Der WELT-Chefredakteur Jan Philipp Burgard ist von seinem Posten zurückgetreten. CORRECTIV-Recherchen zufolge könnte es dabei um den Vorwurf unangebrachten Verhaltens gegenüber einer Verlagsmitarbeiterin auf der Axel-Springer-Weihnachtsfeier gehen. Ist diese Personalie am Ende vielmehr eine Frage der Unternehmenskultur? Wie gehen Medienhäuser mit möglichen Grenzverletzungen um – und wessen Schutz steht, dabei im Mittelpunkt?
Meinung
Entscheidend ist nicht der Rücktritt selbst, sondern die Art des Umgangs damit. Burgards Funktion entfällt, seine Betriebszugehörigkeit bleibt. Das ist arbeitsrechtlich möglich, wirft aber Fragen zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers auf. Bei möglichem Fehlverhalten muss der nämlich Verantwortung übernehmen.
Verantwortung wird arbeitgeberseitig häufig weder wahrgenommen noch transparent aufgearbeitet. Betroffene benötigen jedoch eine sichere und neutrale Anlaufstelle, um Beschwerden überhaupt platzieren zu können. Andernfalls verliert ein Vorgang zwar an Öffentlichkeit, nicht aber an Bedeutung. Die Unternehmenskultur ändert sich auf diese Weise jedenfalls nicht.
Dabei ist der Axel Springer-Konzern kein Neuling in diesen Fragen. Nach öffentlich diskutierten Vorgängen um ex-BILD-Chef Julian Reichelt wurden Compliance-Regeln und Verhaltensstandards nachgeschärft. Gerade deshalb stellt sich die berechtigte Frage, warum der aktuelle Umgang so uneindeutig scheint.
Führung zeigt sich schließlich dort, wo Verantwortung spürbar übernommen wird – nicht dort, wo sie aus dem Blickfeld rückt. Genau an dieser Stelle beginnt der Schutzkodex: mit verbindlichen Standards, unabhängigen Verfahren und einer klaren Betroffenenperspektive. Ein Beitritt wäre ein starkes Signal für alle Beschäftigten.

