SZ plant Stellenabbau in Print und Digital

Das Hochhaus Süddeutscher Verlag (SV-Hochhaus) in München Zamdorf
Foto: Werner Bachmeier

Bei der Süddeutschen Zeitung (SZ) sollen bis zu 55 festangestellte Vollzeitbeschäftigte in den Redaktionen von SZ GmbH und SZDM GmbH wegfallen. Das hatten Geschäftsleitung und Chefredaktion am Dienstag bei einer Redaktionsversammlung bekanntgegeben. Der Betriebsrat sieht Qualität und Attraktivität besonders im Digitalen in Gefahr. ver.di befürchtet, dass die Reduzierung des Personals lediglich der Renditesicherung innerhalb des Konzerns dienen solle.

Möglich werden soll der Stellabbau von rund einem Zehntel der Redaktion mit Hilfe eines Freiwilligenprogramms. Voraussetzung ist eine mindestens dreijährige Betriebszugehörigkeit. Festangestellte, die freiwillig gehen, erhalten danach je nach Berufsjahren im Unternehmen höchstens 134.000 Euro. Wer sich innerhalb der nächsten sechs Wochen entscheidet, bekommt außerdem noch 30.000 Euro obendrauf. Enden soll das Programm am 18. Dezember. Und dann? Auf eine Nachfrage während der Redaktionsversammlung wollte die Geschäftsleitung betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen, sollte das Freiwilligenprogramm nicht zum gewünschten Erfolg führen, betonte aber, dass dies nicht geplant sei.

Für den Betriebsrat und wohl auch einen Großteil der Beschäftigten kam die Ankündigung eines Stellenabbaus in der Redaktion an sich nicht wirklich überraschend, war den meisten doch schon seit Ende des letzten Jahres bekannt, dass die Geschäftsleitung plane, langfristig Personal abzubauen. Überraschend sei nun jedoch die tatsächliche Größenordnung gewesen, sagt der Vorsitzendes des Betriebsrats, Jens Ehrlinger. „Kopfschütteln“ gebe es in der Belegschaft auch angesichts des gewählten Zeitpunkts, „immerhin hat die Corona-Krise ganz neue Vorzeichen geschaffen“. Zwar habe auch die zur Stuttgarter Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) gehörende SZ Einbußen verkraften müssen, etwa bei den Anzeigen, insgesamt sei man jedoch recht gut durch die Krise gekommen und habe an anderer Stelle auch profitiert. Wie etwa bei den Digitalabos, die mittlerweile nach einem rasanten Anstieg die 150.000er-Marke übersteigen. Und auch bei der Entwicklung der Print-Verkaufszahlen habe man nicht allzu schlecht abgeschnitten, sagt Ehrlinger.

Auch ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz findet den geplanten Stellenabbau vor diesem Hintergrund „nicht nachvollziehbar“: „Eine wirtschaftliche Notlage des Verlags ist weder erkennbar noch absehbar. Es steht zu befürchten, dass die Reduzierung des Personals lediglich der Renditesicherung innerhalb des Konzerns dienen soll“, so Schmitz. Er kritisierte zudem, dass die Verlagsleitung nicht zunächst andere Möglichkeiten der Kostenreduktion wie den von ver.di mit dem Verlegerverband BDZV abgeschlossenen Beschäftigungssicherungstarifvertrag in Anspruch genommen habe. Auch die von der Bundesregierung geplante Presseförderung im dreistelligen Millionenbereich hätte eine Verringerung des Personals womöglich abwenden können. „Vorschnell mit Stellenabbau zu reagieren, ist nicht nur kaufmännisch einfallslos, sondern auch sozial unverantwortlich“, machte Schmitz deutlich.

Ehrlinger sieht nun die Gefahr einer Abwärtsspirale. „Weniger Journalisten bedeutet weniger Quantität und Qualität, weniger Qualität bedeutet weniger Anzeigenumfeld und in der Regel auch weniger Leser.“ Schon jetzt sei die personelle Situation bedenklich, schrieb dazu der Betriebsrat in einer Information an die Beschäftigten. „Noch mehr Arbeitsverdichtung und noch mehr Druck, noch mehr Stress sind die Folgen. Viele junge Nachwuchskräfte, die eigentlich dringend gebraucht werden, gehen freiwillig, sobald sie anderswo noch interessante Jobs bekommen.“ Auch Ehrlinger befürchtet, dass das nun verkündete Abfindungsprogramm womöglich gerade die Jüngeren und die Digital-Affinen im Verlag ansprechen könnte.

Hinzu komme, so der Betriebsrat in seiner Info, dass mit Beginn des Septembers gerade erst für alle Bereiche des Süddeutschen Verlags die Kurzarbeit beendet worden sei. Dass das Unternehmen diese Phase so gut überstanden habe, sei den Beschäftigten zu verdanken, „nicht zuletzt wegen des erzwungenen Gehaltsverzichts, den die Kurzarbeit mit sich brachte. Ohne jede freiwillige Aufstockung, wie sie sogar in richtigen Krisenbranchen völlig selbstverständlich war, und obwohl die Arbeitsbelastung wegen sich ständig ändernder Lagen und dem Informationsbedürfnis der Kundschaft fast in allen Redaktionen und Abteilungen eher deutlich anstieg als abnahm. Zudem schickte die Verlagsleitung ihre Angestellten Mitte März beinahe von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice – bis heute ohne irgendeinen finanziellen Ausgleich.“

Zum Abfindungsprogramm sagt Ehrlinger: „Es wird zwar Geld in die Hand genommen, aber ein übermäßiges Angebot ist das nicht.“ Andere Freiwilligenprogramme wie etwa zuletzt bei den Nürnberger Zeitungen oder 2015 bei der Stuttgarter SWMH-Konzernschwester zum sogenannten „Stuttgarter Weg“ hätten da bessere Bedingungen geboten. Und so gelte wohl der Grundsatz „Wer die beste Zeitung des Landes will, muss auch dafür zahlen“ offenbar nur für die Leserinnen und Leser, nicht für die Verleger, moniert der Betriebsrat. Und rät den Beschäftigten, nichts zu unterschreiben ohne Bedenkzeit und Rücksprache mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft oder einem Anwalt.

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