Wenn abstrakte Ideen konkret werden

Foto: Ostfalia Hochschule

Designer*innen „machen die Welt zu einem schöneren Ort“, heißt es blumig bei der Rheinischen Fachhochschule Köln. „Design heißt, Lösungen für Probleme zu entwickeln“, sagt Professor Klaus Neuburg vom Mediendesign-Studiengang der Ostfalia-Hochschule ganz rational. Und ein Problem hatten seine Studierenden bei der Planung der Jahresausstellung:  Statt die Werke wie üblich in der Hochschule zeigen zu können, wanderte pandemiebedingt alles in eine selbstentwickelte 3-D-Ausstellung mit dem Titel „Prototyp“.

Ein wichtiges Werkzeug beim Problemlösen sei der Prototyp, erklärt Neuburg die Namenswahl: „als eine schnelle erste Version eines Konzepts“. „Abstrakte Ideen werden dadurch konkret, können evaluiert und schon im nächsten Schritt weiterentwickelt werden.“ Evaluieren können die zum Prototyp gewordenen Ideen seit dem 12. Februar bis zum 19. März 2021 nun viele, möglicherweise viel mehr als bei den bisher zehn Ausstellungen auf dem Campus Salzgitter: Interessierte, Praktikumsanbietende oder künftige Auftrag- und Arbeitgeber*innen. Zu sehen sind rund 30 Projekte von Erstsemester- bis zu Masterarbeiten, aus Film und Video, Animation, interaktiven Medien und Print, die von einer Jury und dem Publikum bewertet werden.

Im Studiengang Mediendesign in Salzgitter, im nördlichen Harzvorland, können sich junge Leute direkt vom Abitur kommend bewerben, ein Vorpraktikum ist nicht nötig. Die Beratungen für die Bewerbungsmappen sind zurzeit nur digital möglich. Das Studium ist breit aufgestellt, was für die studentischen Mitorganisatorinnen der Jahresausstellung, Frederike Schulte und Pauline Seidlich, neben der Nähe zum Heimatort der Grund für die Wahl war.

Im Bachelorjahrgang werden rund 40 Studierende aufgenommen, bei besonders guten Bewerbungen kann die Zahl schon mal wachsen, berichtet Dr. Heike Hümme vom Ostfalia-Studiengang. Neu ist das Master-Studium seit diesem Jahr, das theoretisches Wissen vertiefen und auf Führungsaufgaben etwa als „Art Director“ vorbereiten soll.

Wer sich auf Plattformen zur Suche nach Studiengängen unter dem Stickwort „Mediendesign“ tummelt, wird ganz unterschiedliche Angaben finden: Bei „Studycheck“ werden 28 Studiengänge an 19 Hochschulen aufgezählt,  „Medienstudienführer“ gibt 54 Studiengänge an, „Medien-Studieren“ verzeichnet für den Bachelor 68 Studiengänge, und „Studieren-Studium“ nennt  129 Treffer für „Bachelor Mediendesign“ in Deutschland.

Während man in Salzgitter auf ein breites Fundament in der Ausbildung Wert legt und damit auch eine Orientierung in der Vielfalt während des Studiums ermöglicht, bieten andere Studienorte Spezialisierung. Wer sich bei der Hochschule Darmstadt auf ihrem Campus in Dieburg umschaut, findet dort beispielsweise die deutschsprachigen Studiengänge „Kommunikationsdesign“ und „Interactive Media Design“ oder die englischsprachigen Bachelorgänge „Animation and Game“ und „Expanded Realities“ für virtuelle Welten.

Eine andere Perspektive hat der Studiengang „Nachhaltiges Design“ der privaten „ecosign/Akademie für Gestaltung“ in Köln. Hier sollen junge Menschen ausgebildet werden, die „sinnvoll und ästhetisch gestalten, indem sie Design in einen interdisziplinären Kontext mit den ökologischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Herausforderungen unserer globalisierten Welt stellen“. Der Bachelor dauert acht Semester und kostet 4110 Euro pro Semester, der zweisemestrige Master je Semester 3900 Euro.

Ein duales Studium Mediendesign ist möglich an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg. Zu den Ausbildungsfirmen gehören hier neben vielen Werbeagenturen und Werbeabteilungen in Unternehmen auch Sender wie der Bayerische Rundfunk oder das ZDF.

Als Arbeitgeber der bisherigen Absolvent*innen in Salzgitter nennt Heike Hümme vom Ostfalia-Studiengang überwiegend klassische und spezialisierte Werbeagenturen, Verlage oder Werbeabteilungen in Firmen. Aufträge oder Arbeitsplätze winken für Mediendesigner*innen aber auch in der Film- und Fernsehbranche, bei Messefirmen, im Edutainment oder in der Noch-Männerdomäne Spieleentwicklung.

Für junge Leute mit Interesse an Mediendesign ist ein Studium nicht die einzige Möglichkeit: Neben dem dualen Ausbildungsberuf „Mediengestalter*in Bild und Ton“ gibt es die Ausbildung „Mediengestalter*in Digital/Print“ in drei Varianten, in der Mediendesign eine starke Rolle spielt. Gerade die in der Statistik als „Querschnittsberufe“ gezählten Ausbildungen wie „Mediengestalter*in“ ziehen verstärkt Abiturient*innen an, auch Absolvent*innen finden sich unter den Auszubildenden. Bis zu 60 Prozent der Azubis haben in diesem Bereich die Hochschulreife.

Staatliche oder private Fachschulen können ebenfalls den Einstieg ins Mediendesign bieten. Mit der Frage „‘Kreativität‘ ist dein zweiter Vorname und deine Freude am Gestalten grenzenlos?“ wendet sich „bib – International College“ an Realschüler*innen. Der Träger, das Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe e. V., bietet in Bergisch Gladbach und Paderborn Mediendesign-Ausbildungen für 445 Euro im Monat an, die zur Fachhochschulreife und über einen kostenpflichtigen Aufbaukurs bis zum Studium in Dublin, Southampton oder St.Pölten führen können.

Mediendesign ist also das sprichwörtliche „weite Feld“. Aber auf welchem Weg auch immer sie zum Ziel gekommen sind, einen Vorteil gegenüber vielen anderen Berufstätigen haben Mediendesigner*innen in der gegenwärtigen Situation auf jeden Fall: Die von ihnen geschaffenen virtuellen Welten trotzen jedem pandemiebedingten Lockdown, so wie die Jahresausstellung „Prototyp“ der Studierenden an der Ostfalia-Hochschule in Salzgitter.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Big Tech verändert TV und Streaming

Bei den Video-Streaming-Plattformen verteidigte YouTube im Jahr 2025 erfolgreich seine Führungsposition und erreicht 72 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Die öffentlich-rechtlichen Streaming-Netzwerke von ARD, ZDF, Arte und 3sat kommen auf über 60 Prozent, dicht gefolgt von Netflix und Amazon Prime Video. Doch auch die Sender des ÖRR nutzen YouTube als Ausspielweg ihrer Inhalte. 
mehr »

Smartphones endlich sicherer machen

Als Journalist*innen sind wir verpflichtet, unsere Quellen zu schützen. Wir treffen sie an vertraulichen Orten, anonymisieren Namen, schreddern Unterlagen. Aber was ist mit unseren Smartphones? Während niemand die eigene Haus- oder Bürotür über Nacht offenstehen lassen würde, öffnen wir digital oft ungewollt Tür und Tor zu den sensibelsten Bereichen: Acht Tipps für Datensicherheit bei Smartphones
mehr »

Trauer um Franz Kotteder

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di trauert um Franz Kotteder. „Kotti" oder „der Franz", wie ihn Freunde und Kollegen wahlweise nannten, starb am 30. Dezember nach schwerer Krankheit viel zu früh im Alter von 62 Jahren. Seine Kolleginnen und Kollegen in der dju und im Süddeutschen Verlag verlieren mit Franz einen ebenso engagierten wie geistreichen, humorvollen und liebenswürdigen Streiter für Pressefreiheit, Qualitätsjournalismus und vor allem für die Interessen von Journalistinnen und Journalisten sowie aller Beschäftigten in der Zeitungsbranche.
mehr »

Guatemala: Eine ernüchternde Bilanz

Knapp zwei Jahre ist Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo im Amt und erklärtes Ziel seiner Regierung ist es einen Schutzmechanismus für Journalist*innen einzuführen. Doch das innovative Projekt kommt nicht vom Fleck, moniert die Medienanalystin Silvia Trujillo gemeinsam mit zahlreichen bekannten Berichterstatter*innen. Dafür machen sie nicht nur den omnipräsenten „Pakt der Korrupten“ verantwortlich, sondern auch das Zögern der Regierung. Die verharre im Stand-By.
mehr »