Stoßen Frauen in den Nachrichten an eine „gläserne Decke“?

Innerhalb von 20 Jahren ist die Präsenz von Frauen in den Nachrichten weltweit von 17 auf 24, in Deutschland sogar auf 28 Prozent gestiegen. Doch die von Männern dominierten Strukturen scheinen zählebig zu sein, wie die aktuellen Ergebnisse des Global Media Montoring Projects GMMP 2015 belegen.

Das GMMP ist die einzige weltweite Stichtagsuntersuchung, die seit der Pekinger Weltfrauenkonferenz 1995 alle fünf Jahre die Präsenz von Männern und Frauen in den Hauptnachrichten erhebt – wie häufig sie als Berichtende und als Subjekte der Meldungen vorkommen. Koordiniert von der World Association for Christian Communication WACC beteiligten sich diesmal Aktivistinnen aus 115 Ländern der Erde. Der Stichtag 25. März 2015 war für Deutschland kein typischer Nachrichtentag, weil er dominiert wird vom Absturz der Germanwings-Maschine.

„In den 20 Jahren hat sich nicht so wahnsinnig viel geändert“, resümiert Birgitta M. Schulte vom Journalistinnenbund JB, der in Deutschland die Federführung für die Medienbeobachtung hat.
Das relativ gute Abschneiden der Bundesrepublik sei vor allem durch den Anstieg der Nachrichtenmacherinnen und -präsentatorinnen um rund 15 Prozent zu erklären. Die Zahl der Frauen im TV-Nachrichtenstudio klettert auf 50 Prozent und die der Reporterinnen auf 46 Prozent. Die Printnachrichten bleiben aber mit nur 31 Prozent Reporterinnen eine Männerdomaine.

Doch die höhere Zahl von Journalistinnen führt in Deutschland nicht dazu, dass Frauen auch häufiger Nachrichtensubjekte sind. Schulte: „Frauen berichten zu 60 Prozent über Männer und zu 40 Prozent über Frauen.“ Bei männlichen Berichterstattern sei das Verhältnis mit 61 zu 39 Prozent nahezu identisch. Das liegt an den zählebigen gängigen Nachrichtenwerten, die bei beiden Geschlechtern anscheinend gleichermaßen die Informationsauswahl steuern. So werden eher – vor allem männliche – Prominente (2015: 33 Prozent Frauen) als – hauptsächlich weibliche –Alltagspersonen (2015: 61 Prozent Frauen) thematisiert.

Bei den Nachrichtensubjekten erhöhen 2015 dann auch Politikerinnen die Präsenz von Frauen. Im Zusammenhang mit dem Germanwings-Absturz sind es Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihre Kultusministerin Sylvia Löhrmann, da bei der Flugzeugkatastrophe auch zwei Lehrerinnen und 16 Schüler_innen aus dem nordrhein-westfälischen Haltern ums Leben kamen. In den sprachlich wenig gendersensiblen Meldungen ist zunächst fälschlicherweise von „Lehrern“ die Rede, und die 14 verunglückten Mädchen werden unter die 16 „Schüler“ gefasst.

Die Zahl der Frauen als Nachrichtensubjekte ist in den online-Medien und bei dem erstmals erhobenen Twitter-Dienst leicht höher als in den klassischen Medien, doch qualitativ ändert sich nicht viel. Auch hier treten vor allem Männer in der Experten-Rolle auf. Schulte nennt als Beispiel eine Kurznachricht über die hauptsächlich mit Frauen besetzte Ethik-Kommission für Organtransplantation: „Zitiert wird ein Mann!“

 

www.whomakesthenews.org/gmmp/gmmp-reports
www.journalistinnenbund.de

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