Post aus Frankreich für Springer-Konzern

ver.di-Solidatitätsaktion für die Beschäftigten von logic-immo. Axel-Springer-Personalchef Alexander Schmid-Lossberg (2.v.r.) nimmt das Protestschreiben aus Frankreich entgegen. Foto: Christian von Polentz/ transitfoto.de

Aktion in der Kälte als Protest gegen eine Aktion sozialer Kälte: ver.di-Aktive unterstützen den Kampf der französischen Mediengewerkschaft Info’Com-CGT gegen die Callcenter-Schließung einer dortigen Immobilienplattform im Rahmen einer Übernahme durch den Axel-Springer-Konzern.

Das Objekt der Begierde, „Concept Multimédia“, ist im französischen Immobiliengeschäft aktiv. Die von dem Unternehmen betriebene, stark frequentierte Webseite logic-immo.com veröffentlicht Immobilien-Anzeigen und betreibt ein Call-Center. Vor zehn Jahren gegründet, ist es seither ein profitabler Servicebereich von Concept Multimédia, einer der drei größten Immobilienplattformen Frankreichs. Dennoch, so informieren die französischen Gewerkschafter von Info’Com-CGT, ist seit dem 21. November 2016 eine Entlassungswelle für das gesamte Call-Center im Gange. Um sich für künftige Käufer attraktiv zu machen, wollte man bei logic-immo.com Personalkosten senken und „stärker in den Marketingbereich investieren“, heißt es offiziell. Gleichzeitig diene die Schließung des Callcenters aber dazu, „gemeinsam mit allen Angestellten hier tätige besonders aktive Gewerkschafter loszuwerden“, kritisieren die französischen Kollegen.

Den personellen Kahlschlag – etliche Beschäftigte sind bereits entlassen – sieht man bei der Gewerkschaft als reines Kalkül. Da es im direkten Zusammenhang mit dem Kaufabsichten durch Springer gesehen wird, wandte sich Info’Com-CGT mit einem offenen Brief an den Berliner Konzernvorstand. ver.di-Gewerkschafter unterstützten den Protest der französischen Kollegen und übergaben das Schreiben am 11. Januar an den Konzernpersonalchef von Springer SE Alexander Schmid-Lossberg. In dem Brief wird das Verlagshaus gewarnt, mit der Übernahme der „Concept Multimedia“ unvermeidlich in den bereits laufenden sozialen Konflikt zu geraten, der von der Gewerkschaft bereits vor die zuständigen französischen Arbeitsgerichte getragen wurde. „Die zahlreichen ungerechtfertigten Entlassungen und viele weitere dubiose Machenschaften von Logic-Immo.com werden vor Gericht nicht nur schwere finanzielle Folgen, sondern auch eine erhebliche Schädigung des Öffentlichkeitsbildes zur Folge haben“, heißt es in dem vom Generalsekretär Romain Altmann mitunterzeichnetem Schreiben. Info’Com-CGT kündigt an, solange weiter zu streiten, bis die Kündigungen und die gesamte Callcenter-Schließung rückgängig gemacht seien.

 

 

 

 

 

nach oben

weiterlesen

Wien: Viele Austritte beim Regieverband

Beim Verband Filmregie Österreich herrscht dicke Luft. Von der Interessenvertretung der Regisseurinnen und Regisseure hat sich eine Gruppe Filmschaffender im Streit getrennt. Erst im April dieses Jahres hatte das Österreichischen Filminstitut (ÖFI) gendergerechte Maßnahmen bei der Vergabe von Fördermittel beschlossen worden. Nun führt diese neue Quotenregelung zu Ärger. 42 Regisseurinnen und Regisseure sind aus dem Verband Filmregie Österreich ausgetreten. Vor allem Frauen.
mehr »

„Ich vertraue Afghanistan noch immer“

Shahrbanoo Sadat erzählt in ihrem Film „Kabul Kinderheim“ von dem Leben in einem Waisenhaus in Afghanistan ab Ende der 1980er Jahre – und von der Magie des Kinos. Bis zum Einmarsch der Taliban im August dieses Jahres lebte Sadat in Kabul. Dann floh sie mit ihrer Familie und wohnt nun in Deutschland. Anlässlich des Kinostarts spricht sie im Interview mit M über ihre letzten Tage in Kabul, die Liebe der Afghan*innen zu Bollywood und darüber, wie die jüngsten Ereignisse in Afghanistan ihre Sicht auf ihren eigenen Film verändert haben.
mehr »

Paris: Ausweisung war rechtswidrig

Das Pariser Verwaltungsgericht erklärte die Ausweisung von Luc Śkaille im August 2019 für rechtswidrig. Der Journalist wollte für den Freiburger Sender Radio „Dreyeckland“ über den G7-Gipfel in Biarritz berichten. Grundlage für die Ausweisung waren Informationen des Bundeskriminalamts über seine Beteiligung an einer Hausbesetzung vor 10 Jahren. Der Geschäftsführer von Radio Dreyeckland sieht im Urteil ein Signal an die Behörden, Journalist*innen nicht an ihrer Arbeit zu hindern.
mehr »

Neue Zeitung auf Papier für Spanien

Spanien hat eine neue Tageszeitung, online und auf Papier. Seit dem Nationalfeiertag, dem 12. Oktober, erscheint „El Periódico de España“. Das Team um Chefredakteur Fernando Garea will die Medienlandschaft aufmischen. „Wir brauchen einen Journalismus, der das heutige Spanien versteht“, sagt der erfahrene Journalist, der unter anderem die spanische Nachrichtenagentur EFE leitete. Er hat sich mit einer Mannschaft umgeben, die unter anderem bei der Konkurrenz, wie etwa dem Verlagshaus PRISA, Herausgeber der größten Tageszeitung Spaniens, der „El País“, abgeworben wurde.
mehr »