Leserbrief: Ärger mit der Durchschnittszahl

M 1.2015 „Keiner schiebt uns weg

Zum wiederholten Male: Die stets aufs neue kolportierte Zahl von „22 Prozent“, dass Frauen durchschnittlich angeblich weniger verdienen als Männer, stimmt nicht. …

Grundlage dieser Zahl sind Privatbetriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern inklusive der Spitzengehälter, die mehrheitlich Männer einstreichen. Bei der Berechnung fehlen also Familien-Kleinbetriebe, wo Gewinne sowieso einheitlich verteilt werden, und der gesamte öffentliche Dienst, wo im Allgemeinen ebenfalls gleiche Löhne gezahlt werden. Nicht berücksichtigt sind außerdem die Tarifgruppen nach Ausbildung, Qualifikation, Arbeitsjahren usw. …Der Lohnunterschied ist in erster Linie also ein soziales Problem und keine Geschlechterfrage. Doch damit haben wir einen ganz anderen Blick auf das Problem als durch die angebliche Geschlechterdifferenz-Sicht. Die führt zu Entsolidarisierung zwischen Männern und Frauen, verschleiert die tatsächlichen Profiteure und soll Männer von Lohnforderungen abhalten. …Leider wird sie (die Zahl 22 Prozent) von Journalisten und Journalistinnen überhaupt nicht hinterfragt.

Thomas Moser, Berlin

Anmerkung der Redaktion:

Im M-Bericht wird auf die „Durchschnittszahl“ hingewiesen und dann weiter differenziert. Weitere Fakten aus dem Referat konnten aus Platzgründen nicht aufgeführt werden, wurden aber diskutiert.
Der Vortrag von Prof. Ursula Schumm-Garling unter: http://tinyurl.com/px9369q (PDF)

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Haltestelle verpasst

Der digitale Omnibus der EU droht Grundrechte zu verwässern. Er enthalte eine Reihe technischer Änderungen an digitalen Rechtsvorschriften, die ausgewählt worden seien, um „Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Bürgern gleichermaßen Soforthilfe zu bieten und die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern,“ schrieb die EU- Kommission im Dezember vergangenen Jahres.
mehr »

BPK: Umstrittene Mitgliedschaft

Sachlich, an Tatsachen orientiert und fair – diesen Anspruch erhebt die Bundespressekonferenz (BPK), der Verein der Hauptstadtpresse, für die Berichterstattung ihrer Mitglieder. Parallelmedien haben dort dennoch einen Fuß in der Tür. Und werden damit normalisiert.
mehr »

Ungarns Hoffnung auf Pressefreiheit

Ungarns Wahlsieger Péter Magyar hat versprochen, Rechtsstaat und Pressefreiheit wieder einzuführen. Jetzt muss er liefern, und ganz Europa muss ihm dabei sehr genau auf die Finger gucken.  
mehr »

Kämpferischer Auftakt im ÖRR

In politisch umkämpften Zeiten beginnen auch im ÖRR die Tarifverhandlungen. Ver.di ruft die Hamburger Beschäftigten beim NDR daher heute zum Warnstreik auf. Er beginnt am Dienstag und endet am Mittwoch um 1.30 Uhr. Seit Februar läuft der Tarifkonflikt um die Gehälter, Honorare und Ausbildungsvergütungen der rund 5.000 festen und freien NDR-Beschäftigten.
mehr »