Knebelverträge für Fotografen

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di rief ihre Mitglieder auf, nicht über die Konzerte von Leonard Cohen und Coldplay im September zu berichten, da die Veranstalter die freie Berichterstattung einschränkten. Einige folgten dem Aufruf.

„Das Management von Cohen schränkt die Bildberichterstattung mit Knebelverträgen ein und hält die auf Akkreditierungen wartenden Textjournalisten unverhältnismäßig lange hin“, sagte dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß. Dies sollten die Medien nicht akzeptieren und auf eine Berichterstattung verzichten oder darin die Öffentlichkeit über die Arbeitsweise der Agentur informieren. Konkret habe das Cohen-Management als „Gegenleistung“ für eine Akkreditierung eine Vorberichterstattung verlangt, sich die Entscheidung über die Akkreditierung jedoch ausdrücklich bis zum letzten Moment vorbehalten. Fotografinnen und Fotografen müssen für eine Akkreditierung zustimmen, ihre Fotos nur ein einziges Mal in einem einzigen, zuvor benannten Medium zu veröffentlichen. Gleichzeitig verlange das Management selber aber eine freie Nutzung der Bilder: „Die Agentur will auf diese Weise offenbar nicht nur Hofberichterstattung produzieren, sondern setzt sich auch über geltendes Urheberrecht hinweg. Diesen Zwängen sollten sich seriös arbeitende Journalistinnen und Journalisten verweigern“, machte Haß deutlich. Knebelverträge gerade in der Fotoberichterstattung über Konzerte seien eher die Regel als die Ausnahme: „Aber allein die Tatsache, dass alle die Arbeit der Fotografinnen und Fotografen behindern und einschränken, legitimiert diese Vorgehensweise natürlich nicht“, stellte Haß klar. Und bereits wenige Tage später legte auch das Konzertmanagement der britischen Pop-Band Coldplay für die drei Mitte September stattgefundenen Konzerte Fotografen ähnliche Knebelverträge vor. Einschränkungen der freien Berichterstattung waren darüber hinaus auch bei Auftritten von Lady Gaga publik geworden.
„Die Presse sollte niemanden mit Bildern und Berichten adeln, der Pressefreiheit und Urheberrechte für ungültig erklärt und Konzerthallen zu rechtsfreien Räumen machen will.“ sagte Cornelia Haß. Das sah auch der Norddeutsche Rundfunk so. Er verzichtete in seinem Online-Veranstaltungsbericht auf Fotos vom Konzert von Coldplay, das am 22. September in Hannover stattfand. Damit protestierte der Sender dagegen, dass die Band von Pressefotografen verlangt habe, „ einen inakzeptablen Vertrag zu unterschreiben“(heise). Und auch auf der Website http://mrknister.bplaced.net/wordpress/2012/09/ verzichtete man auf Konzertbilder von Coldplay und folgte so dem Boykottaufruf der dju.


Mithilfe und Hilfe

Die dju sammelt einschlägige Verträge und berät ihre Mitglieder, wie sie sich dagegen wehren können:
dju-info@verdi.de und http://dju.verdi.de/-/XVr

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