareschmiede einen besonderen Service gebucht: Das täglich bis zu dreiminütige Firmenradio kann von jedem Mitarbeiter per Handy abgerufen werden.

Damit ist Company Voice hierzulande noch Alleinanbieter. Ebenso wie beim Preussag-Radio. Es wird zwar nur wöchentlich aktualisiert, läuft dafür aber im Intranet des Touristik- und Dienstleistungskonzerns. Fast wie die im letzten Jahr neu eingeführte Marke „World of TUI“ soll auch das „PIN-Radio“ zur Identifikation mit der Firma und zur Integration der weltweit 75 000 Mitarbeiter in den sehr unterschiedlichen Geschäftszweigen beitragen.

Verkaufsfördernd

Bei der hörbaren Mitarbeiter- und Kundenkommunikation konkurriert Company Voice als hundertprozentige Tochter der Hit-Radio-Antenne-Gruppe allerdings mit anderen Anbietern. Gerade bei den sogenannten Kunden- oder Einkaufsradios haben die Hamburger ic und das Kieler P.O.S. Radio einen Vorsprung: Ihre verkaufsfördernden Klangteppiche mit Werbung in bundesweit über 10 000 Super-, Möbel- und Baumärkten, Drogerien, Heimwerkerläden und Gartencentern – darunter toom, Kaisers, Rewe – laufen nicht nur während der Öffnungszeiten. Davor und zum Teil danach gibt es auch speziell moderierte Programme für die Handelsmitarbeiter. Die Branche boomt, ist sich Marstellers Marketing-Kollege Harry Eggensperger sicher. Er rechnet mit 25 Millionen Euro jährlich für diese Form der Unternehmenskommunikation. Der Vorteil für die Auftraggeber der neuen, jährlich etwa 125 000 Euro teuren Radioprogramme liegt klar auf der Hand, bekräftigt Petra Marsteller einen Slogan von Company Voice: „Wer hört, hat die Hände und Augen frei für andere Arbeiten“.

Durchaus anspruchsvoll

Aber gilt das auch für den Kopf, etwa nach dem Motto „Flüchtig mithören ohne nachzudenken“? Dem widerspricht Managerin Marsteller energisch: Es gehe um Glaubwürdigkeit und durchaus journalistisch anspruchsvolle Programme für spezielle Zielgruppen. Dass die Firma, besser das Managment, der Auftraggeber ist, bedeute nicht, dass nur Lobbyarbeit für den Chef oder platte Firmen-PR gemacht werde. So sind bei Company Voice etliche erfahrene Radiojournalisten unter den fünf festangestellten und circa 25 freien Mitarbeitern.

nach oben

weiterlesen

Journalismus jenseits von Profit

Liegt die Zukunft des Journalismus jenseits von Profit? Noch ist spendenfinanzierter Journalismus in Deutschland die Ausnahme. Ein wesentlicher Grund: Bislang fehlen dafür die gesetzlichen Grundlagen. Nicht nur Aktivisten wollen, dass sich das ändert. Lässt sich die Politik im Bundestagswahlkampf dahin bewegen? Diese und andere Fragen stellten wir Oliver Moldenhauer, einem der Vorsitzenden des Forums Gemeinnütziger Journalismus, das Non-Profit-Organisationen im Medienbereich vereint.
mehr »

Mehr Sichtbarkeit für Frauen beim SWR

Der Südwestrundfunk (SWR) will den Frauenanteil in Radio, Fernsehen und Internet erhöhen und Frauen in allen Programmen sichtbarer machen. Daher stellt sich der Sender als erste Landesrundfunkanstalt der ARD der sogenannten 50:50-Challenge. Nach dem Vorbild der britischen BBC sollen alle Redaktionen ein Jahr lang freiwillig auf ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihrem Programm achten. Das Mitmachen in den Redaktionen ist freiwillig.
mehr »

Sie haben Post! – Ein neuer Newsletter

Altbacken, langweilig und viel zu viele: Newsletter galten lange Zeit als überholt. Doch das hat sich geändert. Aus den USA kommt der Trend, dass auch einzelne Journalistinnen und Journalisten ihre Inhalte im Abo direkt an ihre zahlende Leserschaft ausschließlich mailen. Sie stehen weder im Netz noch in gedruckten Medien. Wer Insider-Infos für zahlungsbereite Kundschaft liefert, kann damit sogar Geld verdienen. Einfach ist das allerdings nicht.
mehr »

Höhere Ausschüttung bei VG Bild-Kunst

Trotz der Pandemie konnte die VG Bild-Kunst im Geschäftsjahr 2020 ein außergewöhnlich positives Ergebnis erzielen. Auch die Ausschüttung an ihre Berechtigten im In- und Ausland konnte gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert werden, teilte die Verwertungsgesellschaft mit. Die Gesamterlöse der VG Bild-Kunst beliefen sich im Geschäftsjahr 2020 auf 109,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2019 wurden 61,2 Millionen Euro und 2018 56,3 Millionen Euro erzielt.
mehr »