Medienhaus Bauer: Aus eins mach vier!

Screenshot: http://epaper.recklinghaeuser-zeitung.de/EpaperRZ/

Als die Redaktionen der Zeitungstitel des Medienhauses Bauer mit Hauptsitz in Recklinghausen Ende Januar von Verleger Kurt Bauer und Verlagsleiter Gerd Blum zu einer Abteilungsversammlung eingeladen wurden, schwante ihnen nichts Gutes. Und so war es dann auch! Bauer und Blum verkündeten, dass der Redaktionsbereich aus dem Verlag ausgegliedert und in vier neu zu gründende Gesellschaften aufgeteilt wird.

Rund 75 Mitarbeiter_innen sind von dieser Maßnahme, die inzwischen von der Verlagsleitung gegenüber M bestätigt wurde, betroffen. Sie arbeiten an unterschiedlichen Standorten für die „Recklinghäuser Zeitung“, die „Marler Zeitung“, die „Hertener Allgemeine“, die „Stimbergzeitung“, die „Dattelner Morgenpost“ und die „Waltroper Zeitung“. Die neue Redaktionsstruktur soll folgendermaßen aussehen:

Eine Chef-vom-Dienst-Redaktion mit sieben Mitarbeiter_innen wird eine eigene Gesellschaft. Der Mantel, die Kultur-, Jugend-, Service- und Regionalseiten sowie die Regionalsport-Redaktion werden mit 18 Mitarbeiter_innen zusammengefasst. Gleiches gilt für Lokalredaktionen Recklinghausen, Marl und Herten bestehend mit 27 Mitarbeiter_innen. Ebenfalls eine eigene Gesellschaft sollen die Lokalredaktionen Oer-Erkenschwick, Datteln und Waltrop bilden – mit 19 Mitarbeiter_innen.

In diesen vier Gesellschaften müssten kleine, ein- oder dreiköpfige Betriebsräte neu gewählt werden. Die Mitbestimmung mit einem jetzt noch siebenköpfigen Betriebsrat, der für das gesamte Unternehmen mit seinen ca. 160 Mitarbeitern zuständig ist, würde ausgehebelt. Nach einer Übergangsphase von einem halben Jahr erlöschen die Rechte des alten Betriebsrats. Der Betriebsrat selbst kommentiert derzeit die Vorhaben des Unternehmens nicht öffentlich. Auch die Verlagsspitze schweigt dazu und bittet um Verständnis darum, dass man, so Verlagsleiter Gerd Blum gegenüber M, „mit Rücksicht auf die anstehenden Beratungen und Verhandlungen mit unserem Betriebsrat keine Kommentare oder Erklärungen hierzu abgeben“ wird. Bekannt ist allerdings, dass der Bauer Verlag schon 2014 aus der Tarifbindung ausgestiegen ist.

Die Leitung der J. Bauer KG glaube wohl, sie sei mit ihrer Vorstellung von kleinen redaktionellen Teams zukunftsfähig, merkt die ver.di-Fachbereich-Medien-Chefin im Bezirk Westliches Westfalen, Barbara Köster-Ewald dazu an. Schon wieder sei sich ein Zeitungs-Prinzipal sicher, mit dieser Masche – mit kleinen Einheiten mobil am Markt zu agieren – das Zaubermittel gegen die unübersehbaren Markterosionen gefunden zu haben. Bei der Beteiligung der Mitarbeiter_innen heiße es dann meistens: Fehlanzeige. „Ein Zukunftsmodell ist dies nicht“, so die ehemalige Funke-Betriebsratsvorsitzende Köster-Ewald. Aus Gewerkschaftssicht müsse sie das Aufsplitten der Redaktion in vier Einheiten als einen klaren Angriff auf eine funktionierende und offenbar nicht mehr gewollte Mitbestimmung im Unternehmen werten.

Am Medienhaus Bauer ist der Dortmunder Zeitungsverleger Lambert Lensing-Wolff mit 40 Prozent beteiligt. Der gilt auch nicht als besonders zimperlich im Umgang mit seinen Belegschaften, was der komplette Rauswurf der Redaktion bei der „Münsterschen Zeitung“ vor zehn Jahren belegt.

 

 

nach oben

weiterlesen

Filmproduktion: Kleinteilig mit hoher Konzentration

Die Fernseh- und Filmproduktion ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zu einem ökonomisch gewichtigen Faktor gewachsen. Der Kenntnisstand über die Branche ist aber immer noch relativ gering. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen vergibt auch aus eigenem medienökonomischen Interesse seit Jahren einen Forschungsauftrag. Die darauf basierenden Studien zeigen eine über die Jahre gewachsene Nachfrage nach Auftragsproduktionen für das Fernsehen. Die Nachfrage lag in den letzten Jahren kontinuierlich bei über 700.000 Minuten pro Jahr. Gewachsen ist zudem das Produktionsvolumen von Kinofilmen. Die jüngste Studie für die Jahre 2013 und 2014 bestätigt diese Tendenzen erneut.
mehr »

Digital, lokal, „o-ha!“: Merkurist.de

In Mainz ist Merkurist.de schon seit Juli 2015, in Wiesbaden seit ein paar Wochen und für Juli ist der online-Start in Frankfurt geplant. Manuel Conrad, einer der Gründer von Merkurist.de, beschreibt auf dem European Newspaper Congress (ENC) in Wien seine Firma als „Deutschlands heißestes Journalismus-Startup“ und als „erstes Nachrichtenportal, bei dem die Leser aktiv an den Nachrichten mitarbeiten können“. Erklärtes Ziel: „In alle 200 Städte gehen, die nur noch eine Zeitung haben“, so Conrad. Die Paywall sei Quatsch. Dennoch, so der Betriebswirtschaftler, könne man mit einem leserorientierten, interaktiven Konzept und gutem Lokaljournalismus Geld verdienen.
mehr »

Schon entdeckt? A Syrious Look

Die syrische Kultur befinde sich außerhalb Syriens, heißt es. Noch gebe es sie aber auch in ihrer Heimat, betonen die Regisseure Ziad Adwan und Mohammad Abou Laban. Grund für sie, gemeinsam mit einem Berliner ein Magazin zu gründen, das kein eigentliches Flüchtlingsblatt ist. Vielmehr will „A Syrious Look“ die unterschiedlichen Perspektiven nutzen, um mit Kreativität den historischen Moment auszuloten, den man hierzulande teilt: ernsthaft und syrisch.
mehr »

Fokus auf Angebote in englischer Sprache

Die Deutsche Welle will künftig im Reigen der globalen Informationsanbieter stärker mitspielen. Der neue Intendant Peter Limbourg strebt darum eine Konzentration auf Angebote in englischer Sprache als „journalistisches Flaggschiff” an. Die Neupositionierung dürfte nicht ohne Risiken für die Beschäftigen abgehen.
mehr »