Nach wie vor Bestseller

Mediengestalter*innen in der Ausbildung Foto: Dr. Buhmann Schule & Akademie Hannover

Ausbildung zur Mediengestalter*in betrieblich sehr unterschiedlich

Ob Werbeagenturen und Druckbetriebe, Supermarktketten, Reiseveranstalter oder Autohersteller: Immer mehr Betriebe bieten eine Ausbildung zu Mediengestalter*innen Digital und Print an. Generell gilt, dass dieser Beruf bei jungen Menschen sehr gefragt ist. »Nach wie vor ist es ein Erfolgsberuf«, sagt Anette Jacob vom Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien (ZFA). Aktuell steht eine Neuordnung der Ausbildung an. Voraussichtlich zum 1. August 2023 tritt die neue Ausbildungsordnung in Kraft. Grund dafür ist, dass die Fachrichtungen sehr ungleich verteilt sind.

Im dritten Ausbildungsjahr spezialisieren sich die Azubis: Über 90 Prozent wählen »Gestaltung und Technik«, acht Prozent »Konzeption und Visualisierung« und nur zwei Prozent »Beratung und Planung«. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist deshalb – gemeinsam mit Expert*innen aus der Praxis und der Berufsbildungspolitik – zu dem Ergebnis gekommen, dass die Fachrichtungen neu ausgerichtet werden sollen. Im Gespräch sind künftig vier Fachrichtungen. Aber das ist noch nicht entschieden.

Bei der Wahl spielen weniger die Interessen der Azubis eine Rolle. »In erster Linie geht es darum, was die Betriebe brauchen«, betont Heike Krämer vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Die große Nachfrage nach »Gestaltung und Technik« macht deutlich, dass es vor allem großen Bedarf an Fachkräften gibt, die sich um die technische Umsetzung von Inhalten kümmern. Sprich: Printprodukte wie Kataloge und Broschüren erstellen oder Inhalte auf Websites, Onlineshops und Social-Media-Kanälen aktualisieren. Zwar zeigten Unternehmen auch Interesse an der Fachrichtung »Beratung und Planung« mit stärkerer kaufmännischer Ausrichtung, sagt Krämer. Doch bisher bilden nur wenige aus.

Generell gilt, dass die Bedingungen der Ausbildung »sehr, sehr unterschiedlich« seien, je nach Branche und Betrieb. Wo es besser und wo es schlechter läuft, weiß Constanze Lindemann von ver.di. Die Gewerkschafterin berät Schüler*innen am Oberstufenzentrum Mediengestaltung und Medientechnologie Ernst Litfaß in Berlin und beobachtet, dass es vor allem Azubis in Kleinbetrieben manchmal schwer haben. Mitunter sitzt dort eine Mediengestalterin allein mit ihrem Chef und einer Sekretärin. »Da stellt sich die Frage nach der Qualität der Ausbildung«, sagt Lindemann. Hinzu kommt: »In kleinen Betrieben ist Gewerkschaft oft ein Fremdwort und einen Betriebsrat gibt es auch nicht.«

Zum Glück schreibt das Berufsbildungsgesetz jetzt einen Mindestlohn von 550 Euro im ersten Ausbildungsjahr vor. »Dadurch hat sich etwas verbessert, ganz klar.« Allerdings stehe die Vergütung in keinem Verhältnis zu der in tarifgebundenen Unternehmen, sagt die Gewerkschafterin. In der Druckbranche beginnen Azubis mit 976 Euro pro Monat, hinzu kommen 30 Urlaubstage plus eine 35-Stunden-Woche. Ein weiterer Vorteil: In diesen Betrieben stünden bei Problemen kompetente Ansprechpersonen bereit, wie Betriebsräte oder Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV).

Doch auch bei den Inhalten gibt es große Unterschiede: Während die einen Auszubildenden nicht mehr dürfen, als Fotos in Katalogen und Onlineshops auszutauschen oder T-Shirts zu bedrucken, entwerfen andere ganze Marketingkonzepte. Für die Zufriedenheit mit der Ausbildung ist nach Ansicht von Heike Krämer wichtig, dass die Azubis vorher ein Praktikum machen. Der Titel »Mediengestalter*in« wecke mitunter falsche Erwartungen, sagt die Expertin vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Viele junge Menschen reize die Vorstellung, kreativ gestalten zu können. Dabei handelt es sich um einen technischen Beruf. Natürlich könnten die Azubis auch mal ein Logo gestalten oder eine Broschüre layouten. »Es gibt einen kreativen Anteil, keine Frage.« Doch in erster Linie setzten Mediengestalter*innen die Wünsche von Werbekund*innen oder Grafikdesigner*innen um. Die meisten Azubis seien jedoch gut informiert, sagt die Berufsfachfrau. Die Quote der Abbrecher*innen sei gegenüber anderen Berufen relativ gering, die Zufriedenheit mit der Ausbildung recht hoch.

 

 

 

 

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