Der WDR halbiert sich selbst

Westdeutscher Rundfunk Köln - Funkhaus Düsseldorf Foto: WDR/Bernd Maurer

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat heute weitreichende Pläne zur Verknappung des Programmangebots, Stellenstreichungen und Beschäftigungsabbau für freie Mitarbeiter*innen bekanntgegeben. Dies betrifft zunächst 76 noch nicht genannte Programmangebote und bis 2030 eine Halbierung der bisher 600 Programmformate. ver.di kritisiert die massiven Einschnitte.

Laut WDR soll bis 2030 jede dritte Stelle nicht mehr neu besetzt werden (etwa 130 Vollzeitstellen). Hundert Stellen sollen allein in den Lokalzeiten abgebaut werden, was Angestellte mit Versetzungen und freie Medienschaffende durch Beendigung oder erhebliche Einschränkung ihrer Beschäftigung betreffen wird. Zudem soll Personal durch weitere Stellenverschiebungen quer durch das ganze Bundesland versetzt werden.

ver.di kritisiert WDR und Medienpolitik der Länder

„Die Pläne des WDR zeigen, dass auch im bevölkerungsreichsten Bundesland und der größten Landesrundfunkanstalt Programmvielfalt und Personal abgebaut wird. Eine Rundfunkpolitik, die von den Bundesländern verantwortet wird, spart die Sender kaputt und führt damit auch zu weniger Sendungen für die Breite der Gesellschaft. Damit gefährden die Bundesländer für das von der Haushaltsabgabe finanzierte Programm die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger, während diese für private Medien ständig steigende Abo-Preise erleben,“ kritisiert Christoph Schmitz-Dethlefsen, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und dort für Medien zuständig.

Mangelhafte Managementkultur

Nicht nachvollziehbar sei, dass der WDR bisher nicht offen in Rundfunkrat und bei den Beschäftigten mit diesen Plänen umgegangen sei, nun aber schon konkrete Zahlen und Stellenabbau vorgebe. Das zeuge von keiner gute Managementkultur der Intendantin Katrin Vernau in einem von der Gesamtgesellschaft getragenen Sender, sagt Schmitz-Dethlefsen.

Der Gewerkschafter befürchtet die Schwächung des Medienstandorts NRW und appelliert an die WDR-Beschäftigten, sich mit Fragen zur beruflichen Zukunft und zum Umgang mit den Personalmaßnahmen mit ver.di im WDR, dem Personalrat und den Gewerkschaftssekretär*innen in Verbindung zu setzen. „Gutes Programm, egal ob linear, online oder in Digitalkanälen verbreitet, lebt von den Medienschaffenden, die es produzieren, kreieren und dies unabhängig und kritisch tun können. Für die Rahmenbedingungen setzt sich ver.di zusammen mit den WDR-Beschäftigten nachhaltig ein“, sagt Schmitz-Dethlefsen.

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