Aktion für Shahriar Kabir, Bangladesh

Dem in Bangladesch inhaftierten Journalisten droht Folter und Misshandlung
Der als gewaltloser politischer Gefangener inhaftierte Journalist Shahriar Kabir wurde am 10. Dezember 2001 von Polizisten in Zivil aus dem Zentralgefängnis in Dhaka abgeholt. Berichten zufolge wird er an einem unbekannten Ort in einer Hafteinrichtung verhört und ist deshalb in Gefahr, misshandelt und gefoltert zu werden.

Shahriar Kabir war am 22. November 2001 bei seiner Rückkehr aus dem indischen Kolkata von Angehörigen einer Sondereinheit der Polizei (Special Branch Police Force) festgenommen worden. In Indien hatte Shahriar Kabir Hindus interviewt, die vor kurzem aus Bangladesch geflohen waren. Bei seiner Festnahme in Bangladesch konfiszierte die Polizei den Reisepass des Journalisten, fünf Video- und 13 Audiokassetten, drei CDs, mehrere noch nicht entwickelte Filme und seine Kamera. In einer Pressemitteilung vom 24. November 2001 gab die Regierung von Bangladesch bekannt, Shahriar Kabir werde in Haft gehalten, weil man „… später festgestellt hat, dass die Videos anstößige und irreführende Stellungnahmen enthielten, die schädlich für die Bewahrung der Harmonie zwischen den Volksgruppen und subversiv“ seien und weil Shahriar Kabir an Handlungen beteiligt gewesen sei, „die dem Ansehen Bangladeschs und seiner Regierung im Ausland Schaden zugefügt haben“.

Am darauf folgenden Tag forderte die Polizei das Gericht auf, zwecks weiterer Verhöre den Verbleib von Shahriar Kabir in Gewahrsam anzuordnen. Das Gericht verfügte daraufhin zwei weitere Wochen Gewahrsam für Shahriar Kabir. Der Journalist wurde danach auf der Grundlage des Gesetzes „Special Powers Act“, welches die Inhaftierung von Personen ohne näher bezeichnete Anklagen ermöglicht, in das Zentralgefängnis von Dhaka überstellt.

Am 1. Dezember 2001 forderte das Strafgericht (High Court) von Bangladesch die Regierung auf, innerhalb einer Woche zu erklären, warum die Inhaftierung von Shahriar Kabir nicht rechtswidrig sei. Diese Intervention des Gerichts erfolgte aufgrund einer Eingabe der Rechtsanwälte des Journalisten, in der sie die Inhaftierung angefochten hatten.

Wie es heißt, hat die Regierung die Polizei am 9. Dezember 2001 angewiesen, auf der Grundlage von Paragraph 123A (Missbilligung der Staatsgründung und Befürwortung der Zerstörung seiner Souveränität), Paragraph 124A (Aufruhr) und Paragraph 505A (gefährdende Handlungen durch Worte oder andere Mittel) des Strafgesetzbuchs von Bangladesch Anzeige gegen Shahriar Kabir zu erstatten. Am darauf folgenden Tag wurde der Journalist zum Verhör in eine Hafteinrichtung gebracht. Bislang ist er jedoch nicht unter Anklage gestellt worden.

Empfohlene Aktionen:

Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie

  • sich angesichts der Berichte besorgt zeigen, denen zufolge der Journalist Shahriar Kabir an einem unbekannten Ort festgehalten wird, wo er weder Kontakt zu einem Rechtsbeistand noch zu seiner Familie hat;
  • Ihre Befürchtung zum Ausdruck bringen, dass er gefoltert werden könnte;
  • die Regierung auffordern, seinen Aufenthaltsort bekannt zu geben und ihm den Kontakt zu seinen Anwälten und seiner Familie zu gestatten;
  • fordern, dass Shahriar Kabir sofort und bedingungslos freigelassen wird, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der allein aufgrund der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung in Haft gehalten wird.

Appelle an:

Prime Minister Begum Khaleda Zia,
Office of the Prime
Minister, Gona Bhaban,
Sher-e Bangla Nagar,
Dhaka,
VOLKSREPUBLIK
BANGLADESCH
(Premierministerin – korrekte Anrede:
Dear Prime Minister)
Telefax: (00 880) 2 – 811 32 43

Mr. Nurul Huda, Inspector-General of Police,
Police Headquarters,
Fulbaria, Dhaka,
VOLKSREPUBLIK BANGLADESCH
(Polizeichef – korrekte Anrede: Dear Sir)
Telefax: (00 880) 2 – 956 33 62

Kopien an:

Kanzlei der Botschaft der Volksrepublik Bangladesch
(S. E. Herrn Ashfaqur Rahman)
Dovestraße 1, 5.Stock, 10587 Berlin
Telefax: (030) 39 89 75 10

 


 

 

nach oben

weiterlesen

Kolumbien: Indigene erobern mediale Welt

Moderne Radiostudios, qualifizierte Journalist*innen und innovative Kommunikationsstrategien haben dazu geführt, dass indigene Organisationen in Kolumbien hör- und sichtbarer werden. Die Wiege des Aufbruchs in diese Medienwelt steht im Verwaltungsbezirk Cauca im Südwesten Kolumbiens, wo Koka-Plantagen sprießen, wo Guerilleros und Paramilitärs bis heute um die Kontrolle kämpfen. Dort fand 2010 eine Konferenz zu indigenen Kommunikationskonzepten statt. Seitdem ist die Zahl der Berichterstatter*innen indigener Herkunft deutlich gestiegen. Ein Besuch in Santander de Quilichao.
mehr »

Günter-Wallraff-Preis für Julian Assange

Der investigative Journalist und Wikileaks-Gründer Julian Assange ist mit dem Günter-Wallraff-Preis 2022 ausgezeichnet worden. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis würdigt im Namen von Deutschlands bekanntestem Investigativjournalisten kritischen Journalismus und Zivilcourage. Er wurde im Rahmen des 6. Kölner Forums für Journalismuskritik verliehen. Die Menschenrechtsaktivistin und Juristin Stella Moris nahm die Auszeichnung stellvertretend für ihren Ehemann Julian Assange vor Ort entgegen.
mehr »

Kontaktsperre für Journalisten in Haft

Polen hat Ende Februar den Reporter Pablo González festgenommen. Der Vorwurf: Spionage für Russland. Der Journalist mit spanischer und russischer Staatsbürgerschaft wurde mit einer Kontaktsperre belegt. Neben Amnesty International fordern auch Journalistenorganisationen wie Reporter ohne Grenzen seine sofortige Freilassung. Der Europarat hat inzwischen von Polen Aufklärung gefordert, nachdem sich das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) in den Fall eingeschaltet hat.
mehr »

Wiener Polizei sperrt Journalisten aus

Wie hält es die Wiener Polizei mit der Pressefreiheit? Das wird in der österreichischen Bundeshauptstadt zunehmend diskutiert. Jüngster Anlass war das Verhalten von Polizei und Sicherheitsdiensten während der Räumung einer von Klima-Aktivist*innen besetzten Autobahnbaustelle am 5. April im Nordosten Wiens. Um einige Dutzend Aktivist*innen von dem Baustellengelände zu entfernen rückte die Polizei mit mehreren Hundertschaften an, die teilweise aus angrenzenden Bundesländern kamen. Mit dabei war auch ein Polizeihubschrauber sowie eine Überwachungsdrohne, die in Wien zunehmend bei Demonstrationen eingesetzt wird.
mehr »