Weltweite Initiative soll Vertrauen fördern

Ein weltumspannendes Problem: Die Integrität von Medien und Nachrichtenkompetenz
Foto: fotolia/Thomas

„Nachrichtenkompetenz geht uns alle an“ ist das Schlagwort. Wenn Staatschefs missliebige Realitäten durch alternative Fakten zu ersetzen suchen, wenn eine lautstarke Minderheit den „Mainstream-Medien“ jede Glaubwürdigkeit abspricht, damit Nutzer_innen verunsichert und Journalist_innen zu Zielscheiben macht, dann ist es Zeit für eine weltumspannende Bewegung: die News Integrity Initiative (NII).

Ihr Zentrum hat diese Initiative aus bisher 19 Hochschul- und Kommunikationsinstituten von den USA bis Hongkong und von Dänemark bis Australien an der New Yorker Columbia University in ihrer Graduate School of Journalismus bei dem renommierten Journalistikprofessor Jeff Jarvis. In Deutschland sind die Hamburg Media School und das Hans-Bredow-Institut in Hamburg eingebunden. Bei Spendern wie Facebook, dem Craig Newmark Philanthropic Fund, der Ford Foundation, dem Democracy Fund, Mozilla und Betaworks hat diese Initiative 14 Millionen Dollar eingesammelt, um die Nachrichtenkompetenz der Mediennutzer_innen zu stärken, das Vertrauen in den Journalismus zu fördern und die Informationsgrundlage für öffentliche Debatten zu stärken.

Die Hamburg Media School untersucht in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Gruppe die Formen, Ursachen und Folgen verzerrter Berichterstattung, erklärt Professor Dr. Armin Rott, der wissenschaftliche Leiter der HMS, über den auch der Kontakt zur NII läuft. Von Facebook mit seinem Journalism Project auf diese Kooperationsmöglichkeit aufmerksam gemacht, waren auch die bereits bestehenden Kontakte zu Jarvis hilfreich. „Wir freuen uns sehr, von Beginn an bei der Initiative dabei zu sein und in Zusammenarbeit mit anderen renommierten Partnerinstitutionen das gesellschaftlich hoch relevante Thema der Zukunft des digitalen Nachrichtenjournalismus wissenschaftlich zu begleiten“, unterstreicht Rott.

„Ausschlaggebend für unsere Teilnahme war, dass wir Anträge für Forschungsprojekte stellen können, die wir im Rahmen unserer auch von der DFG-geförderten Media-Bias-Forschungsgruppe ohnehin planen“, so Rott gegenüber M. „Ebenfalls von Bedeutung war die Aussicht darauf, dass wir gegebenenfalls mit Originaldaten von Facebook das Problem verzerrter Berichterstattung (im Extremfall ‚Fake News’) wissenschaftlich besser verstehen lernen.“

Das Hans-Bredow-Institut in Hamburg ist ebenfalls von der weltweit nach Partnern suchenden Initiative angesprochen worden. „Es gibt verschiedene Gründe, weshalb wir uns entschieden haben, an der Initiative mitzuwirken. Zum einen passt diese zu unserem Forschungsprofil“, begründet Professor Dr. Uwe Hasebrink die Teilnahme. „Zu den Schwerpunkten des Hans-Bredow-Instituts gehört die Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich die Gesellschaft unter veränderten Medienbedingungen informiert.“

Dafür stünden auch die eigenen Beteiligungen am „Reuters Institute Digital News Survey“, einer jährlichen vergleichenden Untersuchung zur Nachrichtennutzung, die Erforschung der Rolle von Social Media und von Medien wie Twitter und Facebook als Informationsübermittler bei der Meinungsbildung oder auch die Koordination des Forschungsnetzwerks „EU Kids Online“. „Für das Hans-Bredow-Institut ist die Beteiligung an dieser Initiative eine weitere Möglichkeit, die Befunde seiner Forschung auf internationaler Ebene in den Austausch mit Medienunternehmen, Journalismus und Zivilgesellschaft einzubringen, und damit dazu beizutragen, dass die gesellschaftliche Selbstverständigung und Meinungsbildung auf möglichst informierter Grundlage erfolgt“, erklärte Hasebrink gegenüber M.

Zum anderen sei auch die Verunsicherung groß, wie die informationsbezogenen Grundlagen von öffentlicher Meinungsbildung und Demokratie gesichert werden könnten, so Hasebrink. „Die darauf bezogenen Schlagwörter wie ‚Fake News’ und ‚Filterblasen’ haben eines gemeinsam: Es liegen nur wenige belastbare empirische Befunde vor, die die damit verbundenen Annahmen stützen.“

„Keine tiefgreifenden Auswirkungen“ auf das Forschungsprogramm erwartet Hasebrink durch die NII für sein Institut. Er hofft aber darauf, „dass die globale Dimension der Thematik wahr- und ernstgenommen wird“. Denn: „Nach unserem Verständnis sollten sich diese Aktivitäten sowohl an den Journalismus als auch an Mediennutzerinnen und -nutzer sowie an weitere Gruppen, etwa Lehrkräfte, richten. Nachrichtenkompetenz geht alle an.“

Armin Rott von der Hamburg Media School sieht ebenfalls „keine Auswirkungen“ auf die Lehre. Doch für den Austausch von Lehrenden und/oder Studierenden im Rahmen der Initiative könnte es sein, „dass sich im Zuge eines Forschungsprojekts eine Zusammenarbeit ergibt.“ Rott, der auch Medienökonomie an der Hamburger Uni lehrt, weist aber auf das Anfangsstadium der „News Integrity Initiative“ hin: „Bislang sind weder die Vergabekriterien noch Umfang und Art der Unterstützung für die teilnehmenden Partner spezifiziert – geschweige denn, das Geld geflossen wäre.“

 

 

 

 

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