Editorial: Digitaler Bauchladen – Chance und Herausforderung

Fernsehen ist nach wie vor das beliebteste Medium in Deutschland. Das belegen sämtliche Studien und Umfragen jüngster Zeit. So attestiert die SevenOne Media-Studie des ProSiebenSat.1-Vermarkters dem Fernsehen mit 80 Prozent die größte tägliche Reichweite der Medien. Es folgen Radio (65 Prozent) und Internet (63 Prozent). Aber die Faszination der Bewegtbilder zeigt sich heute in unterschiedlichen Formen. Vor allem die jüngere Generation entzieht sich mehr und mehr dem linearen Fernsehen, ist eigener Programmgestalter. Die Kurve für die Nutzung von Streeming-Diensten und Mediatheken steigt unaufhaltsam, wenn sie auch hierzulande nicht so steil abgeht, wie mitunter behauptet wird – gern in einem Atemzug mit der Feststellung: das herkömmliche Fernsehen, und die Zeitung gleich mit, seien tot.

Internationales Studenten Filmfestival Sehsüchte in der HFF Konrad Wolf, Drehbuchautorin Annette Hess Foto: Christian von Polentz
Internationales Studenten Filmfestival Sehsüchte in der HFF Konrad Wolf, Drehbuchautorin Annette Hess
Foto: Christian von Polentz

Fakt jedoch ist, überall, auf allen Geräten, zu jeder Zeit sowohl Filme als auch andere audiovisuelle Angebote zu empfangen, gehört besonders bei den bis Anfang 30-Jährigen zum täglichen Medien-Konsum. Interessant dabei, dass auch die Zahlungsbereitschaft dieser Generation für Video-on-Demand durchaus vorhanden ist. „Im Streaming-Zeitalter” angekommen – so der Themenschwerpunkt dieser aktuellen M-Ausgabe – sind folgerichtig auch der öffentlich-rechtliche und der private Rundfunk mit neuen Angeboten – speziell auch für junge Leute – und der zunehmenden Einbeziehung digitaler Plattformen. Eine immense Herausforderung für die Inhalte-Anbieter und für die konkrete journalistische Arbeit: Ist es sinnvoll und undifferenziert überhaupt zu bewältigen, den gesamten digitalen Bauchladen zu bedienen? In diesem Zusammenhang stellt M auch die Frage, ob Live-Videostreamings, Chatbot, Sensoren … schon Journalismus sind „oder ab welchem Veredlungsgrad dies Journalismus wird?” Auch der europäische Blick fehlt nicht. Denn Europa will auf der digitalen Bühne ganz vorn mitspielen und ist deshalb dabei, „EU-weit gleiche Bedingungen für Unternehmen im digitalen Raum zu schaffen und dort regulierend einzugreifen, wo Wettbewerb behindert wird”.

Die Veränderungen in der Medienbranche fordern ihren Tribut von den Beschäftigten. Dem muss auch die Tarifentwicklung Rechnung tragen. Bei den laufenden Verhandlungen in der Druckindustrie, den ­Verlagen und Redaktionen legen die Arbeitgeber jedoch eine ausgeprägte Blockadehaltung an den Tag.
M hat den derzeitigen Stand der Tarifrunden kurz zusammengefasst. Noch aktueller werden M-Leser_innen mit den Nachrichten auf M Online informiert sein. Wer immer auf dem Laufenden sein will, sollte hier: https://mmm.verdi.de klicken. Und wer sich nicht jeden Tag seine aktuelle M im Netz abholen kann, aber regelmäßig die M-„Zeitschrift” haben möchte, dem ist der 14tägige Newsletter zu empfehlen. Das nächste M-Themenheft erscheint im September.
Karin Wenk, verantwortliche Redakteurin

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Vor 75 Jahren, am 17. Mai 1946, schickte der Münchner Kabarettist Werner Finck ein launiges Telegramm nach Babelsberg: „Ein ferner Wink von Werner Finck, damit das Ding Euch wohl geling.“ Gemeint war die Deutsche Film-A.G., kurz DEFA genannt, die erste deutsche Filmfirma nach dem Zweiten Weltkrieg, die an jenem Tag eine Lizenz zur „Herstellung von Filmen aller Art“ erhielt. Neben deutschen, darunter auch einigen aus dem Exil zurückgekehrten Filmschaffenden waren Kulturoffiziere der Sowjetischen Besatzungszone maßgeblich an der Gründung beteiligt. Und doch verstand sich die DEFA zunächst als gesamtdeutsches Unternehmen. Viele der frühen, hochfliegenden Träume endeten…
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Polizeigewalt in Kolumbien

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