1. Mai: Neue Streiks, Reden und Songs

In Stuttgart demonstrierten die dju-Forderungen in der ersten Reihe mit.
Foto: Barbara Hajos

Auf zahlreichen Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Tag der Arbeit am 1. Mai haben Rednerinnen und Redner der dju in ver.di bundesweit über die Tarifauseinandersetzung der Zeitungsredaktionen berichtet und breite Solidarität erfahren. Parallel legten Tageszeitungsjournalistinnen und –journalisten in mehreren Bundesländern auch wieder die Arbeit nieder, um ihren Forderungen gegenüber den Verlegern Nachdruck zu verleihen.

Ein fehlendes Bekenntnis zur Tarifpartnerschaft hat Frank Bell, Vorsitzender der Deutschen JournalistInnen-Union im ver.di-Bezirk OWL, den Tageszeitungs-Arbeitgebern vorgeworfen. Die Journalistengewerkschaften fordern maßvolle 4,5 Prozent mehr Gehalt und einen Sockelbetrag von 200 Euro für die Volontär_innen und Berufseinsteger, erläuterte Bell während der Mai-Kundgebung des DGB im Bielefelder Ravensberger Park. „Und was bieten die Verleger? Zwischen 0,86 und 1,3 Prozent im laufenden Jahr, weit unterhalb der Inflationsmarke von rund 1,8 Prozent!“ Das sei unverschämt und menschenverachtend!

Kundgebung in Bielefeld.
Foto: Frauke Menze

„Redaktionen sind nur noch Kostenfaktoren, Redakteurinnen keine Menschen mehr, die täglich qualifizierte Berichterstattung leisten, ihr Herzblut in den Beruf fließen lassen, die morgens in die Redaktionen kommen und nicht wissen, wann sie abends Feierabend haben – Redakteure sind nur noch Kostenstellen in den Augen der Verlagsmanager. Und die werten den Beruf seit Jahren planmäßig ab“, so Bell.

Mai-Demo in Nürnberg: Klaus Schrage informiert über den Tarifstreit.
Foto: Heinz Wraneschitz

Auch auf der zentralen 1.-Mai-Veranstaltung des DGB in Nürnberg mit DGB-Vorsitzendem Reiner Hoffmann und mit 6000 Teilnehmern war die aktuelle Tarifauseinandersetzung bei den Tageszeitungen Thema. Bei der Auftaktkundgebung vor dem Demonstrationszug zum Kornmarkt sprach dju-Tarifkommissionsvorsitzender Klaus Schrage, Betriebsratsvorsitzender und Redakteur der Nürnberger Nachrichten, zu den Teilnehmer_innen. Schrage warnte die Verleger vor Habgier. Denn nur wer seine Beschäftigten gerecht bezahle, könne mit guter Arbeit rechnen. „Wer nicht, bekommt Schwierigkeiten.“  Es sei unständig, wenn die Verleger in den Tarifverhandlungen behaupten, sie seien bedroht, indem sie für Zusteller_innen den vollen Mindestlohn zahlen müssten. „In dieser Weise auf Geringstverdiener zu zeigen, ist ein Skandal“, sagte Schrage.

Vera König auf der Kundgebung in Hanover
Foto: Christian Behrens

„Wir streiten weiter um mehr Geld.“ Bei der 1. Mai-Kundgebung in Hannover hat die Neue Presse-Redakteurin Vera König die Öffentlichkeit über die Tarifauseinandersetzung der Journalisten informiert. „Zu lesen ist davon nur wenig“, vermerkte Annette Rose vom dju-Landesvorstand in Niedersachsen-Bremen.

„Ob Ausnahmen vom Mindestlohn oder bei der Rentenversicherung für die Zeitungszusteller, Steuererleichterungen oder der unsägliche Tendenzschutz: Die Politik sollte nicht länger vor den Verlegern kuschen, sondern die Förderung der Presse auch abhängig machen von der Einhaltung sozialer Standards“, forderte die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, Cornelia Haß anlässlich des Mai-Feiertags in einer Presseerklärung.

Nach der Unterbrechung der Verhandlungen am 25. April dürften in den kommenden Wochen Zeitungen immer mal wieder dünner sein oder vielleicht auch mal gar nicht erscheinen, kündigten dju-Gewerkschafter bundesweit weitere Streiks für die berechtigten Forderungen der Tageszeitungsredakteurinnen und Redakteure an.

In Hamburg rockten ver.di-Gewerkschafter auch in anderer Sache den Platz: Kolleginnen und Kollegen der Stage Entertainment richteten eine musikalischen Kampfansage an den Finanzinvestor CVC Capital Partners, der die guten Tarifregelungen für die Musical-Beschäftigten angreift.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Der Medienrat macht sich Gedanken

Eine ebenso komplexe wie wichtige Aufgabe hat der neue Medienrat für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erhalten. Das von den Bundesländern geschaffene sechsköpfige Sachverständigengremium soll bewerten, ob die Sender ihren Auftrag insgesamt erfüllen. Dabei geht es beispielsweise um eine ausgewogene und vielfältige Berichterstattung – was in Teilen der Bevölkerung in Zweifel gezogen wird.
mehr »

Lieblingsfeind freie Medien

Autoritäre Akteure setzen demokratische Strukturen, Zivilgesellschaft und freie Medien immer mehr unter Druck. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) diskutieren dazu am Mittwoch (30. September) auf ihrer Medienpolitischen Tagung mit dem Thema: „Lieblingsfeind freie Medien – europäische und deutsche Erfahrungen“.
mehr »

Berufsbild Dadfluencer: „Papa ohne Plan“

Auf Social Media lässt sich ein neuer Trend beobachten: Väter setzen sich in ihren Accounts öffentlich, selbstkritisch und selbstbewusst mit ihrer Vater-Rolle, ihren Unsicherheiten und ihren biographischen Prägungen als Mann und Sohn auseinander. Das ist ein relativ neues Phänomen. Wir sprachen mit dem Dadfluencer Felix Schenk.
mehr »

Mit Abendprogramm und Algorithmus

Die aktuelle ARD/ZDF-Medienstudie zeigt eine Mediennutzung ohne Wachstum. Ältere bleiben beim linearen TV-Programm, Jüngere wechseln zu digitalen Plattformen und KI-Tools. Für Sender und Redaktionen verschärft sich damit ein zeitlicher Wettbewerb, den Reichweitenzahlen allein nicht mehr abbilden.
mehr »