Fragwürdiges Krisenlamento

Durchs letzte Drittel des vergangenen Jahrhunderts glitten die meisten deutschen Tageszeitungen hoch profitabel und ohne besondere unternehmerische Herausforderungen. Einträgliche Marken sind Zeitungen nach wie vor. Die unternehmerische Aufgabe ist heute freilich anspruchsvoll.

Wem in dieser Lage nichts Besseres einfällt, als mit Kostenabbau zu reagieren auf den Auflagenrückgang und ein schmaleres Anzeigengeschäft, der wird keine Marktchance haben. Denn Kostenkürzung ist ein untaugliches Mittel gegen strukturelle Probleme. Die erfordern vielmehr unternehmerisches Agieren. Wer kürzt und kürzt und kürzt, entwickelt sich auf Dauer vom Journalismus-Unternehmer zum Journalismus-Unterlasser.

Es ist mithin auch unternehmerisch fragwürdig, dass die Zeitungseigner und ihre Manager in der laufenden Tarifrunde der Zeitungsjournalisten auf Kostenabbau durch Einkommenssenkung in den Redaktionen setzen. Es ist widersprüchlich, dass sie ausgerechnet bei jenen weiter kürzen wollen, auf deren Qualitätsarbeit und Einsatzfreude sie dringend angewiesen sind im laufenden Veränderungsprozess der Branche: bei den angestellten und freien Journalisten.

Etliche Verlage machen bereits die Erfahrung, dass sich Kolleginnen und Kollegen in andere Richtungen umschauen, weil sie das Missverhältnis zwischen sinkenden Realeinkommen und ständig steigenden Anforderungen nervt. Implizit räumen die Verleger diesen Widerspruch ja quasi selbst ein, indem sie angesichts steigender beruflicher Anforderungen dafür plädieren, das Zeitungsvolontariat zu verlängern. Wir sollten verhindern, dass immer mehr Studienabgänger – begünstigt von der demografischen Entwicklung und abgeschreckt vom Krisenlamento der Zeitungsmanager – sich anderen Branchen zuwenden als dem Journalismus. Wer den Wettbewerb um die besten Köpfe aufgibt, schmälert seine Chancen im Wettbewerb um hochwertige und erfolgreiche journalistische Produkte – egal ob print oder online.

Seit Jahren schon ist unsere Berufsgruppe abgehängt von der allgemeinen Einkommensentwicklung und in den letzten fünf Jahren gab’s nicht mal einen Inflationsausgleich. Allein dies wäre schon ein guter Grund für eine kräftige Gehalts- und Honorarerhöhung jetzt.

nach oben

weiterlesen

Medien: Glaubwürdiger durch Klimaneutralität

„Es ist gut fürs Geschäft und fürs Klima“, resümiert Andreas Gustavsson, Chefredakteur der schwedischen Tageszeitung "Dagens ETC", die zwei Jahre lang auf fossile Werbeanzeigen verzichtete. Auf der Online-Fachtagung „Medienhäuser auf dem Weg zur Klimaneutralität“, zu der die dju in ver.di und die Initiative #fossilfreieMedien am 11. Oktober eingeladen hatten, diskutierten Medienvertreter*innen und Klimafachleute, was die Branche zur Bewältigung der Klimakrise beitragen kann.
mehr »

Unternehmerinnen entwickeln Superkräfte

Das Mediengründerzentrum NRW feiert zu seinem 15jährigen Jubiläum am 25. Oktober 2021 alle starken Frauen, die mindestens 24 Monate in der Medienbranche Nordrhein-Westfalens selbstständig tätig sind und ihre Visionen in eigenen Unternehmen umsetzen möchten. Das neunteilige Sheroes-Programm ist erstmals vor drei Wochen gestartet und läuft noch bis Dezember 2021. Dann soll es 2022 in die zweite Runde gehen. Es richtet sich an Soloselbständige, Freiberuflerinnen, Gründerinnen und Unternehmerinnen.
mehr »

Dritte Mahnwache vor Verleger-Villa

Gehört das eigentlich schon verboten, oder darf das noch gedruckt werden? Das fragt man sich des Öfteren, wenn man sich die Programme von Verlagen anschaut, die Autoren der Neuen Rechten verlegen, wie der im Münsterland ansässige Manuscriptum Verlag. Der gehört Thomas Hoof*, der mit dem hochpreisigen Warenhaus und Versandhandel Manufactum reich geworden ist. Seine Verlagsbuchhandlung bewirbt heute die Themenbereiche Deutsche Geschichte, Gender Mainstreaming, Ideologiekritik, Konservatismus, Kulturkritik, Lebenspraxis und Preußen.
mehr »

Tagung: Wie die Medien klimaneutral machen?

Wie kann es Medienhäusern gelingen, klimaneutral zu werden und auf fossile Werbung zu verzichten? Darüber werden die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di und die Initiative #fossilfreieMedien mit Medienvertreter*innen u.a. von Spiegel, taz und der ARD sowie Expert*innen debattieren – am 11. Oktober 2021 bei der Online-Fachtagung "Medienhäuser auf dem Weg zur Klimaneutralität". Anmeldungen zur Teilnahme sind bis zum 7. Oktober erbeten.
mehr »