Journalismus zwischen Förderung und Facebook

Foto: 123rf.com/ginasanders, rvlsoft. [M]

„Die Frage nach der Finanzierung von Journalismus stellt für die kommenden Jahren eine der großen Herausforderungen dar“, stellte Mogens Blicher Bjerregård, Präsident der Europäischen Journalisten-Föderation (EJF), bei einem Workshop der EJF in Nürnberg fest. Kolleginnen und Kollegen aus 19 Ländern tauschten hier ihre Erfahrungen aus. Europaweit wird angesichts des Stellenabbaus in den traditionellen Medienhäusern mit „Geschäftsmodellen“ experimentiert, die Journalistinnen und Journalisten zu Unternehmer_innen werden lassen.

Immer mehr Journalistinnen und Journalisten versuchen als Start-ups ihr Glück mit Crowdfunding für Online-Angebote. Auch wenn der Begriff „Geschäftsmodell“ hier fragwürdig sei, denn beim Journalismus gehe es nicht ums Geschäftemachen, sondern um die öffentliche Aufgabe und Wächterfunktion, wie der Generalsekretär der niederländischen Journalistengewerkschaft NVJ, Thomas Bruning, betonte. Dabei garantiert eine gelungene Anfangsfinanzierung mittels Crowdfunding jedoch noch keinen Dauerbetrieb. Denn nur 7 Prozent der Nutzer_innen sind bereit, für Online-Nachrichten zu zahlen. Alexandra Borchardt vom Reuters Institute in Oxford riet daher: „Tritt mit Deinen Nutzern in Kontakt und binde sie ein“. Dafür setzen Medienmacher_innen häufig auf Facebook. Immerhin nutzen 24,9 Prozent der Deutschen das Medium als eine Nachrichtenquelle. Bei Twitter liegt der Anteil bei gerade mal 4,3 Prozent.

Ein Beispiel für geglücktes Crowdfunding und für die Nutzung von Facebook als Kommunikationsplattform mit den Leser_innen liefert „Blankspot“ in Schweden. In nur drei Wochen sammelte der Initiator Martin Schibbye rund 100.000 Euro. Schibbye: „Das Geheimnis ist, Leute zu finden, die an einem Thema so interessiert sind, dass sie für Informationen dazu zahlen“. Dafür unterhält das Online-Medium themenspezifische Facebook-Gruppen. Mitglieder teilen darüber zunächst ihr eigenes Wissen, bevor der Journalist sich auf den Weg vor Ort begibt. Die Lebensrealität in Afghanistan war zum Beispiel ein Thema, das genügend Personen in Schweden bewegte. Das Beispiel lässt sich jedoch schwerlich übertragen, denn anders als die Mehrheit der Journalist_innen ist Schibbye in Schweden sehr bekannt, weil er als Journalist wegen unbequemen Recherchen in Äthiopien in Haft saß. Er wurde mit mehreren Journalistenpreisen ausgezeichnet.

Andere Start-ups in den Medien versuchen, Unterstützung von Stiftungen zu bekommen – in Deutschland bieten sich dafür immerhin 85 an. Nach Angaben von Lutz Frühbrodt von der Universität Würzburg flossen 2015 rund 3,7 Millionen Euro an die Macher_innen von journalistischen Formaten. Die wohl größte Stiftung ist „Vor Ort NRW“ der Landesanstalt für Medien in NRW, die vorrangig lokale Medien fördert. Die Stiftung gewährt jedoch nur eine einmalige Förderung.

Ein Gigant unter den Förderern ist die Digital News Initiative (DNI) von Google. 2017 gingen bei ihr 685 Projektanträge aus 29 Ländern ein, gefördert wurden schließlich 102 Projekte mit gut 20 Millionen Euro. Im Vordergrund stehen jedoch innovative Technologien, weniger die Inhalte. Ein gefördertes Projekt aus Finnland etwa ermöglicht die automatische Empfehlung von Themen, ein anderes in Portugal die Identifizierung von Hassparolen.

Über Systeme und Projekte für die Datenrecherche und Texterstellung mit Hilfe künstlicher Intelligenz, die bereits in rund einem Dutzend Ländern Europas im Einsatz seien, berichtete Laurence Dierickx von der Freien Universität Brüssel. So greife in Frankreich etwa Le Monde auf diese Technologie zurück. Anwendungsbereiche seien zunächst aber vor allem Berichte über Sport- und Wahlergebnisse.

Viele Fragen bleiben hingegen noch offen. Inwieweit findet der Anspruch auf Qualitätsjournalismus in den Geschäftsmodellen Beachtung? Auf welche Weise werden sie der beruflichen Ethik gerecht? Ein großes Thema sind schließlich auch die Urheberrechte, wie Mogens Blicher Bjerregård unterstrich. Der EJF-Workshop in Nürnberg war so wohl nur der Auftakt einer Suche nach europäischen Antworten.

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