Aktion für César Omar Silva Rosales, Honduras

Morddrohung nach Kritik am Militär

Es war ein ganz gewöhnlicher journalistischer Termin, den César Omar Silva Rosales am 24. Januar 2015 wahrnehmen wollte. Der Redakteur einer bekannten Fernsehsendung wollte über eine Parlamentsdebatte in Tegucigalpa berichten. Das Thema: Soll die Militärpolizei Verfassungsrang erhalten?

Amnesty International Logo
Amnesty International Logo

Doch César Omar Silva Rosales wurde der Zugang zum honduranischen Parlament verwehrt. Man sagte ihm, dass sein Name nicht auf der Liste der akkreditierten Journalisten stehe. Als er eine Erklärung verlangte, deutete ein hochrangiger Militärangehöriger mit dem Finger auf ihn und sagte: „Du kannst nicht rein, weil ich es sage, und ich treffe hier die Entscheidungen.“ Der Journalist solle aufhören, negative Berichte über das Militär zu veröffentlichen, meinte der Soldat und drohte: „Sonst wirst du schon sehen, dass man dich mundtot und mit gelben Beinen im Graben wiederfinden wird.“
César Omar Silva Rosales ist kein zufälliges Opfer der Einschüchterungen. Am 18. Januar wurden in einer Fernsehsendung, an der er beteiligt war, erniedrigende Methoden geschildert, die bei der Ausbildung von Soldaten angewendet werden.
Schon früher ist César Omar Silva Rosales mehrfach wegen seiner journalistischen Arbeit verfolgt worden. Im Februar 2013 wurden er und sein Kameramann von einigen Personen angegriffen, als sie in der Nähe des Präsidentenpalasts Aufnahmen machten. Beide wurden verletzt, ihre Ausrüstung wurde beschädigt.
Im Dezember 2009 wurde der Fernsehredakteur von bewaffneten Männern entführt und an einen unbekannten Ort gebracht. Er wurde geschlagen und dann aus einem fahrenden Auto geworfen. Im selben Jahr war er bereits von Polizisten körperlich attackiert und festgenommen worden. Er sah sich daraufhin gezwungen, zeitweise das Land zu verlassen.
In Honduras wurden in den vergangenen fünf Jahren mehr als 30 Journalisten getötet und viele weitere eingeschüchtert. Die Täter werden so gut wie nie ermittelt, so dass ein Klima von Angst und Straflosigkeit entstanden ist.

Was können Sie tun?

Schreiben Sie an den honduranischen Generalstaatsanwalt und fordern Sie ihn auf, wirksame Schutzmaßnahmen für den Journalisten César Omar Silva Rosales zu ergreifen sowie die Morddrohungen gegen ihn zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Schreiben Sie auf Spanisch, Englisch oder Deutsch an den Generalstaatsanwalt:

Sr. Oscar Fernando Chinchilla
Lomas del Guijarro
Avenida República Dominicana
Edificio Lomas Plaza II
Tegucigalpa
HONDURAS
Fax: 00 504 – 2 221 5667

Senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S. E. Herrn Ramón Custodio Espinoza
Cuxhavener Straße 14, 10555 Berlin
Fax: (030)3974 9712
E-Mail: informacion.embahonduras.de@gmail.com

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Schrittmacher für den Lokaljournalismus

Im Lokalen schlägt das Herz des Journalismus, hier ist er für die Menschen besonders gut erlebbar.“ So Netzwerk Recherche, das Lokaljournalist*innen mit einem Fellowship Lokale Recherche und einem Support Desk unterstützt, da sie unter wachsendem Druck Demokratie und mediale Glaubwürdigkeit verteidigen müssen.
mehr »

Lokaljournalismus: Die Welt vor der Haustür

"Echte Reporter*innen sitzen nicht in der Bundespressekonferenz, sondern schießen um 11 Uhr Fotos beim Grillfest der Freiwilligen Feuerwehr, schauen sich nachmittags das Kindertheater in der Turnhalle an und schreiben am Abend bei der Hauptversammlung des Geflügelzuchtvereins mit.“ Wer nach einer Definition von Lokaljournalismus sucht: Das wäre eine.
mehr »

Mentale Belastungen im Journalismus

Immer mehr Journalist*innen fühlen sich in ihrem Beruf unwohl. Der Druck ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Zum einen werden Menschen, die journalistisch tätig sind, über Hasspostings in den sozialen Medien angefeindet. Zum anderen steigt der interne Druck durch Arbeitsverdichtung und Vorgesetzte. Mit Helpline bietet „Netzwerk Recherche“ seit einigen Jahren ein telefonisches Gesprächsangebot – anonym, vertraulich und kostenlos.
mehr »

Kürzt Sachsen bei Pressefreiheit?

Dem Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) in Leipzig droht offenbar erneut eine Kürzung seiner Zuschüsse aus dem sächsischen Staatshaushalt. Für die beiden Jahre 2027 und 2028 sei im Entwurf für den Doppelhaushalt eine Förderung von jeweils 120.000 Euro vorgesehen, so die Sächsische Staatskanzlei gegenüber epd.
mehr »