Danica Bensmail hat am ersten März das Amt der dju-Bundesgeschäftsführung übernommen. Ein Gespräch mit „der Neuen“ über kaltes Wasser, die Bedeutung von Paarhufern für Diversity in den Medien und Treppengeländer. Danica Bensmail ist erst wenige Wochen im Amt – eine kleine Ewigkeit und ein Wimpernschlag zugleich. „Die ersten 48 Stunden waren ein wenig wie der sprichwörtliche Wurf ins kalte Wasser“, sagt Danica und lacht. Aber alles halb so wild, so eine Abkühlung belebe schließlich die Sinne.
Neugier treibt die gebürtige Berlinerin an. Dinge so hinnehmen wie sie sind? Nicht Danicas Ding! Sie will sie verstehen. „Als ich ein Kind war, hat mein Vater immer zu mir gesagt: Wenn du wissen willst, wie es geht, muss du es machen.“ Und Danica macht: Print, Online, Radio, Fernsehen – das ganze Programm.
Sie gehört 2006 zum Gründungsteam der Gazelle – Deutschlands erster multikultureller Frauenzeitschrift. Das Thema Diversity in den Medien steckte damals noch in den Kinderschuhen, erinnert sich die 42-Jährige. „Die Stimmen von People of Color und ihre Themen fanden in deutschen Medien praktisch nicht statt. Der Gazelle-Gedanke war: Irgendjemand sollte irgendwann mal irgendetwas dagegen machen. So ging‘s los“, sagt sie und lacht.
Als Mentee der Neuen Deutschen Medienmacher*innen knüpfte sie Netzwerke in diverse Medienhäuser, absolvierte ihr Volontariat an der Axel-Springer-Akademie und vergrub sich für die Bild-Zeitung und RTL in investigative Themen, bevor sie 2020 in die Pressestelle der Gewerkschaft der Polizei wechselte. Ein organischer Werdegang vom Journalismus zu gewerkschaftspolitischer Öffentlichkeitsarbeit. Danica nickt: „Ja, und mit dem Wechsel zur dju ist der Werdegang gleichzeitig auch ein ver.di-Gang.“
Gewerkschaftspolitik auf Bundesebene drehe oft das große politische Rad. „Mal eben schnell“ sei meist nicht drin, ein langer Atem dabei umso wichtiger. Dass sie genau den mitbringt, hat Danica als langjährige Investigativjournalistin unter Beweis gestellt. „Ich sehe das sportlich. Widerstände spornen mich an“, sagt sie mit einem Schmunzeln.
Als in Danicas ersten zwei Amtswochen mehrere Journalist*innen Opfer gewaltsamer Übergriffe werden, greift sie zum Hörer, hört sich ihre Geschichten an. „Da wird einem die Kehle schon eng. Das hat die eine oder andere alte Erinnerung geweckt. Umso dankbarer bin ich allen Medienschaffenden, die trotz widrigster Umstände ihre Arbeit fortsetzen“, betont die Gewerkschafterin.
Seit der Pandemie sei zunehmend ein gesellschaftliches Reizklima wahrnehmbar. Journalist*innen seien oft die ersten, die das im Einsatz – mitunter auch auf schmerzhafte Weise – am eigenen Leib zu spüren bekämen. „Eine starke Demokratie braucht unabhängigen Journalismus. Gerade jetzt ist das unglaublich wichtig“, sagt Danica.
Umso dankbarer sei sie für die starke Arbeit der dju-Landesbezirke. Sie seien jederzeit ansprechbar und leisteten unglaublich schnelle und vor allem praktische Unterstützung, wenn es im Arbeitsalltag mal klemmen sollte. „Die dju ist wie das Geländer an einer steilen dunklen Treppe“, sagt Danica. „Wir lassen unsere Kolleg*innen nicht allein, sondern stehen ihnen verlässlich zur Seite.“
Aller herausfordernder Aspekte zum Trotz – unterm Strich ist für Danica klar: „Journalismus ist für mich der schönste Beruf der Welt. Für mich ist es eine Berufung. Und genau darum bin ich jetzt hier“, sagt sie und strahlt.