„Der Wissensgourmet – So wählen Sie Informationen richtig aus!“

Der berufliche Alltag von Journalisten ist wie der vieler anderer Professionen von einem nahezu unbegrenzten Angebot an Informationen geprägt. Das Internet hat diesen Trend nicht erzeugt, aber drastisch zugespitzt. Viele Medienarbeiter, aber auch Lehrer oder Studenten, fühlen sich überfordert. Wie sollen sie die wachsenden Berge von Mails, Infolettern oder Fachbüchern bewältigen?

„Werden Sie Wissensgourmet und nehmen Sie nicht länger mit Junkfood-­Informationen vorlieb“, verspricht Brigitta Ernst in ihrem Ratgeber: „Seien Sie wählerisch!“ Die Autorin, Redakteurin bei einer bayerischen Tageszeitung, präsentiert praxisorientierte Organisationsstrategien, um im angehäuften Datenmüll „genau die hochwertigen Informationen zu finden, die Sie brauchen“. Sie erläutert zunächst die Funktionsweise der „zentralen Schaltstelle“, des menschlichen Gehirns. Sie lässt den Leser sich selbst tes­ten, ob er eher durch Bewegung, durch Hören, durch Sehen oder durch Gespräche Informationen aufnimmt. Sie gibt Tipps, „wie man zum Schnellleser wird“, beschreibt Speichertechniken wie Mind-Mapping.
Schließlich folgen Hinweise, die Büroarbeit entspannender und effektiver zu gestalten. Ausführlich widmet sich die Verfasserin dabei dem Umgang mit der elektronischen Post. Ratschläge wie „Lassen Sie nicht zu, dass Ihr E-Mail-Eingang die Kontrolle über Ihren Tagesablauf bekommt“ klingen banal. Im Detail aber dürften sich viele Leser in den geschilderten Situationen wiederfinden. Und Maximen wie die Mails nur zu bestimmten Zeiten zu bearbeiten und sich durch neue Nachrichten auf keinen Fall in zentralen Arbeitsabläufen stören zu lassen, sind wichtige Alltagsregeln.
Vieles an diesem Buch ist nicht wirklich neu, es liefert aber einen guten Überblick über mögliche Strategien gegen die Informationsflut. Die Autorin, die neben ihrer journalistischen Tätigkeit auch Seminare und Fortbildungen zum Thema anbietet, hat ihr eigenes Werk so strukturiert, dass man es zügig lesen und Interessantes wie aus einem Büfett auswählen kann. Offen bleibt die grundsätzliche Frage, ob es überhaupt immer sinnvoll ist, Vieles schnell zu lesen – oder doch lieber Ausgewähltes gründlich?

 

Brigitta E. Ernst:
Der Wissengourmet – So wählen Sie Informationen richtig aus!
Cognitum Wirtschaftsverlag, Heidenheim 2006.
ISBN 3-939780-00-6,
220 Seiten, 29,90 Euro

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Buchtipp: Erdoğans Aufstieg

Auf dem Buchdeckel blickt einem Recep Tayyip Erdoğan entgegen, wie man ihn aus den Nachrichten kennt, mit ernstem Blick, Krawatte und Anzug. Dreht man das Buch aber um, ist Erdoğan im Gewand eines Sultans zu sehen. Der Comic vertritt entschieden die These, dass Erdoğan nicht etwa ein moderner islamischer Demokrat war, der sich – aus welchen Gründen auch immer – in einen Despoten verwandelt hat. Sondern dass die Fassade des pro-westlichen Anzugträgers von Beginn an nur einem einzigen Zweck diente: sich die größtmögliche Macht zu sichern.
mehr »

Buchtipp: Vielfalt durch Non-Profit-Projekte

Unabhängige Mediengründungen, die sich am Gemeinwohl orientieren, füllen Lücken in der Lokalberichterstattung, bei der investigativen Recherche und im Wissenschaftsjournalismus – Lücken, die kommerzielle Medien und öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Krise hinterlassen. Thomas Schnedler vom Netzwerk Recherche leuchtet in seinem Report „Pioniere im gemeinnützigen Journalismus“ aus, wie innovativ diese Medienprojekte arbeiten und vor welchen Hürden sie stehen.
mehr »

Buchtipp: Neuauflage „Der Aufmacher“

Zum runden Geburtstag von Günter Wallraff veröffentlicht der Verlag Kiepenheuer & Witsch eine Neuauflage des „Bild“-Klassikers „Der Aufmacher“. Das Buch entpuppt sich als überraschend aktuell, zumal die Lektüre „Bild“ als Urmutter jenes Populismus’ entlarvt, der bis heute den rechten Rand dieser Gesellschaft befeuert. Die Mechanismen des Marktes sind ohnehin die gleichen geblieben: Die Digitalisierung hat diese Art von „Journalismus“ nicht verändert, er ist bloß noch überdrehter geworden.
mehr »

Einiges läuft schief in der ARD

Nicht nur in der RBB-Krise, auch in der Tarifpolitik lassen die ARD-Intendant*innen einen Schulterschluss mit den Beschäftigten vermissen. Es mangelt am Verständnis der ARD-Intendant*innen für die aufgestauten Probleme. Der Kosten- und Arbeitsdruck steigt in allen Bereichen der ARD-Anstalten enorm. Die Erwartungen multiplizieren sich mit den digitalen Ausspielwegen. Doch es nagt an den Beschäftigten: Die zurecht erwarteten Qualitätsansprüche ans Programm sind mit den realen Arbeitsbedingungen schwer vereinbar.
mehr »