Fragwürdiges Krisenlamento

Durchs letzte Drittel des vergangenen Jahrhunderts glitten die meisten deutschen Tageszeitungen hoch profitabel und ohne besondere unternehmerische Herausforderungen. Einträgliche Marken sind Zeitungen nach wie vor. Die unternehmerische Aufgabe ist heute freilich anspruchsvoll.

Wem in dieser Lage nichts Besseres einfällt, als mit Kostenabbau zu reagieren auf den Auflagenrückgang und ein schmaleres Anzeigengeschäft, der wird keine Marktchance haben. Denn Kostenkürzung ist ein untaugliches Mittel gegen strukturelle Probleme. Die erfordern vielmehr unternehmerisches Agieren. Wer kürzt und kürzt und kürzt, entwickelt sich auf Dauer vom Journalismus-Unternehmer zum Journalismus-Unterlasser.

Es ist mithin auch unternehmerisch fragwürdig, dass die Zeitungseigner und ihre Manager in der laufenden Tarifrunde der Zeitungsjournalisten auf Kostenabbau durch Einkommenssenkung in den Redaktionen setzen. Es ist widersprüchlich, dass sie ausgerechnet bei jenen weiter kürzen wollen, auf deren Qualitätsarbeit und Einsatzfreude sie dringend angewiesen sind im laufenden Veränderungsprozess der Branche: bei den angestellten und freien Journalisten.

Etliche Verlage machen bereits die Erfahrung, dass sich Kolleginnen und Kollegen in andere Richtungen umschauen, weil sie das Missverhältnis zwischen sinkenden Realeinkommen und ständig steigenden Anforderungen nervt. Implizit räumen die Verleger diesen Widerspruch ja quasi selbst ein, indem sie angesichts steigender beruflicher Anforderungen dafür plädieren, das Zeitungsvolontariat zu verlängern. Wir sollten verhindern, dass immer mehr Studienabgänger – begünstigt von der demografischen Entwicklung und abgeschreckt vom Krisenlamento der Zeitungsmanager – sich anderen Branchen zuwenden als dem Journalismus. Wer den Wettbewerb um die besten Köpfe aufgibt, schmälert seine Chancen im Wettbewerb um hochwertige und erfolgreiche journalistische Produkte – egal ob print oder online.

Seit Jahren schon ist unsere Berufsgruppe abgehängt von der allgemeinen Einkommensentwicklung und in den letzten fünf Jahren gab’s nicht mal einen Inflationsausgleich. Allein dies wäre schon ein guter Grund für eine kräftige Gehalts- und Honorarerhöhung jetzt.

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Gibbet Fisch, oder gibbet kein Fisch?

Der Spruch stammt von meinem Musiker-Kollegen, mit dem ich als Autor in den 90iger Jahren, also in den guten analogen Zeiten, auf Lesereise war. Ein paar Bier, ein Abendessen und das Eintrittsgeld waren immer drin, und selbst wenn am Ende der Lesung der Hut rumging, kam ein nettes Sümmchen zusammen. Zeiten, von denen man heute nur noch träumen kann.
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Bald Wirtschaft vor Politik beim „Stern“?

Der Verlag Gruner und Jahr (G+J) sieht sich als Bollwerk des Qualitätsjournalismus. Die Einsendefrist für den prestigeträchtigen Nannen-Preis läuft gerade, der Mutterkonzern Bertelsmann ruft 2021 als “JAhr zur Wahrheit” aus. In der Qualitätsoffensive sollen auch G+J-Titel kräftig mitspielen. Dazu passt es schlecht, dass das G+J-Flaggschiff „Stern” und die Wirtschaftstitel „Capital” und „Business Punk” eine gemeinsame Politikredaktion bilden sollen – unter Führung des „Capital”-Chefredakteur Horst von Buttlar.
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Noch weniger Medienkritik

Wegen der Blockade der Beitragserhöhung greifen die öffentlich-rechtlichen Sender jetzt zu neuen Sparmaßnahmen. Einige Anstalten kündigen Tarifverträge, andere spitzen gleich den Rotstift für Programmkürzungen. Oder sie tun beides. Eines der ersten Programmopfer ist die Medienkritik. Das einzige TV-Medienmagazin „Zapp“ ist seit Januar nur noch einmal monatlich in NDR-Fernsehen zu sehen.
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