DuMont – Die Folgen

Läßt man das persönliche Schicksal von Hartmut Schergel außer acht, dann kann man eigentlich nur zu dem Schluß kommen: Einen größeren Gefallen hätte Alfred Neven DuMont dem deutschen Journalismus nicht tun können. Der mehr oder weniger erlahmten Diskussion um Redaktionsstatuten, Zensur, Selbstbeschneidung, vorauseilenden Gehorsam, Pressefreiheit und Verlegerinteressen hat er neuen Wind gegeben.Aus dem Haus DuMont, das offenbar kein Einzelfall ist, ist weit mehr bekannt geworden, als dem Verleger recht sein dürfte. So gibt es zwar keine offizielle schwarze Themen-Listen, doch wisse man eben um die Vorlieben und Abneigungen der Familie DuMont: „Diese Liste gibt es zwar nicht auf Papier, sie ist aber doch in unseren Köpfen“, ist von Redakteuren des Hauses DuMont zu hören.

Was in Köln durch Grobschlächtigkeit des Verlegers Neven DuMont ans Tageslicht gekommen ist, findet sicher auch Parallelen in anderen Redaktionen.Daß unter solchen Umständen die Verlegerlaune zum Rahmen für die Pressefreiheit wird und Journalismus in Zukunft bedeutet, erst einmal Rücksicht auf wirtschaftliche und persönliche Interessen des Verlegers zu nehmen, läßt sich weder gesellschaftlich noch vom Berufsverständnis her tragen. Auch daß Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben, ist verständlich. Doch wenn alle kneifen, fliegt der nächste noch schneller, wahrscheinlich aus einem viel banaleren Grund als Hartmut Schergel.Wenn sich da in den Redaktionen nichts tut, verkommt Journalismus zur Hofberichterstattung: Jedem Fürsten seine Zeitung und seine leibeigenen Schreiberlinge.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Krawallmedien nicht auf den Leim gehen!

Medien tragen Verantwortung für die Verbreitung eines diskriminierenden Menschenbildes, das nur Deutschen die im Grundgesetz garantierte Menschenwürde zugestehen möchte. Rechte Krawallportale wie „Nius“ schaffen es immer wieder, Hetze und Desinformation in verschiedene Informationskanäle zu spülen. Im August war es das „Volksbad“ vor der Berliner Volksbühne, das für eine rassistische Polarisierung der Gesellschaft instrumentalisiert wurde – nach einem bekanntem Muster, das in Diffamierungskampagnen genutzt wird.
mehr »

Fairnesspreis für „Im Osten was Neues“

Der Deutsche Fairnesspreis wird jährlich im Rahmen der feierlichen Verleihung des DEUTSCHEN SCHAUSPIELPREISES als Gemeinschaftspreis des BFFS und der ver.di FilmUnion vergeben und prämiert. Das diesjährige Thema des Fairnesspreises lautete „Zusammenleben der Kulturen“. Der Preis wurde am 11. September in Berlin verliehen.
mehr »

Journalismus muss sich zur Wehr setzen

Nicht erst seit dem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt sind sie zu einer festen Größe bei politischen Veranstaltungen geworden: Private Streamer, oft aus dem stramm rechten Spektrum. Sie behindern die Arbeit von Pressevertreter*innen, bedrängen Politiker*innen oder schüchtern Demonstrationsteilnehmer*innen ein.
mehr »

Leeres Wort des Reichen Pflicht

Verleger, Verlöger, verlogen. Mehr will einem nicht einfallen, wenn man die jüngsten Nachrichten aus der Medienwelt hört. Bei öffentlichen Auftritten, in Interviews und Sonntagsreden stellen sich die Deutschen Zeitungsverleger*innen als Bewahrer des Qualitätsjournalismus und somit Retter der Demokratie dar. Im Alltagsgeschäft legen sie an genau diesen Qualitätsjournalismus Hand an.
mehr »