Voller Lerneifer in die Workshops

LiMA: Werkstatt und Arena vielleicht künftig getrennt für mehr Austausch

„Schnittstellen / Interfaces“ hieß das Programm der neunten Linken Medienakademie (LiMA), die vom 21. bis 25. März zum ersten Mal in der Technischen Universität und der Universität der Künste in Berlin stattfand. Rund 1200 Teilnehmer hatten sich für die mehr als 170 angekündigten teils ganztägigen Workshops angemeldet. Die Linke Akademie für Journalismus, Bürgermedien, Öffentlichkeitsarbeit und Medienkompetenz hat also wieder deutlich ihren Lerncharakter präsentiert mit ihrem Kursangebot für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis.

Aufmerksame Zuhörer bei der LiMA Foto: Christian von Polentz
Aufmerksame Zuhörer bei der LiMA
Foto: Christian von Polentz

Dazu standen allerdings parallel noch mehr als 60 Diskussionen und Vorträge auf dem Arena-Programm, auch hier oft mehrere gleichzeitig. Da die Veranstaltungen der fünf Tage auf eine ganze Reihe von Sälen links und rechts der Straße des 17. Juni verteilt waren und sich durch das räumliche Ausfransen kein zentraler Treffpunkt entwickelte, vermissten etliche Teilnehmer und Teilnehmerinnen genau die „Schnittstellen“ die sie sich erhofft hatten – den Austausch mit anderen linken Medienmacherinnen und -machern. Der Erfolg der LiMA, die in nur wenigen Jahren zu einem erstaunlich großen Kongress gewachsen ist, zwingt ihre ehrenamtlichen Veranstalter nun zu Einschnitten. Das Problem ist erkannt, sagt der LiMA-Organisator Christoph Nitz. Erste Überlegungen: Im kommenden Jahr sollte man alle Veranstaltungen möglichst um den zentralen Lichthof der TU, dessen ASTA zu den Mitveranstaltern gehört, gruppieren. Außerdem könnten Werkstatt- und Arenateil der Medienakademie zeitlich getrennt werden, damit auch die Workshopbesucher Gelegenheit zum Besuch der Vorträge und Diskussionen haben.
Bei den Workshops sind nach wie vor die Grundlagenkurse zum Gestalten eigener Publikationen mit freier Software besonders beliebt, ebenso Layout und Fotografie, aber auch die Kurse zur PR/Öffentlichkeitsarbeit. Dies soll im kommenden Jahr weiter ausgebaut und der Weiterbildungscharakter der LiMA noch verstärkt werden, betont Nitz.

Ulrike Maercks-Franzen und Renate Angstmann-Koch berichten über den Redakteursstreik 2011

Foto: Ch. v. Polentz / transitfoto.de

Das Arena-Programm hatte jeden Tag eine andere Überschrift: von Rassismus, Campus-Tag, Union Camp über LiMA-Digital bis zur Schnittstelle Kultur (siehe Kasten), was aber keinen Ausschließlichkeitsanspruch hatte. Das Unions Camp stand unter dem Begriff der „Renaissance der Solidarität“. Da die gewerkschaftliche Solidarität gerade in einigen Bereichen von ver.di ganz praktisch gefordert war, übernahm Frank Werneke, Fachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie, das Eingangsreferat vom ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske. Werneke konstatierte, dass mit der Notwendigkeit auch das Bedürfnis zur Solidarität (wieder) wachse. Lange sei die Freiheit der Individuen mit der Freiheit der Märkte verwechselt worden. Zunehmende Prekarisierung und die Aufspaltung in Kern- und Randbelegschaften durch Leiharbeit hatten solidarisches Handeln erschwert. Die Erfahrungen aus Deregulierung und Finanzkrise verknüpften die Arbeitnehmer jedoch über Ländergrenzen hinweg, worauf die Gewerkschaften besondere Aufmerksamkeit legen müssen, unterstrich Werneke.
Ein Beispiel für solidarisches Handeln in der Medienwelt lieferte die Veranstaltung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union dju in ver.di (Renate Angstmann-Koch, Corina Lass, Ulrike Maercks-Franzen) über den jüngsten Journalistenstreik, der sich über Monate hinzog. „Nach uns die Sintflut?! Von Wegen!“ lautete der Titel, denn die Streiks galten ganz wesentlich den zukünftigen Redakteurinnen und Redakteuren, deren Einstiegsgehälter nach dem Verlegerwillen um 25 Prozent sinken sollten.
Die taz-Panterstiftung beschäftigte sich mit der Frage „Was ist guter Boulevard?“ und hatte neben Arno Makowskiy von der Münchner Abendzeitung mit Tanit Koch von Bild einen Lieblingsgegner linker Medienmacher aufs Podium gebeten. taz-Redakteur Deniz Yücel, der mit seiner Kritik an Joachim Gauck Aufsehen erregt hatte, fand allerdings Verbindendes zwischen beiden Blättern: Zuspitzung und „eine politische Haltung“.
Die Erhaltung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als Teil einer Bewegung der „Rückgewinnung des öffentlichen Raums“ von der Kultur über die Energiepolitik bis hin zu den Banken forderte ZDF-Fernsehrat Dietmar Bartsch von den Linken. Über das Bild Behinderter in den Medien diskutierte Renate Angstmann-Koch unter anderem mit dem Schauspieler Peter Radtke, der provozierend fragte, wie weit Behinderte ihr Klischee auch selbst prägten. Breit gefächert war auch das Themenangebot am „digitalen“ Samstag. Es reichte von „braunen Flecken im Bioland“ zur medialen Präsenz eines durch darwinistische Vorstellungen geprägten „Öko-Rechtsextremismus“ in Mecklenburg-Vorpommern bis zur gerade durch die Piratenpartei viel diskutierte „Liquid Democracy“, deren im Jahr 2000 entstandenen Begriff taz-Redakteur Klaus Wolschner vorstellte. Die „Liquid Society“, von Wolschner auch Informationsgesellschaft genannt, ziele darauf, in die repräsentative Demokratie durch digitale Umfragen mehr direkte Elemente in eine künftige „kooperative Demokratie“ einzubringen.
Wie groß und mit welchen Themen sich die zehnte LiMA im März 2013 präsentieren wird, soll durch eine frühere Planung schneller feststehen als in diesem Jahr, wo noch fünf Tage vor Beginn Referenten gesucht wurden. Eines will Christoph Nitz allerdings nicht: „Es soll nicht zu professionell sein, kein neoliberaler Kongress werden.“ Und wie Renate Angstmann-Koch im Interview mit „M“ (1/2012) erklärte: „Ein bisschen Chaos gehört zur LiMA.“

 

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