Briefe an »M«, 1-2/2008

Überzogene Reaktion

Radio Vatikan an der Weser“ in M 11 / 07

Der Fundamental-Laizismus in unserem Land nimmt bisweilen auch schon bizarre Züge an. Seit jeher ist es eigentlich Brauch, öffentliche Gebäude und Einrichtungen – von der Schule bis zur Eisenbahnstrecke, vom Feuerwehrgerätehaus bis hin sogar zu SPD-Verwaltungsgebäuden und auch Gewerkschaftseinrichtungen mit einem kirchlichen Segen einzuweihen. Okay, es gab dabei auch Betriebsunfälle, wie etwa Cross-Over-Waffensegnungen in diversen Kriegen. Aber dabei wird sich der liebe Gott schon selber ausgeklinkt haben.
Zügelt Eure Empörung. Wer an so einem Brauch nicht teilnehmen will, bleibt halt einfach fern. Und für einen echten Atheisten ist das doch sowieso bestenfalls nur eine folkloristische Luftnummer ohne Wert. Freilich kann man darüber nachdenken, ob man angesichts der aktuellen religiösen Demographie in Deutschland die Ökumene etwas größer fasst und einfach noch einen Imam und einen Rabbi dazu mit einbezieht. Für die Bedürfnisse bei der Einweihung eines öffentlichen Gebäudes sind die monotheistischen Religionen schon untereinander kompatibel genug. …
Aber die überzogene Reaktion auf einen harmlosen Gottesdienst anlässlich einer Er­öffnung eines Radio-Bremen-Funkhauses macht mir doch für die Zukunft des Miteinanders in unserem Lande Angst und Bange.
Martin Koch,
per Mail aus Coburg

Preisliche Verkommenheit

Unmoralisches Angebot“ in M 12 / 07

Zu diesem Thema kann ich nur empfehlen, einen Blick auf „my-hammer.de“ zu riskieren. Da existieren auch wunderbare Beispiele für die preisliche Verkommenheit der „Medienbranche“. Teilweise ist mir bei diesen Angeboten richtiggehend schlecht geworden?

Brigitte Bockmeier,
per E-Mail

Extremes Honorardumping

Unmoralisches Angebot“ in M 12 / 07

Nachdem ich den Beitrag „Unmoralisches Angebot“ (kommentiert & aufgespießt) gelesen hatte, muss ich mal ein extremeres Beispiel an Honorardumping schildern! Wir bekamen im November einen Anruf von MDR Sputnik, ob wir Interesse an einem Job haben? Kurzbeschreibung: Wir sollten einen Fan der Band „Mando diao“ von zu Hause aus bis zum Konzert im Studio von MDR Sputnik mit unserem Team begleiten inklusive Interview und alles für das Onlineangebot des Senders produzieren. Wir sollten Personal, Technik (Kamera, Ton, Licht) stellen und daraus einen 3-Minuten-Beitrag schneiden. Arbeitszeit: Dreh am Samstagabend, Sonntag der Schnitt und am Montag 9.00 Uhr Abgabe in Halle an der Saale. Wir erstellten ein Angebot, welches wir per Mail an den CVD von Sputnik sendeten. Kurz danach kam ein Anruf, dass unser Angebot zwar gut wäre, aber MDR Sputnik dafür nur ein Budget von insgesamt 175 Euro haben würde!!! Wir haben natürlich den Auftrag nicht angenommen. – Alle sprechen von Mindestlöhnen, nur kennt so was auch MDR Sputnik?

Jürgen Schellong,
per Mail aus Leipzig

Weiterer Ausrutscher?

Lohndrückerei durch Leiharbeit“ in M 12 / 07

Mag sein, dass es sich bei dem Haustarifvertrag der Tages­zeitung Die Rheinpfalz in der Zeitungsbranche um einen Aus­rutscher handelt, in der Rundfunkbranche gibt es einen solchen Ausrutscher seit längerem: Die DeutschlandRadio Service GmbH (DRS), die 100-prozentige Tochter des DeutschlandRadio, trat 2002 dem Wirtschaftsverband WIGADI bei und wendet den Groß- und Außenhandelstarif NRW an. Insbesondere für die Online-Redakteure in der DRS aber auch für die anderen Kolleginnen und Kollegen ein nicht nachzuvollziehender Vor­gang. Seit einigen Jahren verspricht ver.di die Anwendung des MTV GAH juristisch prüfen zu lassen. Ende letzten Jahres wurde der Bundesvorstand noch einmal auf die Situation hingewiesen. Auf eine Antwort warten die rund 140 DRS-Kolleginnen und Kollegen in Berlin und Köln.

Kathy Ziegler,
Betriebsratsvorsitzende der DRS Köln

Nur männliche Referenten

Fit für den multimedialen Marktplatz
und „Schaltzentrale rund um die Uhr“ in M 12 / 07

„Bei uns sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Besonders die Männer“ – So empfinde ich die Berichterstattung zum 21. Journalistentag. Erneut haue ich deswegen beschwerdeführend – siehe meinen Leserinnenbrief im Vorjahr – in die Tasten, weil ich feststellen muss, dass sich überhaupt nichts geändert hat: Es sind wieder nur Männer abgebildet, im Text kommt lediglich eine Frau vor. Sind es wirklich immer noch fast ausschließlich die Männer, die dauernd zum Mikro rennen, um sich zu produzieren, weil sie sich so gerne reden hören? Gibt es nur männliche Referenten? Ist die Fachgruppe dju nicht in der Lage, ihre Arbeit frauenfreundlicher, sprich moderner zu gestalten? Ich glaube kaum. Ich kenne unsere Gewerkschaft anders. Warum aber spiegelt sich das nicht in M wieder? Wenn es dann wirklich eine Männerveranstaltung war, möchte ich wissen, warum darauf vorher kein Einfluss genommen wurde! Dann hätte das im Text erwähnt werden müssen. Es muss um Himmels Willen keinen Journalis­tentag zum Thema Frau und Journalismus geben, es muss eine gleichberechtigte Teilhabe geben. Wir haben tolle Kollegen, aber wir haben auch tolle Kolleginnen, von denen ich lesen will. Also: In 2008 Referentinnen her, Rednerinnen her!

Kersten Artus,
Betriebsratsvorsitzende Bauer Verlag Hamburg 
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Zwiespältig: Springer und die Plattformen

„Totale Transparenz endet immer totalitär“ – mit diesem starken Spruch warb Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner Ende Januar bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen um Unterstützung gegen Google, Amazon, Facebook & Co. Sein Anliegen: Europa müsse die Daten-Absaugerei der US-amerikanischen (und chinesischen) Tech-Giganten stoppen. Kritiker registrierten schon da eine gewisse Widersprüchlichkeit in Döpfners Begehr.
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Die dju – ein Angebot zur Mitgestaltung

Mit dem neuen Jahrtausend kam auch für die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di einiges an Neuem. Noch bevor sie ihren 50. Geburtstag feierte, knackte sie im Jahr 2000 die 20.000-Mitglieder-Marke. 2001 kam ver.di und die dju feierte ihr halbes Jahrhundert im Retro-Look im Kölner Gürzenich. Zur 60-Jahr-Feier waren die Kolleginnen und Kollegen von Rundfunk, Fernsehen und audiovisuellen Medien in der neuen Fachgruppe Medien mit dabei. Und nun, zum 70. Geburtstag, steht der dju in ver.di wieder etwas Neues ins Haus: Ein Feiertag in Pandemiezeiten.
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Aus für Freelancer in Presse und Kultur

Clasificador Nacional de Actividades Económicas (CNAE), Register für ökonomische Aktivitäten, heißt die Liste mit 2110 Tätigkeiten, die in Kuba seit dem 5. Februar für die freiberufliche Arbeit erlaubt sind. Eine Reform mit revolutionärem Potenzial, denn bislang durften nur 127 Berufe selbständig ausgeübt werden. Auf der vier Tage später erschienenen Verbotsliste sind jedoch jedwede freiberufliche Presse-Arbeit sowie etliche Berufe in der unabhängigen Kunstszene der Insel aufgeführt.
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Schon entdeckt? Qamar

Es sei „höchst an der Zeit mit, statt über Muslim*innen zu reden“, findet Muhamed Beganović. Die übliche Medienberichterstattung sei „reißerisch und eng fokussiert auf Themen wie Terror, Ehrenmord, Clan-Kriminalität oder die Kopftuch-Debatte“. Er hat mit Qamar (arabisch: Mond) deshalb ein neues, ästhetisch ansprechendes Gesellschafts- und Kulturmagazin von Muslim*innen für Muslim*innen gegründet. Es richtet sich an junge Leser*innen zwischen 15 und 35 Jahre im deutschsprachigen Raum und soll vor allem eines: Inspirieren.
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