RSF: Russen töteten Fotoreporter Lewin

RSF lokalisierte den Tatort und das verbrannte Auto des ukrainischen Journalisten Maxim Lewin, der am 13. März 2022 in einem Wald nördlich von Kiew getötet wurde. 28. Mai 2022 Foto: Patrick Chauvel / RSF

Der ukrainische  Fotojournalist Maxim Lewin wurde am 13. März 2022 von russischen Soldaten kaltblütig ermordet. Zu diesem Ergebnis kommt eine ausführliche Untersuchung der Todesumstände durch Reporter ohne Grenzen (RSF). Sein ebenso getöteter Freund und Bodyguard Oleksij Tschernyschow wurde vor seinem Tod möglicherweise misshandelt. „Wir hoffen, dass unsere Untersuchung dabei hilft, die Täter zu identifizieren und juristisch zur Verantwortung zu ziehen“, so RSF-Geschäftsführer Christian Mihr.

 „Der Mord an Maxim Lewin zeigt, wie rücksichtlos die russische Armee gegen Medienschaffende in der Ukraine vorgeht“, erklärte Mihr. Maxim Lewin, der unter anderen für das ukrainische Webportal LB.ua und die Nachrichtenagentur Reuters arbeitete, verschwand am 13. März in einem umkämpften Wald bei Huta-Mezhyhirska, 20 Kilometer nördlich von Kiew. In dem Gebiet hatte er nach einer abgestürzten Fotodrohne gesucht, mit der er das Vorrücken der russischen Armee dokumentierte. Am 1. April wurden seine Leiche und die von Tschernyschow gefunden.

Nach dem Rückzug der russischen Truppen aus der Umgebung von Kiew entsandte RSF zwei Ermittler in die Ukraine, um die genauen Todesumstände zu untersuchen: Arnaud Froger, bei RSF verantwortlich für Investigativ-Recherchen, und den französischen Kriegsfotografen Patrick Chauvel, dem Maxim Lewin zu Beginn der russischen Invasion zugearbeitet hatte. Zwischen dem 24. Mai und dem 3. Juni sprachen Froger und Chauvel mit Angehörigen, Mitarbeitenden, Kolleginnen und Freunden Lewins. Außerdem untersuchten sie den Tatort mit einem Metalldetektor, entdeckten 14 Einschusslöcher in dem Wrack von Lewins Auto und sammelten Beweise dafür, dass sich russische Soldaten in unmittelbarer Nähe aufgehalten hatten.

Gewehrkugeln und dutzende Beweisstücke

Die von RSF sicher gestellten Beweise deuten darauf hin, dass Maxim Lewin und Oleksij Tschernyschow noch am Tag ihres Verschwindens, dem 13. März 2022, von russischen Streitkräften kaltblütig erschossen wurden. Zuvor seien sie wahrscheinlich verhört und Tschernyschow möglicherweise misshandelt worden. RSF machte die Ermittlungsergebnisse den ukrainischen Behörden zugänglich. Dutzende Fotos vom Tatort sowie neun Beweisstücke – darunter drei Gewehrkugeln und die gefundenen Ausweispapiere Tschernyschows – seien den Justizbehörden übergeben worden. Außerdem hätten die beiden RSF-Ermittler ihre Erkenntnisse dem ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU geschildert.

Seit Beginn der russischen Invasion wurden nach RSF-Angaben acht Medienschaffende in der Ukraine getötet und 14 weitere verletzt. Zuletzt wurde der französische Fernsehjournalist Frédéric Leclerc-Imhoff am 30. Mai von Schrapnellsplittern einer russischen Granate getötet. RSF verzeichnete insgesamt mehr als  50 Angriffe, von denen mehr als 150 Journalistinnen und Reporter betroffen waren. Zur Untersuchung dieser Vorfälle reichte RSF am 27. Mai zum fünften Mal beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) Strafanzeige gegen Russland ein. RSF listet die Ukraine auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 106, Russland auf Platz 155 von 180 Staaten auf.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Filmtipp: Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 

Schwarzweißbilder, höchst originell gestaltet und herausragend gut gespielt mit Luna Wedler und Karl Markovics - "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" erzählt die Tragödie eines verpfuschten Lebens. Im Debütfilm von Nicolas Steiner offenbart ein nihilistischer Trinker im Rahmen eines Sozialprogramms dank der Beharrlichkeit einer Germanistik-Studentin ein enormes literarisches Talent. Doch dann wird der Mann von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt.
mehr »

ÖRR als Public Open Space?

Der Reformstaatsvertrag eröffnet neue Wege für die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation, befindet Jan Christopher Kalbhenn in einer Kurzstudie, die er für die Friedrich-Ebert-Stiftung verfasst hat. Denn die demokratische Öffentlichkeit, so Kalbhenn, steht angesichts der Machtkonzentration bei digitalen Plattformen vor einer grundlegenden ordnungspolitischen Herausforderung.
mehr »

Mehr Regionalität bei WDR und NDR

WDR und NDR gehen neue Wege bei der der regionalen Berichterstattung. Beim WDR sollen demnach zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel "NRW" zusammengelegt werden - sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Der NDR startet ein neues Format für Jüngere bei YouTube.
mehr »

Für faire digitale Teilhabe

„Digitale und gesellschaftliche Teilhabe gehören zusammen!“ erklärt die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Gilda-Nancy Horvath auf der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik in München. Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten über die wachsende Bedeutung digitaler Medien und Künstlicher Intelligenz (KI) für die soziale Teilhabe in der demokratischen Gesellschaft.
mehr »