Medienrecht – Praxishandbuch

Eine unentbehrliche Hilfe mit großem Quellenbezug

Gesellschaftliche Wirklichkeit ist in zunehmender und vielfältiger Weise von medialen Prozessen und Medienprodukten durchdrungen und bestimmt. Mehr noch, Medien produzieren selbst eine spezifische, wenngleich auch häufig nur virtuelle Realität. Daraus ergeben sich auch viele neue rechtliche Fragen und praktische Rechtsprobleme.

Die 31 Autoren – zwei Drittel davon Rechtsanwälte – des von Wandtke, Lehrstuhlinhaber für Urheberrecht an der Berliner Humboldt-Universität, herausgegebenen Praxishandbuchs Medienrecht, legen eine Publikation vor, die sich auf hohem theoretischen Niveau, aber durchaus praxisorientiert mit Sicherheit bei der Gestaltung der rechtlichen Verhältnisse in der Medienpraxis bewähren wird. Wandtke behandelt im 1. Kapitel „Medien im technologischen Zeitalter“ die medienrechtlichen Grundprobleme in ihrem Zusammenhang mit der Entwicklung der geistigen Produktions- und Reproduktionsprozesse innerhalb einer auf Gewinn orientierten marktwirtschaftlichen Ordnung, in der zugleich aber auch die Verwirklichung des Rechts auf kommunikative Selbstbestimmung gesichert werden muss. Dabei bildet die Bezeichnung Medienrecht, die in den letzten zwanzig Jahren auf vielfältige Weise verwendet wurde, einen Oberbegriff. So gelingt es den Autoren, die Bereiche der Wirklichkeit, in denen Medien, Medienprozesse und Medienprodukte eine Rolle spielen unter dem Gesichtspunkt ihrer rechtlichen Gestaltungs- und Regelungserfordernisse zu betrachten und dabei Gemeinsamkeiten und Differenziertheit erkennbar zu machen.

In den dem Einführungsteil folgenden sechs weiteren Teilen (Schutzvoraussetzungen und Verwertung von Medienprodukten, Wettbewerbsrecht und Werberecht, Rundfunkrecht und Presserecht, Telekommunikation und Telemedien, Schutz der Persönlichkeit sowie Schutzrahmen von Medien) mit insgesamt 28 Kapiteln ist die Bearbeitung der medienrechtlichen Problematik auch von der bisherigen inhaltlichen und systematischen Behandlung der konkreten Sachfragen und ihrer theoretischen Durchdringung bestimmt. Kapitel wie beispielsweise Urheberrecht, Filmrecht, Musikrecht und Verlagsrecht weisen dabei einen anderen Stellenwert und eine andere Bearbeitungsmethodik auf als etwa Jugendmedienschutz und Medienstrafrecht; Rundfunkrecht und Presserecht können auf weit entwickeltere Erfahrungen und Quellen verweisen als etwa das IT-Sicherungsrecht. Für die Nutzung des Praxishandbuchs Medienrecht ist von großer Bedeutung, dass Herausgeber und Autoren alle wesentlichen Bereiche der Wirklichkeit behandeln, die medienrechtlich relevant sind. Jenen, die mit der praktischen Lösung medienrechtlicher Probleme befasst sind, wird es in den verschiedenen Realitätsbereichen eine unentbehrliche Hilfe sein. Zugleich wird es auch die weitere theoretische Diskussion produktiv beeinflussen. Von besonderem Wert ist der sorgfältige und umfangreiche Quellenbezug, sowohl die Literatur als auch die Rechtsprechung betreffend. Besonders nützlich ist auch die jedem Kapitel vorangestellte umfassende Literaturübersicht.

Rechtsanwalt Prof. Dr. Jürgen Marten, Berlin 

Artur-Axel Wandtke (Hrsg.)
Medienrecht – Praxishandbuch,

De Gruyter Recht
Berlin 2008
gebunden
1932 Seiten
Euro 158,–
ISBN
978-3-89949-422-8

nach oben

weiterlesen

Buchtipp: Social Media fördern Brandstifter

Die knallorange Warnfarbe des Buchcovers signalisiert, dass es um etwas Bedrohliches geht: die Demokratie ist in Gefahr, weil Soziale Medien Rechtsextremismus befördern. Konfliktforscher Maik Fielitz und Sozialwissenschaftler Holger Marcks analysieren, wie Rechtsextreme die Funktionsmechanismen digitaler Plattformen nutzen, um ihre faschistischen Bedrohungsmythen zu verbreiten. Sie loten Möglichkeiten zur Rettung des demokratischen Diskurses aus, etwa durch Regulierung der Techunternehmen.
mehr »

Engagierter Gewerkschafter und Philosoph

Dieter Brumm, geboren 1929 in Wentorf als Sohn einer bayerischen Beamtentochter und eines Hamburger Kaufmanns, ist am 21. August 2020 nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. 
mehr »

Wortbruch bei Verhandlungen

Bei der Deutschen Welle (DW) stehen die Zeichen nach gescheiterten Tarifverhandlungen auf Sturm. Anfang September prangerten insgesamt 140 Beschäftigte der DW in Berlin und Bonn jeweils in einer aktiven Mittagspause den „Wortbruch“ der Geschäftsleitung an.
mehr »

Ein Juwel in ver.di

Das denkmalgeschützte Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit in der Berliner Dudenstraße ist schon für sich ein Hingucker. Hinter den großen Frontscheiben im Erdgeschoss lädt seit nunmehr 25 Jahren die deutschlandweit einmalige ver.di-MedienGalerie zu spannenden Ausstellungsbesuchen ein. Ganzjährig werden wechselnde Schauen gezeigt, so dass man im Jubiläumsjahr auf fast 150 Ausstellungen zurückblicken kann – eine stolze Leistung angesichts des durchgehenden Prinzips der Ehrenamtlichkeit.
mehr »