DuMont – Die Folgen

Läßt man das persönliche Schicksal von Hartmut Schergel außer acht, dann kann man eigentlich nur zu dem Schluß kommen: Einen größeren Gefallen hätte Alfred Neven DuMont dem deutschen Journalismus nicht tun können. Der mehr oder weniger erlahmten Diskussion um Redaktionsstatuten, Zensur, Selbstbeschneidung, vorauseilenden Gehorsam, Pressefreiheit und Verlegerinteressen hat er neuen Wind gegeben.Aus dem Haus DuMont, das offenbar kein Einzelfall ist, ist weit mehr bekannt geworden, als dem Verleger recht sein dürfte. So gibt es zwar keine offizielle schwarze Themen-Listen, doch wisse man eben um die Vorlieben und Abneigungen der Familie DuMont: „Diese Liste gibt es zwar nicht auf Papier, sie ist aber doch in unseren Köpfen“, ist von Redakteuren des Hauses DuMont zu hören.

Was in Köln durch Grobschlächtigkeit des Verlegers Neven DuMont ans Tageslicht gekommen ist, findet sicher auch Parallelen in anderen Redaktionen.Daß unter solchen Umständen die Verlegerlaune zum Rahmen für die Pressefreiheit wird und Journalismus in Zukunft bedeutet, erst einmal Rücksicht auf wirtschaftliche und persönliche Interessen des Verlegers zu nehmen, läßt sich weder gesellschaftlich noch vom Berufsverständnis her tragen. Auch daß Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben, ist verständlich. Doch wenn alle kneifen, fliegt der nächste noch schneller, wahrscheinlich aus einem viel banaleren Grund als Hartmut Schergel.Wenn sich da in den Redaktionen nichts tut, verkommt Journalismus zur Hofberichterstattung: Jedem Fürsten seine Zeitung und seine leibeigenen Schreiberlinge.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Big Tech verändert TV und Streaming

Bei den Video-Streaming-Plattformen verteidigte YouTube im Jahr 2025 erfolgreich seine Führungsposition und erreicht 72 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Die öffentlich-rechtlichen Streaming-Netzwerke von ARD, ZDF, Arte und 3sat kommen auf über 60 Prozent, dicht gefolgt von Netflix und Amazon Prime Video. Doch auch die Sender des ÖRR nutzen YouTube als Ausspielweg ihrer Inhalte. 
mehr »

Europas Machtprobe mit den Plattformen

Wegen mangelnder Transparenz bei Werbung und Nutzerkonten hat die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro gegen den Onlinedienst X verhängt. Mit dem Digital Services Act (DSA) will die EU das Netz demokratisch kontrollieren. Doch Verfahren gegen X, TikTok und Meta zeigen, wie schnell die angestrebte Regulierung zur politischen Auseinandersetzung wird.
mehr »

Gespräche aufnehmen: Was ist erlaubt?

"Ich lasse nun die Aufnahme mitlaufen.“ In Interviewsituationen am Telefon sind Tonaufnahmen unproblematisch, wenn die Beteiligten sich darauf verständigen. Unsicherheiten bestehen aber, wenn Gespräche heimlich aufgenommen wurden, beispielsweise von Informant*innen. Darf die Aufnahme veröffentlicht werden? Können die Informationen aus dem Gespräch verwendet werden?
mehr »

Inhalte brauchen Moderation

Theresa Lehmann ist Tiktok-Expertin bei der Amadeu Antonio Stiftung. Sie leitete das Modellprojekt pre:bunk, das zum Ziel hatte, Jugendliche mit Videoformaten zu Desinformation auf TikTok zu sensibilisieren. Mit M sprach sie über Regulierung, Verbote und Gefahren von Social Media.
mehr »