Spanische Polizei foltert Journalisten

Basksiche Zeitung verboten – zehn Redakteure verhaftet

Martxelo Otamendi, Chefredakteur der baskischen Tageszeitung „Euskaldunon Egunkaria“, und drei weitere Journalisten beschuldigen die spanische Zivilgarde, sie im Polizeigewahrsam gefoltert zu haben.

Otamendi erklärte kurz nach seiner Freilassung auf Kaution vor laufenden Kameras, die Polizisten hätten ihm zweimal eine Plastiktüte über den Kopf gezogen, so daß er fast erstickt sei. Hinzu kamen Schläge und wüste Drohungen. Nachdem er dem Untersuchungsrichter Juan del Olmo von den Folterungen berichtet habe, seien vier Zivilgardisten in seine Zelle gestürmt und hätten ihm gedroht: „Wenn du dem Richter noch einmal erzählst, was wir mit dir machen, dann bekommst du eine Kugel verpaßt.“

Die Guardia Civil hatte Otamendi und neun weitere Personen im Rahmen einer Antiterror-Operation am 20. Februar unter dem Verdacht, Helfer der baskischen Untergrundorganisation ETA zu sein, festgenommen. Richter Del Olmo ließ Zeitung und Verlag vorläufig schließen, da er sie der Geldwäsche für ETA verdächtigt. Die zehn Verdächtigen kamen in Incommunicado-Haft. Während der folgenden fünf Tage waren sie von der Außenwelt isoliert. Pello Zubiria, Chefredakteur der Zeitschrift AArgia“, habe im Polizeigewahrsam einen Selbstmordversuch unternommen, sagt Otamendi. Der Schriftsteller Joan Mari Torrealdai berichtete einem Mitgefangenen, die Polizisten hätten ihn bis auf die Unterhose ausgezogen und mit einem Lineal auf seine Hoden geschlagen.

„Egunkaria“ ist die einzige auf baskisch erscheinende Tageszeitung. Sie besteht seit 13 Jahren, hat eine Auflage von 15.000 Exemplaren und erhält Subventionen von der baskischen Regionalregierung.

„Die Schließung von Egunkaria ist ein Schlag gegen die Pressefreiheit im spanischen Baskenland“, sagte Aidan White von der International Federation of Journalists (IFJ), dem weltgrößten Journalistenverband.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Als deutsche Reporterin im Iran

Die ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ist zuständig für die Berichterstattung aus der Türkei, dem Iran und Afghanistan. Sie ist eine der wenigen westlichen Journalisten, die im Iran vor Ort ist. Mit M sprach sie über die Proteste im Iran und wie sie darüber berichtet.
mehr »

Spanien droht Musk mit Strafen

Für Elon Musk, Chef der Online-Plattform X ist der spanische Regierungschef ein „Tyrann“ oder ein „Faschist“. Pedro Sanchez will "Tech-Oligarchen" wie Musk persönlich strafrechtlich für Inhalte auf ihren Plattformen und für Manipulationen an Algorithmen verantwortlich machen und ein Social-Media-Verbot für junge Menschen einführen.
mehr »

EU braucht gemeinsame Regeln

Ist das Herkunftslandprinzip der Europäischen Union im Medienbereich heute noch zeitgemäß? Um diese Frage und viele weitere drehte sich die Diskussion auf der alljährlichen Konferenz der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle in Brüssel. Einfache Antworten gab es nicht.
mehr »

RSF: Pressefreiheit unter hohem Druck

Viele Reporter*innen in Deutschland sehen den Journalismus im Land großen Bedrohungen ausgesetzt. Das zeigt auch die am 3. Februar veröffentlichte Nahaufnahme 2026: RSF-Report zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland. Vor allem die Delegitimation der journalistischen Arbeit wird befeuert durch politische Akteure, digitale Hetze und neue publizistische Milieus, die mit Zuspitzung und Desinformation immer mehr Reichweite erzielen.
mehr »