Sparen bei den Freien: Überbrückungsgeld und Ich-AG „ersetzt“

Mit derselben Nacht- und Nebenaktion, mit der er die freiwillige Arbeitslosenversicherung für langjährig Selbstständige kippte (siehe Seite 3), hat der Bundestag am 1. Juni auch die Regeln für den neuen Gründungszuschuss beschlossen.

Er soll voraussichtlich ab 1. August die bisherigen Instrumente ersetzen, mit denen die Arbeitsagenturen Existenzgründungen aus Arbeitslosigkeit fördern. Der neue Zuschuss soll vor allem jährlich 1,5 Millionen Euro einsparen – fast die Hälfte der Gelder, die bisher für Überbrückungsgeld und Existenzgründungszuschuss ausgegeben wurden.
Die wesentlichen Unterschiede zu den bisherigen Förderinstrumenten sind: Es gibt pro Monat weniger Geld als beim Überbrückungsgeld (dafür länger), aber meist mehr als bei der Ich-AG (dafür kürzer). Voraussetzung für eine Förderung ist, dass man noch mindestens drei Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld hat. Dieser „Restanspruch“ wird während der Förderung aufgebraucht: Für jeden Tag Gründungszuschuss gibt es einen Tag Arbeitslosengeld weniger. Das ist die gravierendste Verschlechterung: Wer am Ende scheitert, wird so gleich zu Hartz IV durchgereicht. Außerdem müssen Gründerinnen künftig ihre „unternehmerische Eignung“ nachweisen und haben Anspruch auf den Zuschuss auch, wenn sie vorher schon nebenberuflich selbstständig tätig waren. Eine Rentenversicherungspflicht wie bei der Ich-AG gibt es nicht.“
Ob der Gründungszuschuss günstiger oder ungünstiger ist als die bisherigen Förderung, lässt sich nur im Einzelfall ermitteln. Wer glaubt, mit einem der alten Instrumente besser zu fahren, muss sich beeilen: Eine Ich-AG nach altem Recht kann nur noch für Gründungen vor dem 1. Juli 2006 beantragt werden, Überbrückungsgeld nach altem Recht nur noch für Gründungen vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes. Wer keine drei Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld mehr hat, kann Überbrückungsgeld nach altem Recht ausnahmsweise noch drei Monate länger beantragen. Maßgeblich ist jeweils der Tag der Gewerbeanmeldung bzw. der Meldung der freiberuflichen Tätigkeit beim Finanzamt. Alle Details im www.mediafon-ratgeber.de unter Der Start / Starthilfen der Arbeitsagentur.

 
nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Funke-Zeitung nutzt  Tendenzschutz für Kündigung – erfolglos

Die Thüringer Mediengruppe des Funke-Konzerns will eine Redakteurin loswerden, die gegen die publizistischen Leitlinien ihrer Zeitung verstoßen haben soll. Die beanstandeten Artikel zu den Grundrechtseinschränkungen des letzten Winters wurden nun aber in einem Urteil des Arbeitsgerichts Gera am 24. November für in Ordnung befunden und die Kündigungsschutzklage der Journalistin erfolgreich beschieden.
mehr »

ver.di: KSK-Novelle bringt mehr Sicherheit

ver.di hat die vom Deutschen Bundestag beschlossenen Anpassungen im Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) begrüßt, die am 1. Dezember im Rahmen einer umfassenden Novelle des Vierten Buches im Sozialgesetzbuch verabschiedet wurden. Es sei ein wichtiger Schritt zu mehr Fairness, dass über die Künstlersozialkasse versichert bleiben soll, wer im Hauptberuf künstlerisch oder publizistisch tätig ist, heißt es in einer Pressemitteilung.
mehr »

Umfrage: SoloS sollten mehr über Geld reden

7250 Honorardatensätze zeigen: Solo-Selbstständigkeit ist überwiegend „kein faires Geschäftsmodell“. Trotz hoher fachlicher Qualifikation und langjähriger Berufserfahrung würden Kreative nicht leistungsgerecht entlohnt. Zu diesem nicht überraschenden, doch ernüchternden Fazit kam eine Podiumsrunde im Leipziger Haus der Selbstständigen bei der Auswertung einer branchenübergreifenden Honorarumfrage, der sich 54 Gewerkschaften, Berufsverbände und Interessenvertretungen Solo-Selbstständiger anschlossen.
mehr »

Wie Journalismus durch Krisen helfen kann

Klima, Corona, Krieg in der Ukraine – angesichts der vielen Krisen interessiert sich das Medienpublikum immer weniger für Nachrichten, denn diese machen mit ihren Negativschlagzeilen mutlos und zeigen kaum Handlungsoptionen. Der Druck auf Journalist*innen wächst, ihre Berichterstattung stärker auf die Bedürfnisse der Menschen auszurichten. Wie konstruktiver Journalismus dazu beitragen kann, diskutierten Wissenschaftler*innen und Medienpraktiker*innen auf einer Fachtagung von NDR Info und Hamburg Media School.
mehr »