Es brodelt in der Funke Mediengruppe

In diesen Tagen beginnt der Umzug der Funke Mediengruppe ins neue Domizil. Links ein Teil des Hauptgebäudes, das sich über eine Länge von nahezu 300 Metern erstreckt und rechts der Medienturm, (Haus 2).
Foto: Udo Milbret

Die Vorgänge bei der Funke Mediengruppe sind symptomatisch für die deutsche Presselandschaft: Einsparungen, Personalabbau, Konzentrationsbestrebungen. Im Konzern jedenfalls brodelt es. Die Belegschaft ist verunsichert: Werden weitere Stellen gestrichten? Wie will sich das Unternehmen zukünftig ausrichten? Was bedeutet die angekündigte „Digitaloffensive“? Beunruhigend sind auch die wirtschaftlichen Ergebnisse für 2017, die im Dezember bekannt wurden: Funke ist erneut in der Verlustzone.

Das Treffen der Funke-Gesellschafter in der kommenden Woche könnte zu mehr Klarheit für die rund 6000 Mitarbeiter*innen des Medienkonzerns mit Hauptsitz in Essen führen. Ende letzten Jahres veröffentlichte der Konzern seine Bilanz für 2017. Der Umsatz war im Vergleich zu 2016 um 8,8 Prozent von 1,303 auf 1,257 Milliarden Euro zurückgegangen. Unterm Strich steht in der Bilanz ein Minus von zehneinhalb Millionen Euro. Die Umsatzrückgänge sind hauptsächlich auf verringerte Werbeinnahmen zurückzuführen. Für 2018 hoffen die Essener auf eine „leichte Verbesserung“ des Konzernumsatzes „im unteren einstelligen Prozentbereich“, der durch die Aufnahme des Postgeschäfts in Thüringen und durch wachsende Umsätze im Digitalbereich“ entstehen soll. Überhaupt setzt das Management auf eine neue Strategie mit der man unter der Überschrift „User First“ dem Umbruch in der Zeitungslandschaft begegnen will: Die 12 Funke-Regionalzeitungen produzierten ihre täglich fast 2.000 Zeitungsseiten in vier verschiedenen Zeitungsformaten, dutzende Online-und App-Angebote derzeit auf unterschiedlichen Redaktionssystemen, heißt es in einer internen Analyse. Und das möchten die Verantwortlichen ändern. Ihr Ziel: Mehr Verständnis und Abstimmung zwischen den Bereichen Redaktion, Verlag und Technik im Zuge der diversen Prozesse. Aber was das konkret bedeutet, bleibt offen.

„Die ganze Welt ist ja eigentlich im Umbruch“, erklärte Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo vor kurzem in einem Video-Interview der Fachzeitschrift „W&V“, „so wie wir vor 20 Jahren unser Geschäft gemacht haben, funktioniert es halt nicht mehr“. Bei dieser Gelegenheit sorgte der Manager für großen Unmut bei den Mitarbeiter*innen, als er den bisherigen typischen Tagesablauf in einer Redaktion unter anderem damit beschrieb, dass es um 10 Uhr erstmal geruhsam mit Kaffeetrinken losgeht und um 12 Uhr die erste Konferenz stattfindet, wonach der Tag angegangen würde. „In dem neuen Modell ist es so, es geht morgens um sechs Uhr los! Und wir werden noch gravierender: Wir schreiben am Abend vorab schon, bereiten die Artikel vor. Morgens um sechs Uhr ist eine Schicht da, dann arbeiten wir in zwei Schichten. Die Leute publizieren den ganzen Tag.“

Was als zukunftstragendes Modell angekündigt wird, sorgt bei der Belegschaft für Befürchtungen, Funke können versuchen, weitere Stellen abzubauen und parallel den Verbliebenen mehr Arbeit aufzubürden. Außerdem kursieren aktuell Gerüchte, der Konzern wolle weitere große Akquisitionen durchführen und Standorte „umbauen“. Für fast eine Milliarde Euro hatte der Medienkonzern 2013 Tageszeitungen sowie Zeitschriften von Springer erworben.

Immerhin soll jetzt der im September 2018 verschobene Umzug in die neue Konzernzentrale stattfinden. Unternehmenssprecher Dennis Jerchow bestätigte Meldungen, dass ab Ende der Woche in die neue Konzernzentrale in Essen umgezogen wird: „Die Kolleginnen und Kollegen produzieren dann dort bereits am Samstag das ePaper der Sonntag-Ausgabe, am Sonntag dann die regulären Montagsausgaben. Die übrigen Abteilungen, dies sind vor allem die klassischen Holdingbereiche, ziehen eine Woche später um. Für diese Teams ist der erste Arbeitstag der 28. Januar.“

Die Gerüchte um weitere Zukäufe oder Sparmaßnahmen bezeichnete Jerchow als Spekulationen, zu denen man sich grundsätzlich nicht äußere. Parallel dazu verkündete der Konzern jetzt weitere tiefgreifende Umstrukturierungen. Demnach sollen alle Programmtitel künftig in Hamburg produziert werden, während in München eine zentrale Themenredaktion entsteht. Ebenso sollen die Mitarbeiter*innen der Portalgeschäfte in einer eigenen Gesellschaft zusammengefasst werden. Außerdem werde die Mantelredaktion der TVdirekt am Standort München/Ismaning geschlossen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden andere Beschäftigungsmöglichkeiten im Unternehmen geprüft.

„Wir führen unsere bewährten Teams mit den hochqualifizierten Fachredakteurinnen und -redakteuren zu einer schlagkräftigen Einheit zusammen“, kommentierte Schoo die aktuellen Maßnahmen, „so können wir kompetent und flexibel auf sämtliche Marktbedürfnisse reagieren. Alle unsere erfolgreichen Titel und damit auch die Millionen an Leserinnen und Lesern werden von dem neu gegründeten ‚Center of Quality‘ profitieren.“ Ob das auch für die Mitarbeiter*innen gilt, bleibt abzuwarten.

 

 

 

 

 

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